Warum hat der Weltverband Fis bei Evi Sachenbacher eine Blutkontrolle vor Beginn der Winterspiele genommen?Diese Blutkontrollen gelten als Vorsichtsmaßnahme, weil ein erhöhter Hämoglobinwerte gesundheitsgefährdend sein kann. Die Athleten haben diesen Kontrollen zugestimmt. Bis zum Freitag, dem Eröffnungstag der Winterspiele, sollten alle 225 Langläufer und Nordischen Kombiniererüberprüft sein, erklärte Fis-Mediendirektor Christian Knauth. Das ist nicht unnormal, sondern nach den Skandalen der Vergangenheit nur konsequent.Wurde nur bei Evi Sachenbacher ein erhöhter Hämoglobinwert festgestellt?Nein. Weitere elf Athleten hatten erhöhte Werte: Natalia Matwejewa, Pawel Korosteljew und Nikolai Pankratow (alle Russland), Kikkan Randall und Leif Zimmermann (beide USA), Sean Crooks (Kanada), Sergej Dalidowitsch, Alexander Latsukin (beide Weißrussland), Jean Marc Gaillard (Frankreich), Alen Abramovic (Kroatien) sowie Robel Teklemariam aus Äthiopien. Alle zwölf Sportler wurden mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt.Hat die Schutzsperre auch rechtliche Konsequenzen?Nein. Allerdings wird bei erhöhten Werten normalerweise ein Test auf das Blutdopingmittel Erythropoietin (Epo) eingeleitet. Diesen Test hat das IOC bei Evi Sachenbacher am Freitag um 14.30 Uhr durchführen lassen. Das Ergebnis liegt noch nicht vor.Warum will der Deutsche Skiverband jetzt trotzdem vor dem Welt-Sportgerichtshof Cas klagen, um noch ihre Starterlaubnis für Sonntag zu erreichen?Weil Evi Sachenbacher bislang nie positiv getestet wurde und trotzdem für das erste Rennen gesperrt ist. Außerdem hatte der DSV moniert, dass nach dem Bluttest nicht sofort Maßnahmen für einen Urintest eingeleitet wurden, der bei Verdacht Aufschluss über einen möglichen Missbrauch geben könnte. In Turin teilen sich allerdings drei Organisationen die Kontrollen: Der Ski-Weltverband Fis führt in eigener Regie prophylaktische Blutkontrollen in den Ski-Disziplinen durch. Für alle Wettkampftests ist das IOC zuständig. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hingegen verantwortet die Trainingskontrollen.Wie hoch liegt eigentlich der Grenzwert für Hämoglobin?Bei Frauen liegt er bei 16 Gramm Hämoglobin pro Deziliter Blut, bei Männern bei 17 Gramm. Angeblich wies die Kontrolle für Evi Sachenbacher einen Wert von 16,3 aus. Diesen Wert wollte der Teamarzt des Skiverbandes, Ernst Jakob, allerdings nicht bestätigen.Was ist unter einem normalen Hämoglobinwert zu verstehen?Der Mittelwert liegt nach Auskunft des Vorsitzenden der Medizinischen Kommission der Fis, Bengt Saltin, heutzutage bei 14,8. Vor einigen Jahren lag er noch bei 16. Bis Ende der neunziger Jahre gab es keinen Grenzwert. Damals wurden Durchschnittswerte von 18 oder sogar 19 ermittelt.Warum liegt der Mittelwert aber heute niedriger als früher?"Ich hoffe, weil es weniger Athleten sind, die dopen", sagt Saltin. Nach dem Dopingskandal bei der Nordischen Ski-WM in Lahti 2001 wurden die Kontrollen rigoros verschärft, offenbar hat sich auch die Mentalität in Bezug auf Doping geändert. Die Fis hat inzwischen durch eine Vielzahl von Kontrollen eine umfangreiche Datenbank mit den Werten fast aller Sportler angelegt, die Betrüger fallen deshalb leichter auf. "Wir machen das, um den Ruf des Skilanglaufs zu verbessern", sagt Saltin: "Und wir dürfen die Gesundheit der Sportler nicht vergessen."------------------------------Foto: Stoff für Skandale: Dopingproben aus Turin.

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