Sie werden sehen, wie die Farben leuchten und sprühen, wie sie aufeinanderknallen und Harmonie suchen -- ab morgen, im Foyer der Berliner Zeitung. Die Bilder von Alexander Friedmann-Hahn scheinen zu sagen: Schau her und genieße, träume und lache. Wer dann noch mit dem Maler ins Gespräch kommt, landet rasch bei dessen Philosophie: positiv denken!Das kann anstecken. Nichts anderes will der 27jährige, aus Hamburg stammende jüdische Weltburger. 810 ß keine dramatischen Interpretationen seiner Bilder. Nicht diese theoretisierende Wortakrobatik, die den moralisierenden Zeigefinger hebt oder ein Werk mit Thesen und Konzepten auflädt, um verbissen darin "das Innovative" zu finden. Der junge Maler hat in Amerika und Frankreich gelebt, zig Berufe ausprobiert und über Kunst und Leben viel nachgedacht, ehe das Malen ganz und gar die Oberhand gewann."Ich male für jene, die enttäuscht sind von immer unverständlicherer, elitarerer Kunst. Ich gehe wieder einen Schritt zurück und auf den Betrachter zu." Seine Bilder sollen unterhaltend sein, anregend, wohltuend und erschwinglich. Malerei lehrt für Alexander Friedmann-Hahn eine unverstellte, gewissermaßen kindllche Freude am Schönen. An Rot, Grün, Blau und Weiß und allem Dazwischen. Schwarz gibt es für ihn nicht. "Denn auch das Dunkle ist immer farbig", behauptet er.Nach Berlin kam er vor einem Jahr. "Die Stadt setzt meine ganze malerische Energie frei", verrät er. Er hat ein winziges Atelier in Mitte, unweit des Scheunenviertels und der Oranienburger mit ihrer Synagoge, dem neuen Flair und den alten Erinnerungen an jüdisches Leben. Für ihn sei diese Nähe "irgendwie schicksalhaft", glaubt er. Die Stadt mit ihren Farben, Geräuschen, Gerüchen, ihren alten und neuen Konflikten geht in die Bilder ein, liegt oft unter den dicken, gleich aus der Tube gedrückten und spontan mit den Fingern verwischten Farben.In intensiven Gollagen spielt der Maler mit Alltagsdingen. Da finden sich Zeitungsfetzen, Fotos, Gesichter, Symbole und Schrift, als Informationen, was ihm wichtig ist: Freunde, Liebe, Schönheit, Musik, Lebensfreude. Was entsteht, ist nie melancholisch, eher malt hier ein fröhlicher Flaneur. Natürlich spürt er die Spannungen in der Stadt. Wohl ihretwegen strebt seine intuitive Malerel so sehr nach Harmonie. Für sie übermalt er so manche Arbeit. Wo einmal Ballspieler über die Leinwand tobten, wuchert jetzt ein abstrakter Großstadt-Dschungel. In der Mitte, wo sich alles dicht zu verknäueln droht, bricht das Bild plötzlich auf, wird transparent. Licht am Ende des verwirrenden, bedrohlichen Gewirrs? Aber vielleicht ist das schon zuviel interpretiert.Vielschichtigkeit ist diesem Künstler wichtig, er möchte in keine Stilschublade geschoben werden. Frei und unbekümmert verarbeitet er Geschautes und die Kunstgeschichte. Die Bewegung von Menschen im Raum ist ständiges spannendes Thema. Die Figuren sind verfremdet, wirken leicht und erotisch wie Tanzende; ihre Arme und Beine werden zu weichen, in jede Richtung formbaren Gliedmaßen, die beliebig Kontakt aufnehmen zu anderen Gestalten. Als wenn aus Fremheit Nähe, aus Härte Weiches würde und aus Stummheit Kommunikation. Daneben kullern knallrote Tulpenblüten wie ausgekippte Murmeln über eine knaligrüne Wiese. Soviel Lebenslust steckt an.Wir laden herzlich ein zur Vernissage, Mittwoch, 13. April, 19.30 Uhr, im Foyer der ,Berliner".Alexander Friedmann-Hahn vor seinen Bildern.