BRÜSSEL, 15. November. Griechenland hat sich nach Einschätzung von EU-Diplomaten die Teilnahme an der Euro-Währung erschwindelt. Nach Erkenntnissen des europäischen Statistikamtes habe Athen vor Einführung des Euro falsche Haushaltsdaten an die Union übermittelt, hieß es am Montag in Brüssel vor einer Sitzung der EU-Finanzminister. Bei Angabe der korrekten Zahlen in den Jahren 1997 bis 1999 wäre Griechenland die Mitgliedschaft im Währungsverbund versagt geblieben, weil die Neuverschuldung über den zulässigen drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag. Dennoch muss das Land nicht mit einem Ausschluss vom Euro rechnen: Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Maßnahmen gefordertDie neue, konservative Regierung in Athen hatte im Sommer eingeräumt, dass ihre sozialistischen Vorgänger seit 2000 falsche Etatzahlen an die EU gemeldet hatten. Offen blieb bislang, ob dies auch in den Jahren davor geschehen ist, die über die Euro-Teilnahme entschieden. Dies haben Untersuchungen der Behörde Eurostat nun nach Angaben von Diplomaten bestätigt. "Die griechischen Zahlen haben von Anfang an nicht gestimmt", hieß es. Zudem sei davon auszugehen, dass den Griechen die Fehler nicht irrtümlich unterlaufen seien. Das hieße, dass die im März abgewählte sozialistische Regierung in Athen absichtlich gemogelt hat. Griechenlands Finanzminister Giorgos Alogoskoufis bestätigte am Montag für 1999 ein übermäßiges Haushaltsdefizit von mehr als drei Prozent. Gemeldet hatte Athen für das Jahr lediglich 1,8 Prozent Defizit. Einige Mitgliedstaaten verlangen deshalb Maßnahmen, um künftig Mogeleien besser aufdecken zu können. So müsse die Behörde Eurostat, die die nationalen Daten sammelt und bewertet, personell aufgestockt werden. Auch die Europäische Kommission solle bei der Prüfung mehr Sorgfalt walten lassen. Zurückhaltend werden dagegen mögliche Sanktionen gegen Griechenland beurteilt, etwa die Streichung von EU-Fördermitteln: Die jetzige Regierung in Athen dürfe nicht für die Fehler ihrer Vorgänger bestraft werden, die sie schließlich aufzuklären helfe. Dies würde anderen Partnerstaaten jeglichen Anreiz nehmen, frühere Versäumnisse einzugestehen, hieß es. Mehr FlexibilitätFinanzminister Alogoskoufis kündigte an, sein Land wolle das Defizit unter die Höchstgrenze von drei Prozent drücken. Mit einem Rausschmiss aus dem Klub der Gemeinschaftswährung rechnet in Athen niemand. Griechenland hatte als zwölftes EU-Land den Euro 2002 als Zahlungsmittel eingeführt. Die Finanzminister dieser zwölf Länder diskutierten am Montagabend über Ursachen und Konsequenzen der fehlerhaften Daten. Beschlüsse werden allerdings erst für Dezember erwartet. Auch über eine flexiblere Anwendung des Stabilitäts- und Wachstumspakts für den Euro wollen die Finanzminister bis zum heutigen Dienstag diskutieren, aber noch nicht entscheiden. Die EU-Kommission möchte den Mitgliedstaaten in Zeiten schlechter Konjunktur mehr finanziellen Spielraum gewähren. Außerdem sollen ihre Ausgaben für Forschung oder für die EU künftig berücksichtigt werden.------------------------------Strenger Pakt // Der Stabilitäts- und Wachstumspakt (Euro-Stabilitätspakt) schreibt vor, dass die Neuverschuldung eines Staates nicht höher liegen darf als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wer dies nicht einhält, muss mit Strafen rechnen.Die Bundesregierung verletzt seit drei Jahren die Defizit-Obergrenze und hofft daher auf mehr Flexibilität. Finanzminister Hans Eichel (SPD) hat allerdings in Aussicht gestellt, 2005 die Maastricht-Kriterien wieder einzuhalten.------------------------------Foto: Olympia Sommer 2004 in Athen: Die Spiele rissen ein Milliarden-Loch in den griechischen Staatshaushalt.