Friedrichshagen bald ohne Filmtheater: Wolfgang Lippert ist sein Union-Kino los

Das Schicksal des Kinos Union an der Bölschestraße in Friedrichshagen scheint besiegelt zu sein: Der Eigentümer des Gebäudes, der Entertainer Wolfgang Lippert, hat das Haus, in dem seit Herbst 1998 kein Film mehr läuft, an den Berliner Immobilienunternehmer Klaus Zahn verkauft. Der will das Kino abreißen lassen."Ich weiß noch nicht, was wir mit dem Grundstück machen werden", sagte Zahn gestern, "eine Nutzung als Kino aber ist unrentabel und kommt für uns nicht in Frage." Lippert ist froh, "das Fass ohne Boden" los zu sein. Eine halbe Million Mark habe er durch den Jugendtraum, ein Kino zu haben, verloren. Im Bezirk ist man enttäuscht. "Wir haben Herrn Lippert jede Hilfe angeboten, damit das Kino erhalten werden kann", sagte Kulturstadtrat Dirk Retzlaff (PDS). Gemeinsam mit Lippert habe man Fördermittel bei der Senatsbauverwaltung beantragt. Immerhin sei das Union Teil der denkmalgeschützten Bölschestraße. "Ich habe die Förderzusage schriftlich vor mir liegen", sagt Retzlaff, "ein Umbau des Union zu einem Drei-Saal-Kino würde weitgehend bezahlt". Der Betreiber müsste selbst lediglich für Fußbodenbelag, neue Bestuhlung und die Vorführapparate aufkommen. Retzlaff: "Aber offensichtlich war Herr Lippert nie wirklich am Erhalt seines Kinos interessiert." Hinter dem Rücken des Bezirks habe Lippert jetzt bei der Senatskulturverwaltung zum zweiten Mal um den Ausstieg aus seinem Kaufvertrag gebeten. Ein gleicher Antrag des Entertainers war schon 1999 von der Senatsverwaltung abgelehnt worden. Damals hatte der Bezirk, vom Senat um Stellungnahme gebeten, einhellig gegen Abriss und für Erhalt des Kinostandortes plädiert. Wolfgang Lippert hatte das Kino 1994 von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft gekauft. Dabei verpflichtete er sich, im Union einen zehnjährigen Kinobetrieb zu gewährleisten. Doch vier Jahre nach dem Kauf war das Kino dicht, das Gebäude gammelte vor sich hin. Weil sich seine Pläne, daraus ein Jazzlokal mit Biergarten zu machen, nicht rentierten, beantragte Lippert 1998 den Abriss. Doch ein Bürgerverein machte sich für das Union stark und Lippert wurden zwei interessierte Kino-Betreiber offeriert. Eine davon ist Helgard Gammert. In Zehlendorf betreibt die 56-Jährige das Kino Bali, das in diesem Jahr geschlossen werden soll. In Friedrichshagen wollte Gammert einen Ort für Konzerte, Lesungen, für Off-Theater und kleine Festivals schaffen. Ein zusätzlicher, kleiner Saal mit etwa 70 Plätzen sollte eingebaut werden. "Obwohl Herr Lippert bei unserem einzigen persönlichen Treffen versuchte, mir mein Vorhaben auszureden, wollte ich es durchziehen", sagt Gammert. Wenn der Senat Lippert nicht aus der Verpflichtung zur Nutzung des Hauses als Kino entlässt, will Klaus Zahn von dem Geschäft zurücktreten: "Für diesen Fall haben wir eine entsprechende Klausel im Vertrag festgelegt." Lippert ist überzeugt: "Ein Kino ist dort wirtschaftlich einfach nicht zu betreiben. Der Senat wird deshalb diese unrealistische Verpflichtung streichen."75 Jahre lang ein Lichtspielhaus // Das Gebäude: Das Haus in der Bölschestraße 69 stammt von 1872.Das Kino: Das Union Filmtheater wurde im Jahr 1923 eröffnet. 75 Jahre lang, bis zum September 1998, wurden dort Filme gezeigt.Der Kauf: Wolfgang Lippert kaufte das Gebäude 1994 von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft.Der Denkmalschutz: Mit dem gesamten Ensemble Bölschestraße wurde das Filmtheater im Jahre 1995 unter Denkmalschutz gestellt.