Friedenauer Denkmal zu verkaufen

Die Tage des Rathauses Friedenau als Behördensitz scheinen gezählt. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will das neobarocke Gebäude am Breslauer Platz an den Liegenschaftsfonds abgeben. Denn für Verwaltungsaufgaben wird es nicht mehr gebraucht - im Rathaus Schöneberg sei für die Beamten und Angestellten genügend Platz, sagt Baustadtrat Bernd Krömer (CDU).

So neu ist der Plan nicht, seit Monaten wird darüber diskutiert. Bislang gab es in den Ausschüssen des Bezirksparlaments aber Bedenken. Denn in dem Haus hat nicht nur die Jugendabteilung des Bezirksamtes ihren Sitz, sondern auch eine öffentliche Bibliothek.

Neue Bibliothek soll mehr Besucher anlocken

Inzwischen aber gibt es Pläne, die Schöneberger Bibliotheken im ehemaligen Hertie-Kaufhaus an der Hauptstraße zu konzentrieren und damit einen größeren und moderneren Bücherei-Standort zu schaffen. Laut Kulturstadtrat Dieter Hapel (CDU) will der Eigentümer des Hauses, die spanische Santander-Bank, dem Bezirk dort etwa 3.400 Quadratmeter Fläche vermieten. Hapel schätzt, dass sich durch den neuen Standort die Besucherzahl verdoppelt.

Baustadtrat Krömer rechnet damit, das Rathaus Friedenau in der zweiten Jahreshälfte 2012 abzugeben. 3,5 Millionen Euro, die in der Investitionsplanung für das denkmalgeschützte Gebäude veranschlagt waren, wurden bereits gestrichen. Das Geld soll den Behördenstandorten zugute kommen, auf die sich der Bezirk künftig konzentrieren will: Rathaus Schöneberg, Rathaus Tempelhof und Haus der Gesundheit in Mariendorf.

Zunkuft des Rathauses noch ungewiss

In den nächsten drei Jahren sollen in diesen Gebäuden Sanierungsarbeiten für rund 15 Millionen Euro stattfinden. "Das ist dennoch nicht ausreichend", sagt Krömer. Allein für das Rathaus Schöneberg würden 35 Millionen Euro gebraucht, wollte man das Gebäude auf den neuesten technischen Stand bringen.

Das Rathaus Friedenau diente nur drei Jahre als eigenständiges Rathaus. 1920 wurde Friedenau Groß-Berlin eingemeindet, das imposante Gebäude wurde ein Verwaltungssitz des Bezirks Schöneberg. Es ist auch nicht das erste Rathaus in Berlin, das nicht mehr für Beamte genutzt wird. Das 1909 errichtete Rathaus der Landgemeinde Hohenschönhausen an der Hauptstraße 50 war ab 1920 auch nur noch schlichter Behördensitz. Mit der Bildung des Bezirks Hohenschönhausen in den 1980er-Jahren verlor es seine administrative Bedeutung.

Zur künftigen Nutzung des Friedenauer Rathauses gibt es noch kaum konkrete Ideen. "Ein Abriss ist wegen des Denkmalschutzes jedenfalls nicht möglich", sagt der Baustadtrat. Möglicherweise könne das Gebäude ja künftig als origineller Hotelstandort dienen, sagt er.



Berliner Zeitung, 15.08.2011