POTSDAM. Die Koalitionsfraktionen korrigieren Regierungschef Matthias Platzeck: Der Völkermord an Armeniern im Ersten Weltkrieg soll nun doch wieder im Brandenburger Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I erwähnt werden. Darauf verständigten sich am Montag die Fraktionsvorstände von SPD und CDU. Erst am Wochenende hatte CDU-Generalsekretär Sven Petke kritisiert, dass der Hinweis auf den Massenmord "in einer Nacht- und-Nebel-Aktion" aus dem Lehrplan gestrichen worden sei. Das habe das Ansehen des Landes beschädigt.Tatsächlich hatte Bildungsminister Holger Rupprecht (parteilos) im Januar den Verweis auf die Ermordung von über einer Million Armeniern als im Lehrplan aufgeführtes Beispiel für einen Genozid streichen lassen - auf Intervention von Platzecks Staatskanzlei. Vorausgegangen war ein Treffen der beiden Politiker mit dem türkischen Generalkonsul. Die Türkei bestreitet den Massenmord.Der Vorfall hat eine bundesweite Debatte und heftige Proteste ausgelöst. Am Dienstag wird sich der Ministerpräsident deswegen mit der Botschafterin der Republik Armenien, Karine Kazinian, sowie dem Vorsitzenden des Zentralrates der Armenier in Deutschland, Schawarsch Owassapian, treffen.Platzeck und Rupprecht betonten, dass sie nicht auf türkischen Druck reagiert hätten. Vielmehr sei es ein Fehler gewesen, als Beispiel für Genozide im 20. Jahrhundert allein auf den Massenmord an Armeniern zu verweisen. Dies geht auf den abberufenen SPD-Bildungsminister Steffen Reiche zurück. Noch in der vergangenen Woche wollte sich Rupprecht nicht festlegen, ob dieses Beispiel im Lehrplan wieder aufgeführt werden soll.Nun besteht auch die SPD darauf. Der Fraktionsvorstand folgte der Initiative des Arbeitskreises Bildung. Dessen Vorsitzende Klara Geywitz sagte, der Antrag sei mit Platzeck abgesprochen. Die CDU schloss sich an. Zeitgleich mit der Wiederaufnahme des Verweises auf den Massenmord an Armeniern in den Lehrplan soll bis Sommer 2005 eine Handreichung zum Unterrichtsthema Genozid veröffentlicht werden. Sie soll zuvor durch externe Fachhistoriker geprüft und bestätigt werden. Die Streichung des Themas habe den Eindruck erzeugt, dass die Bewertung historischer Ereignisse für die Behandlung im Unterricht geändert worden sei, heißt es in dem Antrag: "Dieser Eindruck ist falsch." (ab.)------------------------------Foto: Matthias Platzeck (SPD)