Wenn die Richter des Berliner Mykonos-Prozesses heute ihr Urteil fällen, dann dürfte dies wohl eines der bedeutendsten Ereignisse in ihrem beruflichen Leben sein. Im Rampenlicht wird dabei vor allem der Vorsitzende Richter Frithjof Kubsch stehen, der das politisch brisante Urteil verkünden wird.Als der Hauptangeklagte Kazem Darabi einen seiner Wutausbrüche bekam und ein Wortschwall auf das Gericht niederprasselte, da riß selbst dem sonst gelassen wirkenden Vorsitzenden Richter Frithjof Kubsch der Geduldsfaden. "Setzen Sie sich", befahl er dem Angeklagten im Tonfall eines Lehrers. Das reichte. Darabi gehorchte und zeigte, wie sehr auch er dem Richter Respekt zollt. Daß Kubsch wie seine vier Kollegen des 1. Strafsenats seit dreieinhalb Jahren unter scharfer Bewachung stehen, auch in ihrem Privatleben Einschränkungen wegen der Drohungen aus dem Iran hinnehmen mußten, war im Gerichtssaal kaum zu spüren. Sie zeigten weder Nervosität noch war der Druck zu merken, der auf den Juristen lastete. Den Prozeß, der in den dreieinhalb Jahren schätzungsweise neun Millionen Mark kostete, leitete der pausbäckige Kubsch ruhig, fast sanft. Heftige Worte fielen selten. Seine umständliche Art, Fragen zu stellen, strapazierte an manchem Tag sogar arg die Geduld der übrigen Prozeßteilnehmer. Aber konsequent wehrte der 61jährige jegliche Versuche der Bundesregierung und des Iran ab, das Verfahren zu beeinflussen. Seine Unabhängigkeit als Richter ließ er sich nicht nehmen. In der Wortwahl diplomatisch, aber beharrlich verfolgte Kubsch diese Linie.Und mit den Tricks von Geheimdiensten und Behörden, Sachverhalte zu verschleiern, kennt sich Kubsch sehr gut aus. Viele Jahre lang war er Vorsitzender der Staatsschutzkammer des Berliner Landgerichts. Als er 1991 Vorsitzender Richter beim Kammergericht wurde, das in anderen Teilen Deutschlands Oberlandesgericht genannt wird, leitete er Spionageprozesse. Auf der Vorlage seines 1. Strafsenats beruhte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, daß DDR-Spione wie Markus Wolf nicht wegen Landesverrat verurteilt werden dürfen. Über Erfahrungen mit Terrorismus und Geheimdiensten verfügen auch zwei seiner Kollegen. Ein Beisitzer war als Richter im Prozeß um die Ermordung des Verfassungsschutzagenten und Mitglieds der Bewegung 2. Juni, Ulrich Schmücker, vertreten. Ein anderer nahm am Verfahren um den von Terroristen ermordeten Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann teil. +++