Pücklerstraße 14, Berlin-Dahlem: So heißt wahrscheinlich die neue Wohnadresse des nächsten Bundespräsidenten oder der nächsten Bundespräsidentin. Gleichgültig, ob Horst Köhler oder Gesine Schwan das Amt des Staatsoberhaupts bekleiden wird, ist die einst von Bundeskanzler Gerhard Schröder bewohnte Villa die erste Wahl als künftige Berliner Residenz.Der Sprecher des scheidenden Bundespräsidenten Johannes Rau sagte gestern zur Berliner Zeitung, das Anwesen in der Pücklerstraße 14 "wäre die solideste Lösung". Das Gebäude ist nach dem Umzug von Gerhard Schröder in seine Dienstwohnung im Kanzleramt frei für den Bundespräsidenten. Johannes Rau wohnt mit seiner Familie in der Dienstvilla des Bundestagspräsidenten in der Miquelstraße in Dahlem. Wolfgang Thierse hatte auf den Einzug verzichtet, weil er lieber in seiner Mietwohnung in Prenzlauer Berg bleiben wollte. Die Familie Rau indes wollte 1999 nicht ins Schloss Bellevue einziehen, weil ihre drei Kinder nicht in einem Schloss aufwachsen sollten.Auf Dauer wird die Villa des Bundestagspräsidenten jedoch nicht vom Staatsoberhaupt genutzt werden können. Bereits nach der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2006 könnte bei einem Amtswechsel der nächste Parlamentspräsident Anspruch auf die Villa erheben. Um einen Auszug des Bundespräsidenten im Jahr 2006 zu vermeiden, wäre es aus Sicht des Sprechers von Rau deswegen besser, wenn das neue Staatsoberhaupt gleich in die Pücklerstraße zieht. Die Entscheidung darüber muss das neue Staatsoberhaupt aber selbst treffen.Die Villa in der Pücklerstraße wurde 1912 von dem Berliner Architekten Richard Walter für den Fabrikbesitzer Julius Wurmbach errichtet und danach mehrmals umgebaut. Zuletzt von der Berliner Architektin Gesine Weinmiller für Gerhard Schröder. Im Erdgeschoss der repräsentativen Villa befinden sich die Empfangsräume: zwei Salons und ein Speisezimmer mit Kamin. Im ersten Stock befindet sich die 150 Quadratmeter große Wohnung.Eine Präsidenten-Wohnung im Schloss Bellevue wird es künftig nicht mehr geben. Das Schloss wird ab 25. Mai saniert und umgebaut. Dort, wo sich einst das Wohnzimmer von Roman Herzog befand, der als letzter Präsident im Schloss residierte, soll ein Esszimmer für kleinere Empfänge entstehen. Strom- und Wasserversorgung werden komplett erneuert, damit bei Staatsempfängen nicht das Licht oder die Klimaanlage ausfällt. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf rund 9,5 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen etwa 15 Monate dauern. Eigentlich sollten die Arbeiten erst im August beginnen, doch wurden sie vorgezogen. So wird in diesem und im nächsten Jahr der Sommer besser ausgenutzt, in dem kaum Staatsbesuche stattfinden. Während der Sanierung empfängt der Bundespräsident seine Staatsgäste im Schloss Charlottenburg oder im Gästehaus des Auswärtigen Amtes in der Dahlemer Pacelliallee. Der Amtssitz des Bundespräsidenten bleibt aber auf dem Areal des Schlosses Bellevue: mit seinen engsten Mitarbeitern zieht der Präsident in den Neubau des Bundespräsidialamtes, das in unmittelbarer Nähe des Schlosses liegt und wo bereits die Verwaltung arbeitet.Bevor die Sanierung beginnt, wird das neue Staatsoberhaupt am 23. Mai, dem Tag der Wahl, von Johannes Rau im Schloss Bellevue empfangen. Bis Ende Juni, dem Ende seiner Amtszeit, muss Rau ins Präsidialamt umziehen. Am 1. Juli übernimmt dann dort der neue Präsident die Amtsgeschäfte. Auch Rau will außer in seinem Haus in Wuppertal weiter in Berlin leben, eine Wohnung hat er jedoch noch nicht gefunden. Klar ist indes, wo sein künftiges Büro sein wird, das ihm als Alt-Bundespräsident zusteht: in der Friedrichstraße.DIE KÖHLERS Vier Erwachsene und ein Hund // Der von Union und FDP nominierte Horst Köhler ist Favorit bei der Wahl des Bundespräsidenten. Der 61-Jährige ist ein Familienmensch, seit 35 Jahren verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seine Frau Eva, 57 Jahre alt, ist ehemalige Grundschullehrerin. Sie folgte ihrem Mann stets auf seinen Stationen - zuletzt, als er Direktor beim Internationalen Währungsfonds in Washington war. Sohn Jochen ist 26 Jahre alt und Wirtschaftsstudent, Tochter Ulrike ist 29 Jahre und studiert Germanistik, Englisch und Italienisch. Seit dem 14. Lebensjahr ist sie stark sehbehindert. Der Blindenhund "Midnight" hilft ihr, sich zurechtzufinden. In Berlin haben die Köhlers bereits eine Vierzimmer-Altbauwohnung in Charlottenburg. Die Bürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen (SPD), freut sich über den bekannten Bürger. "Es ist immer schön, wenn prominente Menschen im Bezirk wohnen", sagt sie. Auf ihr Abstimmungsverhalten hat das aber keinen Einfluss. Thiemen, die alsMitglied der Bundesversammlung bei der Wahl des Präsidenten teilnimmt, sagt: "Ich wähle Gesine Schwan. " (ulp. ).AMTS-VILLA Im Grünen leben // Bundespräsident Johannes Rau wohnt mit seiner Familie zurzeit in der Dienstvilla des Bundestagspräsidenten in der Miquelstraße 66-72 - in bester Villen-Lage im feinen Ortsteil Dahlem. Der Grunewald ist für Jogger von hier aus genauso gut zu erreichen wie von der Pücklerstraße 14. Dort befindet sich die frühere Villa des Bundeskanzlers. Sie steht seit dem Einzug von Gerhard Schröder in die Wohnung im neuen Bundeskanzleramt frei für den Bundespräsidenten. (ulp. ).Grafik: Dahlem: Wohnsitz des Präsidenten.Foto: Der Eingang zum Schloss Bellevue: Am 23. Mai wird Bundespräsident Johannes Rau hier seinen Amtsnachfolger empfangen.Foto: Das Schloss Bellevue ist der Dienstsitz des Bundespräsidenten. Das Gebäude wird ab 25. Mai für die Dauer von 15 Monaten saniert. Künftig wird es im Bellevue keine Wohnung für den Präsidenten geben.Foto: Der 61-jährige Horst Köhler und seine 57-jährige Frau Eva sind die Favoriten für die Nachfolge von Johannes Rau und First-Lady Christina Rau. Union und FDP haben Horst Köhler für das Amt des Präsidenten nominiert.Foto: Das Haus Pücklerstraße 14 in Dahlem wird wahrscheinlich künftige Residenz des neuen Staatsoberhaupts. Von 1999 bis 2001 wohnte hier der Kanzler. Im Innern befinden sich Salons und Kaminzimmer.