BOCHUM/BERLIN, 12. August. Ein Bauingenieur des Veba-Konzerns hat am Donnerstag vor dem Bochumer Landgericht Unregelmäßigkeiten beim Hausbau des SPD-Politikers Bodo Hombach zugegeben. In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung räumte der wegen Meineids Angeklagte ein, es seien Baukosten "in sechsstelliger Höhe" zu Lasten des Veba-Konzerns verrechnet worden. Der frühere Kanzleramtsminister und jetzige Balkanbeauftragte der EU, Bodo Hombach, wies im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" alle Vorwürfe erneut als "unbegründet und eindeutig widerlegbar" zurück. Der Bauingenieur hatte in einer gerichtlichen Vernehmung Ende Mai 1998 erklärt, von Preismanipulationen des Veba-Konzerns beim Hombach-Bau Ende der achtziger Jahre nichts gewusst zu haben und in diese auch nicht einbezogen gewesen zu sein. Nachdem jedoch mehrere Zeugen aus dem Konzern Gegenteiliges ausgesagt hatten, widerrief der Angeklagte Anfang dieses Jahres seine früheren Erklärungen. In einer Vernehmung vor der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum gab er zu, als Bauleiter "Freundschaftspreise" und "Verrechnungen" zu Gunsten von Hombach verbucht zu haben. Er sprach von einer Summe in Höhe von rund 200 000 Mark, die dem damaligen nordrhein-westfälischen SPD-Landesgeschäftsführer von der Veba erlassen worden seien.Bei der Verhandlung am Donnerstag schilderte der angeklagte Ingenieur die Probleme des Hombach-Baus, die ihn seinerzeit seelisch schwer belastet hätten. Die Baustelle in Mülheim an der Ruhr sei für ihn ein "Albtraum" gewesen, sagte er. Ständig habe es neue Wünsche des Bauherrn gegeben, die zu einer "Kostenexplosion" führten, die er als zuständiger Bauleiter kaum mehr habe kontrollieren können. Mit seiner Falschaussage im Jahre 1998 habe er seine schlechte Erinnerung an das Bauvorhaben "abstreifen" wollen, begründete er den Meineid. Die Urteilsverkündung ist am heutigen Freitag.Schon Anfang 1998 hatte der frühere Vorstandschef der Veba Immobilien AG, Ludwig Staender, erstmals von "Wohltaten" gesprochen, die sein Unternehmen Hombach bei dessen Hausbau habe angedeihen lassen. Zu diesen so genannten Wohltaten soll gehört haben, die Baukosten zu Gunsten Hombachs herunterzurechnen. Diese Form der Vorzugsbehandlung war im Veba-Konzern kein Einzelfall: Der "VIP-Service" des Konzerns für befreundete Politiker und hauseigene Manager sah unter anderem die Verrechnung eines Teils der jeweiligen Baukosten mit anderen Veba-Projekten vor. Der Sprecher der Viterra AG, Nachfolgerin der Veba Immobilien, Erich Schruff sagte, falls die Angaben von H. zuträfen, richte sich die Prüfung zivilrechtlicher Ansprüche gegen Hombach als möglichen Begünstigten.Alle Vorwürfe zurückgewiesenHombach wies erneut alle Vorwürfe zurück, wonach ihm die Veba Baukosten erlassen habe. Für jede Bauleistung und jedes Gewerk, das an der Errichtung seines Hauses beteiligt war, könne er Rechnungen, Quittungen und Nachweise für die von der Bank abgerufenen Rechnungssummen vorlegen. Zudem habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft C & L Deutsche Revision in einem aufwendigen Gutachten alle Einbauten und jede Bauleistung in seinem Haus taxiert und die vorhandenen Rechnungen mit den damals geltenden Kostenvorschriften verglichen. "Das Ergebnis war, dass die mir in Rechnung gestellten Preise korrekt waren, in einigen Fällen sogar über dem damals Üblichen lagen", sagte Hombach. Dieses Gutachten sowie ein weiteres, das bereits vor anderthalb Jahren von der Landesregierung in Auftrag gegeben worden war, seien "Freisprüche ersten Grades für mich", so der Balkanbeauftragte.Allein das Bochumer Gericht interessierte sich weder für diese Gutachten noch für eventuelle Be- und Entlastungszeugen im Fall Hombach. Der Vorsitzende Richter betonte zu Beginn der Verhandlung, dass es in dem Verfahren ausschließlich um den Meineid des Bauingenieurs gehe und "nicht etwa um das Bauprojekt eines prominenten Bauherren". Das wird die Gerichte ohnehin wohl nicht mehr beschäftigen denn selbst wenn es zu Manipulationen gekommen sein sollte, wären diese verjährt.VEBA-AFFAIRE VIP-Service für Politiker // Die Veba Immobilien AG ist mit einem Bestand von rund 130 000 Wohnungen die größte private Immobiliengesellschaft Deutschlands.Schlagzeilen machte die Veba, als bekannt wurde, dass sich Vorstandsmitglieder am Unternehmen bereichert hatten.Während der Prozesse gegen die Manager kam 1998 heraus, dass ein VIP-Service der Veba Politiker beim Eigenheimbau "förderte".Der VIP-Service legte zum Beispiel Baukosten von Politiker-Häusern auf andere Veba-Projekte um.Die Firma Viterra, Nachfolgerin der Veba Immobilien, will jetzt zivilrechtliche Ansprüche gegen Hombach prüfen.In den Bauakten seien bislang aber keine Hinweise auf Preismanipulationen gefunden worden, sagte ein Viterra-Sprecher.