Die rekordverdächtigen Umfragewerte für die Berliner Grünen haben ihren Höhepunkt möglicherweise überschritten. Erstmals seit Monaten steigen ihre Werte in der Hauptstadt nicht mehr, sondern sinken leicht: Wäre am kommenden Sonntag Abgeordnetenhauswahl, so entschieden sich 29 Prozent der Berliner für die Grünen, ein Prozentpunkt weniger als im Vormonat. Da die SPD zugleich um einen Punkt zulegt und auf 27 Prozent kommt, nähern sich die beiden stärksten politischen Kräfte einander an. CDU (17 Prozent) und Linke (14) bleiben deutlich zurück, die FDP stagniert bei drei Prozent, womit sie nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertreten wäre. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Befragt wurden 1004 Berliner zwischen dem 19. und dem 28. Oktober.Ob das Ergebnis mit der Quasi-Nominierung der bislang nur informell designierten grünen Spitzenkandidatin Renate Künast zusammenhängt, ist unklar. Die Forsa-Umfrage fand zum großen Teil nach dem Bekanntwerden der Nachricht statt, dass sich Künast am 5. November, kommenden Freitag, zur Kandidatur bereiterklären würde. Im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten Klaus Wowereit (SPD) und Renate Künast haben sich die Verhältnisse ebenfalls wieder gedreht. Nachdem Künast mehrfach vorne lag, kann diesmal Wowereit die Frage nach der Bürgermeisterpräferenz für sich entscheiden. Der amtierende Senatschef erhält 40 Prozent Unterstützung (plus zwei Punkte), seine Herausforderin nur noch 36 Prozent (minus drei). Künast ist dabei im Westen, Wowereit im Osten besonders stark.Henkels Problem mit der CDUNimmt man die CDU als dritte Berliner Partei hinzu, die den Anspruch erhebt, ab Herbst 2011 den Regierenden Bürgermeister zu stellen, verändert sich das Bild nur wenig: Frank Henkel, CDU-Partei- und Fraktionschef sowie mutmaßlicher Spitzenkandidat, kommt auf elf Prozent Unterstützung, für Wowereit und Künast bleiben jeweils 35 Prozent. Klar ist damit nur, dass Henkels Kandidatur offenbar den SPD-Politiker Stimmen kostet - aber nicht die Grüne.Bitter für Henkel: Die Anhänger der CDU unterstützen ihren eigenen Kandidaten lediglich mit 20 Prozent Zustimmung - Renate Künast allerdings mit 21 und Klaus Wowereit sogar mit 25 Prozent. Das ist bei keiner anderen Partei so: So stehen etwa die SPD-Anhänger ebenso wie Linke-Wähler zu 55 Prozent hinter Wowereit, Grünen-Wähler sogar zu 73 Prozent hinter Künast. Auch Anhänger der Liberalen finden Künast attraktiver als Henkel.Dass die Grünen ihr Wählerpotenzial derzeit maximal ausschöpfen, legt auch die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl nahe. Die Berliner würden dabei mit 28 Prozent die Grünen unterstützen, also nur einen Punkt weniger als aufs Abgeordnetenhaus bezogen. Die Linke dagegen erreicht im Bund drei Prozentpunkte mehr als im Land, die CDU immerhin noch zwei Punkte.Erstmals siegt ein GrünerIn der Beliebtheitsskala steht dafür erstmals ein Grünen-Politiker ganz vorne: Volker Ratzmann, langjähriger Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, gelingt der Sprung an die Spitze, obwohl er vergleichsweise wenig zugelegt hat. Allerdings lässt der bisherige Spitzenreiter, Innensenator Ehrhart Körting (SPD), leicht nach, während Wowereits Werte stagnieren. Renate Künast taucht in dieser Skala noch nicht auf, weil sie ihre Kandidatur noch nicht offiziell bestätigt hat. Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann kennen allerdings lediglich 46 Prozent der Berliner - kein dramatisch schlechter Wert für einen Oppositionspolitiker, aber doch kaum befriedigend. Klaus Wowereit kennt dagegen fast jeder.------------------------------Grafik: Wären am kommden Sonntag Wahlen, dann lägen Grüne und SPD wieder nahe beieinander. Sonntagsfrage AbgeordnetenhausGrafik: Die SPD ist im Bund etwas weniger beliebt als in Berlin, die Linke dagegen etwas mehr. Sonntagsfrage BundestagFoto: Erstmals steht ein Grüner an der Spitze der landespolitischen Beliebtheitsskala. Allerdings sind die Abstände dort oben sehr knapp. Klare Verlierer sind dagegen Frank Henkel (CDU) und Christoph Meyer (FDP).