BERLIN. Der Kampf um Hessnatur geht weiter. Gestern protestierten vor der Firmenzentrale im hessischen Butzbach rund 200 Frauen und Männer gegen einen möglichen Verkauf an den US-Finanzinvestor Carlyle. Zugleich meldete sich einer der konkurrierenden Interessenten zu Wort: Ernst Schütz, der Inhaber der Freiburger Triaz-Gruppe, zu der die Ökoversender Waschbär und Panda gehören. Triaz könnte für Hessnatur in die Rolle eines so genannten Weißen Ritters schlüpfen - also eines wohl gesonnenen Investors, der das Unternehmen anstatt eines ungebetenen Aufkäufers übernimmt.Die Demonstration wurde vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac organisiert. "Viele Mitarbeiter und Kunden haben sich dem Protest angeschlossen, auch der Butzbacher Bürgermeister war dabei", sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Die Demonstranten fordern einen "verbindlichen Verzicht" auf einen Verkauf an Carlyle. Das US-Unternehmen gehört zu den größten Finanzinvestoren der Welt und investiert auch in Rüstungsfirmen. Hessnatur ist mit der Friedens- und Ökologiebewegung in den 1970er und 1980er Jahren groß geworden.Geschäftsführung und Betriebsrat befürchten, dass bei einer Veräußerung an die Amerikaner viele Kunden dem Versender den Rücken kehren. Die Belegschaft und das Management machen sich für einen Käufer aus der Öko-Branche stark. Schütz dürfte deshalb in Butzbach willkommen sein. "Ich habe ausreichend Kapital im Rücken", sagt der Triaz-Chef. Und über ausreichend Erfahrung verfügt der Manager allemal. Er kennt Hessnatur, baute das Geschäft in Österreich und der Schweiz auf, war bei dem Butzbacher Unternehmen mehrere Jahre für Produktentwicklung und Marketing verantwortlich. Schütz sanierte danach den Panda- und den Waschbär-Versand. Die beiden Unternehmen seien inzwischen sehr erfolgreich, und Hessnatur bilde eine ideale Ergänzung, so Schütz. Sein Ziel sei, die Firma als komplett selbstständiges Unternehmen neben Waschbär und Panda weiter am Standort Butzbach zu betreiben.Die Triaz-Gruppe kommt mit 280 Beschäftigten auf einen Jahresumsatz von 60 Millionen Euro. Der Panda- und der Waschbär-Versand sind in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den Niederlanden aktiv. Hessnatur setzt mit 340 Beschäftigten ebenfalls etwa 60 Millionen Euro um. Wann Hess-Natur verkauft wird, ist offen. Klar ist aber, dass ein neuer Eigentümer gesucht wird. Die gegenwärtigen Besitzverhältnisse sind kompliziert. Das Versandhaus gehört zur Primondo Specialty Group (PSG), die indirekt vom Karstadt-Quelle-Mitarbeiter-Trust (KQMT) kontrolliert wird. Der KQMT verwaltet vor allem die Betriebsrenten von früheren Beschäftigten von Karstadt und Quelle.Ende November waren schon sechs Schwesterunternehmen der PSG an Carlyle veräußert worden. Carlyle soll nach wie vor Interesse an Hessnatur haben. PSG-Geschäftsführer Matthias Siekmann sagte aber gestern: "Es gibt aktuell keinen Verkaufsprozess für Hess-Natur."Attac hat indes auf seiner Website eine Unterschriftensammlung gegen einen Deal mit dem Finanzinvestor organisiert. 800 Personen hätten bereits erklärt, dass sie den Ökoversender bei einem Verkauf an Carlyle boykottieren wollten. Im Internet-Blog auf der Hessnatur-Seite haben zahlreiche Kunden angekündigt, im Falle eines Falles künftig nicht mehr bei dem Butzbacher Unternehmen bestellen zu wollen: "Die Kunden werden sich sicher nicht dazu hergeben, die Kassen eines Bombenbauers zu füllen, so Attac-Koordinatorin Sundermann."------------------------------"Die Kunden werden sich sicher nicht dazu hergeben, die Kassen eines Bombenbauers zu füllen." Attac-Aktivistin Jutta SundermannFoto: Hessnatur hat in der Ökobranche einen guten Ruf. Ein Verkauf an Carlyle könnte dem Image der Firma schaden.