Meine Rückreise von Berlin nach Palma steht mir schon bevor, denn glaubt man den vielen Artikeln über die Zustände auf den deutschen Flughäfen und vor allem beim BER, steht mir eine echte Odyssee bevor. Bezugnehmend auf den über 2700 alten Epos von Homer immerhin ein Abenteuer, wenn auch eines mit zahlreichen Strapazen und Herausforderungen.

Für die Rückreise in meine mediterrane Wahlheimat nehme ich allerdings einiges in Kauf, denn ob nun Mallorca, Israel oder eben Griechenland, der Mittelmeerraum lockt uns alle regelmäßig gen Süden. In eines der zahlreichen Länder am Mittelmeer verschlägt es am Ende doch jeden von uns. Dieses Jahr besonders beliebt sind angeblich Italien, die Balearen, Kroatien, Griechenland und die Türkei (eine sehr ausgefallene Liste!).

Da muss man gut vorbereitet sein, denn in Italien muss man stets sein Bestes geben, also la bella figura. Und wer glaubt, das kollektive Gedächtnis der wilden Instagram-Partymeute auf den Balearen verzeiht ein Gramm Fett zu viel auf den Rippen, der täuscht sich. Wir könnten diese Liste lange fortsetzen, klar ist: Der Sommer steht an und wir alle wollen unsere Corona-Pfunde loswerden und zurück zu unserer Strandfigur. ASK22 nenne ich das. Aktion-Sommerkörper-2022.

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Immer schön frisch und knackig: auf dem Münchener Viktualienmarkt.

Viel Bewegung, gute Ernährung – so nehmen Sie sicher ab

Viel Bewegung und die richtige Ernährung sind da schon sehr hilfreich, aber übertreiben Sie es nicht. Man muss schon noch genießen können. Wer sich ohne Genuss und Leidenschaft zu sehr quält, der erzielt oft schlecht Ergebnisse oder unbeliebte Nebeneffekte. Wie dem auch sei – oft hilft es schon, den täglichen Mahlzeiten einen Salat voranzustellen. Hinterher isst man dann kleinere Portionen vom Hauptgang. Das hilft wirklich.

Auch kann man natürlich gleich ganze Mahlzeiten mit Salat substituieren. Jedoch Obacht: Der Begriff „Salat“ ist doch recht weit gefasst. Es soll Menschen geben, für die besteht ein Salat aus gebratenem Gemüse, Hühnerbrust und Back-Camembert. Oder sie denken an Wurst- oder Fleischsalat. Das alles ist nicht übel, doch wollen wir heute einmal über frische Blattsalate sprechen. Davon gibt es nämlich reichlich, und mit ein paar wenigen Kniffen sind diese ein ziemlicher Genuss. Der Clou: die richtige Salatsoße.

Fangen wir also einmal bei den Salaten an. Was gibt es denn? Eichblatt, Eisberg, Kopfsalat, Romanasalat, Endivien, Lollo Rosso/Bionda, Rucola, Feldsalat, Radicchio, Chicoree, Spinat … damit kann man schon arbeiten. Zusätzlich gibt es unzählige Kressen und Kräuter wie etwa Postelein, Brunnenkresse, Gartenkresse, Petersilie, Estragon, Kerbel, Dill, Koriander, Basilikum, und noch all die Wildkräuter wie Vogelmiere, Löwenzahn, Borretsch, Gundermann, Giersch oder Sauerklee, um nur ein paar wenige zu nennen. Das alles sind nur die bekannten Sorten; viele alte Sorten sind gar nicht berücksichtigt und man bedenke, was weltweit alles noch so wächst. Die Auswahl ist grenzenlos!

Salate und Kräuter, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Persönlich mische ich immer die möglichst knackigsten Sorten, meiner Meinung nach Romanasalat, Spinat und Radicchio (ich liebe es ein wenig herb). Hinzu kommen bei mir stets Wildkräuter aus dem Garten, meistens scharfe Brunnen- oder Kapuzinerkresse und die milde, aber knackige Vogelmiere. Abschließend ein paar kräftige Akzente mit frischen Kräutern. Ich liebe Dill, Estragon und Kerbel, diese nur grob vom Stil gezupft. Alles, das versteht sich eigentlich von selbst, total frisch! Nüsse und Saaten, getrocknete Tomaten und so weiter finden nicht den Weg in meinen Salat, denn ich genieße es besonders, das zarte und knackige Grünzeug für sich selbst zu verzehren.

Oft reicht es mir, den Salat mit Essig und Öl anzumachen, aber gelegentlich darf es auch eine schöne Salatsoße sein. Gut vorbereitet hab ich immer ein bis zwei Varianten in einem Glas im Kühlschrank. Richtig gemacht, halten sich die Soßen eine ganze Weile. Und oft sind es sogar die guten Salatsoßen, die mich dazu veranlassen, mich für einen Salat zu entscheiden, wenn ich am späten Nachmittag bereits über mein nächstes Mittagessen grübele.

Mit einer schönen Salatsoße kann man dann auch schon ziemlich gut justieren, wohin die Reise gehen soll. Also ob man wie König Odysseus durch Griechenland schippert, in Italien la bella figura macht oder die leichte und gesunde Küche Israels genießen möchte. Was dann bei Ihnen noch in den Salat kommt, entscheiden Sie selbst. Frisches Gemüse gibt es aktuell reichlich und an Ideen sollten es Ihnen, meine geschätzten Leser, wohl kaum mangeln! Anbei gleich vier Rezepte für Sie:

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Wenn’s heiß ist und die Sonne brennt, braucht der Körper was Leichtes: Griechischer Bauernsalat mit Olivenöl ist hier eine gute Wahl.

Nordische Salatsoße

Zutaten: 150 ml gutes Rapsöl (schön nussig), 1 EL flüssiger Honig (z.B. Waldhonig), 1 TL Senf (mittelscharf, etwa Bautzner), Dill (fein gehackt), Salz und rote Pfefferkörner (alternativ normaler Pfeffer aus der Mühle).

Zubereitung: Vermischen Sie alles bis auf den Dill zu einer feinen Vinaigrette. Anschließend kommt der Dill dazu. Gut verrühren und fertig. Das passt wunderbar zu einem ganz frischen und knackigen Kopfsalat. Dazu ein Schwarzbrot mit Butter, Gurke und Radieschen. Ahoi!


Französische Kräuter-Vinaigrette

Zutaten: 200 ml Brühe (Geflügel oder Gemüse), Speisestärke, Estragonessig, 2 EL Dijonsenf, 2 TL Zucker, 1 TL Salz, Pfeffer aus dem Mühle, 1/3 Bund Estragon, 1/3 Bund Kerbel, 1/3 Bund Schnittlauch.

Zubereitung: Zuerst kochen wir die Brühe auf und dicken diese anschließend mit der Speisestärke ein. Hier müssen Sie der Anleitung auf der Stärkepackung folgen. Sie sollten eine Konsistenz haben, die einer guten Salatsoße gleichkommt. Während die Brühe dann abkühlt, waschen wir die Kräuter, hacken dann Estragon und Kerbel und schneiden feine Röllchen aus dem Schnittlauch.

Dann rühren wir restlichen Zutaten in die eingedickte Brühe. Am besten gibt man alles dazu und benutzt dann einen Pürierstab. Erst am Ende fügen wir die Kräuter hinzu und lassen alles noch einmal ziehen. Voilà! Diese Vinaigrette passt wunderbar zu einem gemischten Blattsalat mit gekochten Eiern, Kapernäpfeln und, wenn es sein muss, etwas Thunfisch.


Spanische Vinaigrette

Zutaten: 150 ml Olivenöl, 1 TL Senf (mittelscharf), 50 ml Rotwein oder Sherryessig, 2 EL Flüssigkeit aus einem Glas Kapern oder grüne Oliven, 1 TL Pimentón de la Vera (mild), Salz und Pfeffer, ein Spitzer Zitronensaft.

Zubereitung: Diese Zutaten muss man einfach gut verrühren, am besten mit einem Pürierstab. Anschließend kann man die Säure mit etwas Süße (Zucker, Honig, Agavensirup) justieren. Das Kapernwasser und der Pimentón machen den Unterschied. Hier ist man ganz schnell in Spanen. Olé!

Hanika
Felix Hanika: Koch aus Leidenschaft und Wahl-Mallorquiner, für den ein Pfund Butter sein Ein und Alles ist.

Tahini-Aprikosen-Soße

Zutaten: 3 EL Tahini, 1 EL Joghurt, Saft und Abrieb einer Zitrone, 1 EL Aprikosenmarmelade, 3 EL Olivenöl, eine Messerspitze Kreuzkümmel, Salz und ein wenig Cayennepfeffer.

Zubereitung: Vermischen Sie alles außer dem Olivenöl und pürieren Sie es ordentlich durch. Man kann es auch einfach mit einer Gabel zu einem Dressing verrühren. Wichtig ist, das Olivenöl erst am Ende einzuarbeiten. Denn während des Prozesses kann es schnell bitter werden. Ist Ihr Dressing zu dünn oder bitter, dann steuern Sie mit etwas Honig oder Ahornsirup und Zitronen- oder Limettensaft dagegen.

Dieses Dressing gibt es bei mir zu einem gemischten Salat aus Endivie, Romana und Kopfsalat. Hier passen besonders gut Kapuzinerkresse und etwa Affilla. Oft gibt es dazu gebackene Auberginen mit Joghurt, Minze und Granatapfelkernen. Viel Spaß bei Ihrer Salat-Odyssee! Sie werden bestimmt eine super Figur machen, auch am Tegeler See oder überall, wo Sie sich im Sommer mit Ihrer Strandfigur sonst so bewundern lassen wollen.


Felix Hanika war zunächst Investmentbanker, dann absolvierte er im Hotel & Restaurant Bareiss im Schwarzwald eine Kochlehre. Acht Jahre lang kochte er in den besten Restaurants der Welt. In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung veröffentlicht er regelmäßig seine Lieblingsrezepte.

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