Ist "Glotz & Geißler" eine typische Talkshow?Es ist gar keine Talkshow. Wenn es den Begriff noch nicht gibt, muss ich ihn jetzt in Notwehr erfinden: es ist ein Meinungsmagazin.Das klingt aber langweilig. Das täuscht. Während eine Talkshow im Wesentlichen monothematisch sein muss, gibt uns dieses Magazin die Möglichkeit, auf herausragende Nachrichtenereignisse einzugehen. Und zwar tun dies zwei Politiker, die erfahren, wenn nicht sogar inzwischen weise sind. Da sie nicht mehr im aktuellen Rampenlicht stehen, können Sie außerdem sagen, was sie denken und müssen auf niemanden Rücksicht nehmen. Was bringt das den Zuschauern?Ich vermute, dass die Zuschauer genau das wollen: Orientierung. Die Wenigsten haben Interesse an irgendwelchen parteipolitischen Querelen. Wer nur das will, dem genügt "Big Brother". Das Bedürfnis der Zuschauer - hier auch überraschend vieler Jugendlicher - nach politischer Einordnung halte ich für groß. Ältere Menschen können genau das sehr gut. Wir wissen das auch aus anderen Sendungen. Seien es Helmut Schmidt oder Hans-Dietrich Genscher, Hildegard Hamm-Brücher oder Elisabeth Noelle-Neumann: Wer wen mobbt und andere vermeintlich wichtige Personalfragen interessiert diese Menschen nicht mehr. Sie schneiden die aufgeregte Kruste mit dem Skalpell weg und decken den eigentlichen Konflikt auf.Warum ausgerechnet die beiden?Wir hatten zunächst überlegt, der Mount Rushmore des deutschen Fernsehens zu werden. Aber das sind vier US-Präsidenten in Fels gehauen und nicht zwei Politiker aus Deutschland .Dafür sind es die beiden Besten.Das müssen Sie erklären!Peter Glotz und Heiner Geißler sind Vertreter der Aufklärung und der Christlichen Soziallehre. Das sind die positiven gesellschaftlichen Hauptströmungen der letzten 150 Jahre. Die Zuschauer werden deshalb sowohl erleben, dass der Sozialpolitiker Geißler weit linksaußen vom liberalen Sozialdemokraten Glotz auftaucht und umgekehrt. Es kann aber genauso gut passieren, dass beide eine einträchtig national-konservative Haltung an den Tag legen werden. Der Gesprächskultur kommt darüber hinaus zugute, dass keiner dem anderen Wählerstimmen abringen, sondern einfach nur überzeugen will. Gewissermaßen ist dies ein sehr gesundes Biotop.Das Interview führte Andrea Tebart.------------------------------Einmal im Monat // Am Sonntag um 21.10 Uhr läuft erstmals"Glotz & Geißler" auf N-tv. Die beiden ehemaligen Generalsekretäre von SPD und CDU diskutieren darin über aktuelle Politik. Die Sendung soll künftig jeweils am letzten Sonntag des Monats kommen.Produzent Friedrich Küppersbusch ("Maischberger") moderierte in den 90ern "Zak" und "Privatfernsehen".------------------------------Foto: Friedrich Küppersbusch