Neapolitanisches Glück im Partenope: Frittieren ist die edelste Kochkunst!

Gerade wollen alle die luftige Pizza aus Neapel. Dabei ist im Friedrichshainer Mezzogiorno eine in Fett ausgebackene Pizza der Hit.

Dreimal frittierte Schweinereien, wie sie im Partenope 081 serviert werden: Die Pizza Fritta kommt aus Neapel und erinnert eher an einen Schmalzkrapfen.
Dreimal frittierte Schweinereien, wie sie im Partenope 081 serviert werden: Die Pizza Fritta kommt aus Neapel und erinnert eher an einen Schmalzkrapfen.Partenope 081

Für meinen Mann bin ich der sturste Mensch der Welt. Warum? Weil ich einfach nicht aufgebe, wenn ich Lust auf etwas ganz Bestimmtes zu essen habe. Ist ein Restaurant voll, das ich mir ausgesucht habe, meist mit vorigem Blick in die Menükarte und einem ausgespähten Lieblings-Testgericht, warte ich lieber eine Stunde draußen oder an der Bar auf einen Platz, bevor ich unverrichteter Dinge nach Hause gehe. In diesem Fall diktiert mein Bauch mir, wonach ihm gerade ist, nicht mein Gehirn.

Kürzlich schrieb ich über das Mangiare in der Arminiusmarkthalle, das angeblich die beste Pizza Fritta der Hauptstadt macht. Leider konnte ich sie nicht probieren, denn als ich hinging, gab es sie nicht. Schade! Im Winter, sagte der Besitzer, nehme er sie wieder auf die Karte.

Solange wollte ich aber nicht warten. Denn Pizza Fritta, dieses neapolitanische Armengericht, ist pures, frittiertes Glück. Dabei ist das Teiggericht aus der Not heraus entstanden: weil Brennholz für den Pizzaofen in der Nachkriegszeit in Süditalien knapp und teuer war und die Neapolitaner den Teig deshalb in Öl auf dem kleinen Küchenherd ausbackten. Was fast noch besser schmeckt.

Neuer Laden, neues Glück in Friedrichshain

Also jammerte ich in meinem Foodie-Bekanntenkreis so lange, bis ich den entscheidenden Tipp bekam: Geh ins Partenope #081, sagte man mir, ein auf neapolitanische Küche spezialisiertes Restaurant in Friedrichshain. Hier werde alles frittiert, was sich auch nur im entferntesten dafür eigne. Selbst die Nudeln.

Also ging ich hin. Der Name Partenope ist etwas pathetisch aus Homers Odyssee entlehnt, und die 081 steht für die Postleitzahl Neapels. Das Restaurant ist kürzlich umgezogen. Es befindet sich nun in der Simon-Dach-Straße. Vor dem Umzug in die größere Location war mein Kollege von der Berliner Zeitung bereits hier zum Testen. Allerdings erging es ihm bei seinem Besuch ähnlich wie mir in der Arminusmarkthalle. Er wollte unbedingt die Ofenpizza essen. Doch als er ankam, war der Steinofen kaputt.

Der Ofen funktionierte bei meiner Ankunft zum Glück einwandfrei. Außen vor dem Restaurant ist eine Baustelle, weil die Hausfassade renoviert wird. Innen haben die Besitzer Francesco Scognamiglio und Paulina Olechowska bereits dafür gesorgt, dass alles schick aussieht. Also los.

Pfui, Simon-Dach-Straße: Echte Italiener sitzen drinnen

Man sitzt natürlich innen viel schöner, als beengt auf der lauten Simon-Dach-Straße, die überall – wie sonst nur bei Straßenarbeiten üblich – in mit Plastik-Absperrgittern abgesteckte „Freischankflächen“ unterteilt wurde. Behördendeutsch für Orte, an denen Wirte Tische und Stühle auf die Straße stellen dürfen. Leider erinnert die Simon-Dach-Straße so immer mehr an Mallorcas Schinkenstraße. Also sitzt man drinnen, wie es Italiener im heißen Sommer des Mezzogiorno eben auch machen.

Drinnen im Partenope #081 ist es angenehm ruhig und großzügig. Ein großer, übers Eck gehender Gastraum, zentral darin die Bar und der runde Pizzaofen. Ansonsten gibt es beruhigende Blautöne im Wechsel mit freigelegtem Mauerwerk an den Wänden.

Sofort suche ich mir alles Frittierte auf der Karte zusammen, die etwas unübersichtlich ist. Die Pizza Fritta ist unter den Antipasti gelistet: Ich nehme Montanara Tris, eine Auswahl von drei frittierten Minipizzetis. Unter der Rubrik Fritture entdecke ich noch Arancini, das sind frittierte Reisbällchen, die Orangen täuschend ähneln, sowie Frittatina Classica, die ich bis dato nicht kannte: frittierte Nudelkugeln mit Füllung.

Außen knusprig und innen leider zu trocken: die Arancini bei Partenope 081.
Außen knusprig und innen leider zu trocken: die Arancini bei Partenope 081.Partenope 081

Die Pizza sieht aus wie ein Schmalzkrapfen oder ein Pfannkuchen

Und um mein Fettsoll auch wirklich zu erfüllen, wähle ich bei den „Secondi“ noch Cuoppo di Pesce, auch ein typisch neapolitanisches Straßengericht. Übersetzt heißt das „Kegel“ und meint, dass frittierter Fisch und Meeresfrüchte wie Pommes in gerolltem Zeitungspapier serviert werden. So edel geht frittieren eben auch.

Ich bin mit meiner Wahl sehr zufrieden, vor allem mit der Pizza Fritta. Der mit Hefe aufgegangene Teig wird in sprudelndes Öl getaucht und kommt heiß auf den Tisch. Die Pizza sieht eher aus wie ein Schmalzkrapfen oder eine Münchener Aus'zogene, allerdings wird sie nicht mit Marmelade gefüllt, sondern herzhaft belegt: Bei der simpelsten Variante läuft ein fetter Klecks würziges Tomatensugo die Kugel runter, etwas frischer Parmesan schmilzt darin. Am besten einfach in die Hand nehmen und reinbeißen – ich sagte schon: frittiertes Glück!

Die beste unter den drei Minipizzen ist meiner Meinung nach die mit Mortadella und Stracciatella. Sahnig rinnt der junge, sahnige Käse den Fettballen herunter, vermischt sich mit den Salzflocken auf der Oberfläche sowie dem Schmelz der Wurst und den Pistazienstückchen. Eine herrliche Fettexplosion.

Die neapolitanische Ofenpizza ist wagenradgroß

Die Arancini, ein klassisches Resteessen der Italiener, haben gegen diese schlonzige Schweinerei keine Chance. Diese Risottobällchen sind zwar ebenfalls schön kross frittiert, aber innen zu trocken. Auch die Frittatina Classica, auf die ich so neugierig war, triggern bei mir keine Sucht-Impulse. Die Nudeln, hier Gnocchi, werden mit Tomaten und geschmolzenem Provolone-Käse vermengt und frittiert, bleiben aber bis auf die knusprige Hülle innen eine zähe Kartoffelmasse.

Tatsächlich habe ich danach noch Lust auf meinen Cuoppa di Pesce: ein Riesenberg aus Tintenfisch, Garnelen, Sardinen sowie anderen Meeresfrüchten im Teigmantel herausgebacken, auch das definitiv kein Diätessen. Etwas von der mitgelieferten Zitrone darauf – und fertig ist das Urlaubsgefühl. Wer keine Lust auf Frittiertes hat, dem kann ich übrigens auch die Ofenpizza empfehlen. Kalorien sparen kann man mit ihr nicht: Sie ist quasi „wagenradgroß“, Neapolitaner sagen dazu „a ruota di carretta“.

Preise: Antipasti und Frittiertes 4,90–18 Euro, Pasta 9,90–18 Euro, Hauptgerichte 11,90–18 Euro, Pizzen 8–18 Euro. Desserts 5,50–7,50 Euro.

Partenope #081: Simon-Dach-Straße 39, 10245 Berlin. Geöffnet Mo–Do 17–23 Uhr; Fr–So 13–23 Uhr.


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