Das "Forum Jüdische Geschichte Spandaus" möchte einige Häuser in der Havelstadt mit Gedenktafeln versehen. Mit ihnen soll an jüdische Bürger, aber auch an exponierte Orte jüdischer Geschichte in der Havelstadt erinnert werden.Wie berichtet, war das Forum nach dem Beschluß der BVV gegründet worden, die Kinkelstraße doch nicht in Jüdenstraße rückzubennen. Dessen Mitglieder erstellen zur Zeit eine Liste, die vom Bezirksamt abgesegnet werden muß. Danach entscheidet die "historische Kommission" über die Gedenkwürdigkeit. Doris Fürstenberg vom Kulturamt Steglitz sitzt in der Kommission: "Man sollte bei den Vorschlägen Vielfalt wahren. Wichtig ist auch das Einverständnis der jeweiligen Hausbesitzer." Spandaus Kunstamtsleiterin, Andrea Theissen, schätzt, daß etwa fünf Vorschläge aus dem Bezirk berücksichtigt werden könnten.Das Berliner Gedenktafelprogramm war 1986, ein Jahr vor der 750-Jahr-Feier der Spreemetropole, ins Leben gerufen worden. Finanziert werden die 40 mal 60 Zentimeter großen Tafeln von der Landesbank Berlin, hergestellt von der königlich-preußischen Porzellanmanufaktur (KPM). Sie kosten pro Stück rund 1 200 Mark. Ursprünglich sollte jeder Bezirk etwa 25 Tafeln bekommen. Spandau besitzt noch keine einzige. Einige Beispiele aus der vorläufigen Liste des Forums: Ehepaar Flieger (Ackerstraße 26). Sie versteckten eine jüdische Frau. Jüdisches Altenheim an der Feldstraße 8. Von dort wurden Bewohner in Konzentrationslager deportiert. Rabbiner Arthur Löwenstamm (Feldstraße 11). Julius Sternberg, letzter Vorsteher der Jüdischen Gemeinde. Theodor Hirschfeld (Markt 11). Der Liberal-Demokrat und seine Mutter Paula wurden deportiert. Jüdischer Friedhof an der Neuen Bergstraße. Ehepaar Hannes, Onkel und Tante der Autorin Inge Deutschkron ("Ich trug den gelben Stern"), Schönwalder Straße 13-14. Erich Meier, 1933 von der SA ermordet (Falkenhagener Chaussee, heute Falkenseer Chaussee/Ecke Zeppelinstraße). Letzte erhaltene Wohnungssynagoge (Ritterstraße 12). Weitere Vorschläge nimmt der Leiter der Jugendgeschichtswerkstatt und des Forums, Franz Paulus, unter 335 00 70 entgegen. +++