Das nervt, oder? Wenn zwei mitten auf dem Bürgersteig stehenbleiben und eine Unterhaltung beginnen. Links Fahrräder, rechts Café-Stühle, da bleibt für jene, die weitergehen wollen, nicht viel Platz.

Ich gehöre nicht dazu, ich sitze und beobachte, wie die anderen Passanten das menschliche Hindernis umgehen. Einige drücken sich murrend vorbei, manch einer flucht und rempelt die beiden nicht ganz absichtslos in die Seite, wieder andere machen sich in großstädtischer Nachsicht dünn und schaffen es so ansehnlicher durch die schmale Furt zwischen Stühlen und Menschen. Gelassenheit macht elegant.

Ein Gespräch wie ein Tanz

Die beiden, die da plaudern, haben sich offenkundig länger nicht gesehen. Mit der großen Überzeugung derer, die sich sehr freuen, beanspruchen sie den Weg nun für sich – so lange, bis alle Fragen und Floskeln ausgetauscht sind: Wie geht’s? Gut, alles schick, und bei Euch? Geht so, viel los, wird schon, muss ja, was machen die Kinder? Waaas, schon in der Schule, na so was! Und die Arbeit? Das Übliche …

So geht es hin, vorhersehbar, leicht, mit kleinen Berührungen geschmückt, ein Gespräch wie ein Tanz. Es ist herrlich, dabei zuzuhören und zu schauen. Mir fällt ein schöner Satz aus einem Artikel ein, den ich kürzlich las: „Plaudern ist ein Akt kommunikativer Zärtlichkeit.“
Der Autor verteidigte in dem Text die gepflegte Plauderei gegen den Vorwurf der Zeitverschwendung.

Es geht ums Sprechen, nicht um den Inhalt

Er hat ja so Recht. Nichts gegen die gehobene Konversation. Ein paar Leute am Tisch mit Wein und viel Bildung, dazu blitzgescheite Gedanken, Schlagfertigkeit und Witz: eine Wonne. Lange nannte ich diese Art – nicht planbarer – Sternstunden „Gummiballrunden“. Sie sind wie ein Spiel mit bunten Bällen, die kreuz und quer über den Tisch fliegen. Und genauso glücklich machen.

Aber eigentlich sind es doch eher Glaskugelgespräche. Was geworfen wird, muss gefangen werden. Und zurückgeworfen. Die Kugeln müssen in der Luft bleiben, denn wenn zu viele fallen, ist es vorbei mit dem Glitzern. Nicht jeder beherrscht das Spiel, manchen liegt es in der Natur, andere üben es, wieder andere wollen es gar nicht mitspielen.

Anders bei der Plauderei. Fallende Bälle liegen in ihrer Natur. Sie springen weg und nehmen keinen Schaden. Dem Vergnügen tut das keinen Abbruch. Es geht ja ums Sprechen an sich, nicht um Inhalt. Das wahre Gummiballspiel ist das Gespräch mitten auf dem Trottoir.