Freistaat richtet sich an der Behrenstraße ein / Herrenhaus für Bundesrat "geeignet": Bayerische Vertretung mit Bierkeller

Der Freistaat Bayern beeilt sich mit seinem Umzug von Bonn nach Berlin. Die Bayerische Staatsregierung hat jetzt grünes Licht für die Sanierung ihrer Berliner Vertretung in der Behrenstraße 21-22 in Mitte gegeben. Der Altbau soll bis Ende 1998 hergerichtet werden, erklärte Staatsministerin Ursula Männle gestern bei der Vorstellung der Pläne."Wir verstehen uns als Schaufenster Bayerns in Berlin und werden die Tradition des Bonner Hauses hier fortführen", kündigte Männle an. Mit Ausstellungen, Informationen über bayerisches Brauchtum, Stammtischen und einem kleinen Oktoberfest wollen sich die Bajuwaren unter anderem präsentieren. Die Landesvertretung soll "Drehscheibe für Kontakte in die neuen Länder" sein und zugleich als Lobby für Berlin und die neuen Länder in Bayern auftreten, so Männle.Die Staatsministerin unterstützte den Vorschlag Berlins, den Bundesrat bei einem Umzug an die Spree im ehemaligen Preußischen Herrenhaus unterzubringen. Das Gebäude sei geeignet und ließe sich rechtzeitig bis zum Umzug sanieren. Männle sagte, sie rechne damit, daß der Bundesrat am 27. September den Umzug nach Berlin beschließen werde.Die künftige Landesvertretung Bayerns entsteht auf der Hälfte eines 3 200 Quadratmeter großen Grundstücks, das der Freistaat 1992 von der Treuhandanstalt erworben hat. Die an der Französischen Straße liegende andere Grundstückshälfte wurde für 31,3 Millionen Mark an eine Bietergemeinschaft verkauft, zu der auch die Bayerische Landesbank zählt. Mit dem Erlös werde die Sanierung finanziert, sagte Männle. Die Gesamtkosten für die Vertretung inklusive Grundstück belaufen sich auf 69,1 Millionen Mark.Der Freistaat wird in seiner Berliner Vertretung mehr Platz haben als in Bonn. "Wir verbessern uns bei den Flächen für Lobby- und politische Arbeit", erklärte Männle. Herzstück wird ein 300 Quadratmeter großer glasüberdachter Innenhof, der für Veranstaltungen genutzt werden soll. In den Tresorräumen des früheren Bankhauses sind ein Wein- und ein Bierkeller geplant. Gegenwärtig arbeiten bereits sieben Mitarbeiter in der Bayerischen Vertretung in Berlin. Nach dem Umzug von Bonn nach Berlin sollen es rund 60 sein. Unter den Beschäftigten halte sich die Begeisterung "in Grenzen", räumte Männle ein. Immerhin: Der Koch aus der Bonner Vertretung wird auch in Berlin für das leibliche Wohl sorgen. Vielleicht kann er seinen Kollegen den Wechsel nach Berlin noch schmackhaft machen. +++