WARSCHAU, 3. September. Bei seinem Besuch 60 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder dem Land volle Unterstützung bei dem Wunsch zugesagt, Anfang 2003 in die EU aufgenommen zu werden. Dies sei ein "anspruchsvolles Ziel", sagte Schröder am Freitag in Warschau, bei dem Deutschland "helfen wird, wo wir können". Europa dürfe nicht "an der Oder aufhören". Zu den wichtigsten Lehren aus der Kosovo-Krise zähle, "dass Europa nur handeln kann, wenn es nicht auf Westeuropa begrenzt ist".Der Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen dürfe "niemals in Vergessenheit geraten", sagte der Kanzler. Er sei "berührt", an diesem Tag hier zu sein, und es sei sein Wunsch, "den Opfern des Nazis-Terrors mein Mitgefühl und meinen Respekt zu erweisen". Mit der Visite wolle er deutlich machen, "dass auch meine Generation von Politikern, die die Kriegszeit nicht erlebt hat, sie nicht verdrängt und außerordentlich geschichtsbewusst ist". Schröder legte einen Kranz am Gräberfeld Palmiry nahe Warschau nieder. In Palmiry waren über 2 000 polnische Bürger vor allem in den ersten Jahren der deutschen Besatzungszeit in Massenerschießungen hingerichtet worden. Polens Präsident Aleksander Kwasniewski erklärte, der Schröder-Besuch ziele nicht nur auf die Vergangenheit: "Wir blicken gemeinsam in die Zukunft." Sein Land sei dankbar für die Unterstützung Deutschlands beim Nato-Beitritt und zähle nun auf die weitere Unterstützung beim Beitritt zur EU. In deutscher Sprache sagte Kwasniewski: "Schönen Dank. Wir arbeiten weiter zusammen."Bei einer Fernsehdiskussion mit Studenten an der Universität Warschau machte Schröder deutlich, dass Polen beim EU-Beitritt mit Übergangsfristen bei der Freizügigkeit der Arbeitnehmer rechnen müsse. Dieses "Erfolgsmodell" sei auch beim Beitritt Spaniens und Portugals zur EG im Jahre 1982 angewandt worden.