Rezept der Woche: Manche machen Diät oder Dry January, wir kochen leicht und saisonal

Jetzt beginnt die Zeit der unrealistischen Vorsätze, es schlägt die Stunde der Asketen. Sport, Abnehmen und Detox. Wir gehen es mit entspannten Rezepten locker an.

Wer schlank, gesund und schön ins Jahr 2023 starten will muss (wie hier Robert Redford im Liegestütz) leiden? Wir finden, das muss nicht sein. 
Wer schlank, gesund und schön ins Jahr 2023 starten will muss (wie hier Robert Redford im Liegestütz) leiden? Wir finden, das muss nicht sein. imago

Man kann ihnen kaum entfliehen, den Neujahrsvorsätzen, die sich viele Menschen Jahr auf Jahr immer wieder machen. Gehen Sie der Tage mal durch einen Park. Dort sehen Sie kaum Kinder, weil die alle noch im Urlaub sind. Dafür so viele Jogger wie selten. Denn jeder will jetzt ein paar Kilos verlieren. Ich rechne da immer in Butterstücken. Das ist dann besonders bizarr: Haben Sie zehn Kilogramm zu viel auf den Hüften, entspricht das 40 Butterstücken á 250 Gramm. Da wird einem ganz mulmig.

Mit steigendem Alter, wachsender Weisheit und gesammelten Diät-Erfahrungen lässt die Sache mit den Vorsätzen ein wenig nach. Kluge Menschen nutzen die Gelegenheit, setzen sich zwei bis drei Ziele und formulieren sie geschickt als Wünsche. Andere wünschen sich einen klaren Schnitt, das ganze Leben soll umgekrempelt werden. Dieser Radikalismus beginnt quasi in der Silvesternacht. Jetzt wird alles anders!

Jede Woche schreibt unser Koch Felix Hanika für uns die Rezepte der Stunde auf.
Jede Woche schreibt unser Koch Felix Hanika für uns die Rezepte der Stunde auf.Cachete Jack für Berliner Zeitung

Die einen legen sich da, kaum hat es Geisterstunde geschlagen, mit Raketen und Schreckschussknarren mit der exekutiven Staatsgewalt an, die anderen gehen früh und nüchtern ins Bett, um das Neujahr mit einem Dauerlauf im Tiergarten einzuleiten. Die einen katern ordentlich aus, die anderen schwitzen fleißig und stellen erstmal grundlegend ihre Ernährung um: Trennkost, fett- und zuckerfrei, low carb, Intervallfasten oder der gute alte Alkoholverzicht.

Silvester-Chaoten von Neukölln und andere Streber

Gesagt ist einfach, getan noch lange nicht. Denn alle diese Geißeln sind massiv anstrengend. Keiner hat Bock auf die Böller-Chaoten in Neukölln, aber auf Streber noch weniger. Und was ist mit den Gemäßigten, der goldenen Mitte sozusagen? Zum Neujahr wird gut und viel gegessen und anständig angestoßen, ein paar Raketen in die Luft zu jagen, das hat noch niemanden verletzt, und für den Sommerurlaub wünscht man sich ein schönes Reiseziel und eine solide Strandfigur. Klar, ein paar Euro mehr auf dem Lohnzettel sollten es auch sein, aber nur nicht zu viel, immer schön gemäßigt bleiben.

Zu rigide Neujahrvorsätze (wie irgendein Hardcore-Sport-Fastenprogramm) sorgen für Stress und wenig purzelnde Pfunde. Warum nicht langsam angehen?
Zu rigide Neujahrvorsätze (wie irgendein Hardcore-Sport-Fastenprogramm) sorgen für Stress und wenig purzelnde Pfunde. Warum nicht langsam angehen?imago

Mäßigung würde unserem Land gut stehen. Sowohl der Politik und der Bevölkerung als auch generell unserer Alltagskultur, denn diese, so empfinden wir es, wird immer radikaler, hastiger, orientierungsloser. Die Italiener sagen „Chi va piano, va sano e va lontano“, die Engländer „slow and steady wins the race“, und wir pflegten zu sagen: „Gut Ding braucht Weile.“ Aber wo hört man das heutzutage noch? Sauberes Fahrrad oder dreckiges Auto, darum geht’s auf Berlins Straßen. Aber warum darf nicht einfach beides rollen?

Die Zeit der gemütlichen gemeinsamen Abendessen gibt es kaum noch, denn Gabi und Heinz essen schon seit fünf Jahren kein Fleisch mehr, August möchte quasi nix anderes außer Prime Beef vom Weber-Grill, Sascha nur noch Bio und Fairtrade, Lena und Anna machen Dry January oder Veganuary und für Tim gibt es nur noch Keto und zu viel Sport (er bringt sich sein eigenes Essen mit, das ist schon okay).

Salat aus Spinat, Rote Beete und Orangen-Filets: Das hat auch Saison, ist aber zu einfach um es hier als Rezept aufzuschreiben.
Salat aus Spinat, Rote Beete und Orangen-Filets: Das hat auch Saison, ist aber zu einfach um es hier als Rezept aufzuschreiben.Felix Hanika

Veganuary? Das ist uns viel zu viel Diät-Askese

Nun ja, was soll man da machen? Vielleicht einfach akzeptieren, dass es neben dem Meinungspluralismus auch einen gastronomischen Pluralismus gibt in Deutschland. Vielleicht müssen wir die Art und Weise, wie wir essen, überdenken. Wieso nicht viele kleine Gerichte, Schalen, Platten, Teller anrichten und das Brot mit den Händen teilen? Jeder bringt was mit, ist doch ganz einfach. Quasi dem Motto folgend: Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht.

Klingt erstmal egoistisch, aber ist ja zum Teilen gedacht. Also erstmal sacken lassen den Gedanken, piano piano, Sie wissen schon. Jetzt in Ruhe unsere Rezepte lesen und dann nachdenken, ob es mit Gabi, Heinz, August, Sascha, Lena, Anna und Tim nicht doch ziemlich entspannt und cool war, damals, als man noch Zeit hatte. Hier also Rezepte zum Teilen für einen gemäßigt gesunden Neustart in ein wunderbares Jahr 2023:

Nutzen sie die saisonalen heimischen Klassiker wie Grünkohl. Der hält nicht nur den Frost aus, sondern schmeckt und macht auch Sie hart!
Nutzen sie die saisonalen heimischen Klassiker wie Grünkohl. Der hält nicht nur den Frost aus, sondern schmeckt und macht auch Sie hart!imago

Lauwarmer Grünkohlsalat mit Haselnüssen und Birne

Zutaten (für 2 Personen): 1 Bund frischer Grünkohl, 1 Zehe Knoblauch, 1 Tasse Haselnüsse, 1 reife Birne, Balsamico-Essig, Honig, Olivenöl, Salz, Pfeffer und Muskat

Zubereitung: Der Grünkohl wird geschält und in daumendicke Streifen geschnitten. Dann in einer Pfanne mit Olivenöl anbraten. Immer wieder wenden, aber die Blätter dürfen ruhig etwas Farbe nehmen und knusprig werden. Den Knoblauch feinhacken und dazugeben, kurz anschwitzen lassen und dann mit Balsamico ablöschen. Anschließend mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Die Nüsse grob hacken und die Birne in Würfel schneiden. Alles vermengen und zehn Minuten ziehen lassen. Gegebenenfalls nochmal abschmecken. Fertig.

P.S. Sollten die Haselnüsse nicht geröstet aus der Packung kullern, dann bitte separat in einer Pfanne noch kurz anrösten. Denn knusprig schmeckt besser!

Und auch der Chicorée ist ein echter Detox-Star: Denn das bittere Gemüse tut unserem Körper richtig gut. Und schmeckt auch noch wunderbar mit Blue Cheese und Orangen.
Und auch der Chicorée ist ein echter Detox-Star: Denn das bittere Gemüse tut unserem Körper richtig gut. Und schmeckt auch noch wunderbar mit Blue Cheese und Orangen.imago

Geschmorter Chicorée mit Blauschimmelkäse-Soße, Orangen und Walnüssen

Zutaten (für 2 Personen): 4 Chicorée, 1 Stück Blauschimmelkäse (Gorgonzola, Stilton oder Roquefort), 1/2 Tasse Quark, 1/2 Tasse Milch, 1 Tasse Walnüsse, 1 Orange (Filets und Abrieb), Salz, Pfeffer und ein wenig Butter

Zubereitung: Wir waschen und halbieren den Chicorée und schmoren ihn dann mit der Butter in der Pfanne. Er soll richtig gar sein, also gut sieben bis acht Minuten schmoren (mittlere Hitze). Dann mit Salz und Pfeffer würzen.

Wir vermengen den Blauschimmelkäse, den Quark und die Milch und machen daraus eine Creme, schmecken diese mit Salz, Pfeffer und Orangenabrieb ab. Die Walnüsse grob hacken und die Orangen filetieren.

Dann richten wir alles an. Auf einem Teller streichen wir die Creme aus, darauf kommt der Chicorée, darüber die Orangenfilets und die Walnüsse. Vielleicht noch etwas Salz und Pfeffer.

Gebackene Karotten mit Sesam und Kräutern: Besser geht es nicht, findet Ottolenghi und auch unser Autor Felix Hanika.
Gebackene Karotten mit Sesam und Kräutern: Besser geht es nicht, findet Ottolenghi und auch unser Autor Felix Hanika.Felix Hanika

Gebackene Karotten mit Karottengrün-Pesto und Tahini-Soße

Zubereitung (für 2 Personen): 1 Bund Karotten (mit Grün), 3 EL Tahini, 1 Tasse Quark, 1 Zitrone (Abrieb und Saft), 1 EL Sesam (Saat), Olivenöl, 1 EL Honig, 1 Zehe Knoblauch, Salz, Pfeffer und optional Ras el Hanout

Zubereitung: Die Karotten marinieren wir mit Olivenöl, Honig und Salz. Dann backen wir sie im Ofen bei 200 Grad. Wie lange? Bis sie etwas braun an wenigen Stellen sind!

Aus dem Karottengrün, der Hälfte des Knoblauchs, Salz und Olivenöl machen wir eine Art Pesto. In einem Blender oder Mörser, alles ist erlaubt.

Dann vermengen wir Tahini und Quark mit dem restlichen Knoblauch und mischen daraus eine glatte Creme. Mit Zitronenabrieb und -saft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Anrichten: Creme auf den Teller, die warmen Karotten darauf, dann das Pesto und den Sesam darübergeben. Fertig.

Es gibt Unmengen solcher Salate, und wir sind uns sicher, Sie werden zahlreiche Rezepte finden, die Ihren Neujahrsvorsätzen entsprechen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit einem Waldorf-Salat? Sellerie hat gerade jetzt Saison. Im Netz werden Sie tolle Rezepte finden. Viel Erfolg für 2023!

Felix Hanika: Koch aus Leidenschaft und Wahl-Mallorquiner, für den ein Pfund Butter sein Ein und Alles ist.
Felix Hanika: Koch aus Leidenschaft und Wahl-Mallorquiner, für den ein Pfund Butter sein Ein und Alles ist.Felix Hanika

Haben Sie Fragen zu unseren Rezepten, Ideen und Wünsche für Geschichten oder einen Restauranttipp für uns? Dann schreiben Sie uns per E-Mail: briefe@berliner-zeitung.de


Felix Hanika war zunächst Investmentbanker, dann absolvierte er im Hotel & Restaurant Bareiss im Schwarzwald eine Kochlehre. Acht Jahre lang kochte er in den besten Restaurants der Welt. In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung veröffentlicht er regelmäßig seine Lieblingsrezepte.