FRIEDRICHSHAIN. Einst stand an dieser Stelle ein überlebensgroßes Stalindenkmal. Heute wachsen Linden und Birken um einen gemauerten Brunnen, der seit Jahren ohne Wasser ist. Dahinter stehen Plattenbauten aus den 60er-Jahren. Es ist die tote Ecke der Karl-Marx-Allee. Der Förderverein Karl-Marx-Allee will sie wieder beleben. Mit einer Markthalle im Pariser Stil mit gläsernen Wänden und eisernen Trägern. Artur Schneider betreibt für den Förderverein das Café Sibylle nebenan und beobachtet die Entwicklung der Allee seit Jahren. Die 2,3 Kilometer lange ehemalige Prachtstraße, die grundlegend saniert wurde, mache zurzeit einen Wandel durch: "Bemerkenswert junge Leute ziehen hierher, Cafés und Klubs sowie neue Geschäfte wie Trekkingläden, Motorroller- oder Musikinstrumente-Shops haben geöffnet." Demnächst gibt es im ehemaligen Café Warschau ein amerikanisches Restaurant. Eine Markthalle, so Schneider, würde gut dahin passen. "Pläne dafür existierten schon Anfang der 90er-Jahre, doch sie verschwanden in Schubladen, und wir machen jetzt einen neuen Anlauf", sagt Schneider. Die Markthalle soll mehr sein als ein Frischemarkt. "Wir wollen ein attraktives Gesamtangebot in attraktivem Ambiente, so dass die Autofahrer bei uns anhalten", sagt Schneider. Der Förderverein sei bereits mit Investoren und einem Betreiber im Gespräch. Leer stehende Läden in der Allee eigneten sich für das Projekt nicht, sie seien zu klein. Doch zunächst muss geklärt werden, ob eine Markthalle an dieser Stelle überhaupt möglich ist. Denn die Karl-Marx-Allee ist ein Denkmal, sie ist sogar das längste Flächendenkmal Europas. "Das heißt, vom Strausberger Platz bis hinein in die Frankfurter Allee ist alles geschützt, nicht mal am Durchmesser der Straße und der Gehwege darf etwas verändert werden", sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Reetz. Das heißt aber auch, dass dort kein Gebäude gebaut werden darf. Eigentlich. Denn an der Ecke zur Straße der Pariser Kommune gibt es ein neues Bürohochhaus. "Man muss immer am konkreten Objekt entscheiden, ob es ein Fremdkörper ist oder ob es passt", sagt Petra Reetz. Die Markthallenplaner wollen das Denkmalargument nicht gelten lassen: "An dieser Stelle gab es nicht nur das Stalin-Denkmal, sondern auch das Klubhaus der Bauarbeiter, und dort wie in der alten Sporthalle auf der gegenüberliegenden Seite der Allee herrschte immer reges Treiben", sagt Artur Schneider vom Förderverein. Zweifel an dem Projekt wird aber auch von anderer Stelle laut. "Ich hoffe, die Planer haben sehr viel Geld und sehr viel Kraft, denn die Markthallen in Berlin sind mehrheitlich Not leidend", sagt der Hauptgeschäftsführer des Berliner Einzelhandelsverbandes, Nils Busch-Petersen. Von den fünf Markthallen in der Stadt geht nur eine, nämlich die Marheineke-Halle in Kreuzberg, leidlich gut. "Nur dort wohnt auch das Publikum, das eine Markthalle trägt", sagt der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne). Die Karl-Marx-Allee hält er für nicht geeignet. Doch Artur Schneider und sein Förderverein lassen sich nicht beirren: "Hier leben im Umkreis etwa 10 000 Menschen, die eine Markthalle zu Fuß erreichen könnten." Noch eine Hoffnung verbinden die Planer mit dem Neubau: "Wenn hier etwas wirklich Attraktives geboten wird, füllen sich auch ringsherum die leeren Läden schneller.""Die Allee ist im Umbruch, da passt die Markthalle gut hin. " A. Schneider, Förderverein.ZEICHNUNG: COEK MEENHORST So könnte die Karl-Marx Allee aussehen: die Markthalle vor den Neubauten und Pavillons am Straßenrand.