GRAZ. Großes Stühlerücken im Kosovo: Premier Bajram Kosumi gab am Mittwochabend seien Rücktritt bekannt. Gleichzeitig legte die größte Regierungspartei LDK ihrem eigenen Mitglied Nexhat Daci den Rückzug vom Amt des Parlamentspräsidenten nahe und nominierte gleich auch einen Nachfolger. Beide Politiker waren Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, beide waren der UN-Mission in letzter Zeit ein Dorn im Auge gewesen. Und beide hatten am Tag vor ihrem Rücktritt ein offenbar unerfreuliches Gespräch mit dem Vertreter der USA im Kosovo, Philip Goldberg.Kosumi galt als farblos, durchsetzungsschwach und unfähig, die Korruption in seiner Regierung einzudämmen. Daci war mit radikalen Sprüche aufgefallen, mit einer sehr bestimmenden Art, das Parlament zu führen, mit einer kompromisslosen Resolution zu den laufenden Verhandlungen über den Status des Kosovo und zuletzt mit arrogantem Auftreten gegenüber westlichen Besuchern. So hatte Daci den EU-Außenrepräsentanten Javier Solana bei einem Besuch brüsk darauf hingewiesen, dass er nur eine halbe Stunde Zeit habe und nicht gedenke, mit ihm über die Rugova-Nachfolge zu sprechen.Als neuer Regierungschef wurde Agim Ceku nominiert. Für die Albaner ist er ein Held, für die Ausländer ein stabiler Partner, für die Serben ein rotes Tuch. Ceku war im Kosovo-Krieg des Jahres 1999 Stabschef der "Befreiungsarmee" UCK und wird in Belgrad deshalb für alle Gräuel dieses Krieges verantwortlich gemacht. Seinen guten Ruf bei den internationalen Verwaltern hat er sich mit dem verdient, was nachher geschah: Er hat das Kosovo-Schutzkorps, eine argwöhnisch beobachtete Auffangtruppe für frühere UCK-Kämpfer, tadellos geführt und zum Kern einer künftigen Kosovo-Armee gemacht.Als Jugoslawien auseinander fiel, gehörte der damals gerade 30-Jährige aus dem Dorf Cyshk bei Peja im Kosovo zu den wenigen albanischen Offizieren in der Jugoslawischen Volksarmee. In Kroatien stationiert, schloss sich der Ehemann einer Kroatin und Absolvent der Militärakademie in Zadar mit Beginn des Krieges als jüngster Oberst aber den neuen kroatischen Streitkräften an, wo er rasch aufstieg. 1995 verdiente er sich den Ruf als strategischer Planer der Operation Sturm zur Eroberung der serbischen Krajina, einer Aktion, um die heute ebenfalls etliche Kriegsverbrecherprozesse geführt wurden.Als in seiner Heimat 1996 erstmals die UCK hervortrat, damals noch mit individuellen Terrorakten, weilte Ceku noch in Kroatien. Erst im Mai 1999 übernahm der strategisch versierte Berufsoffizier von einem militärisch unerfahrenen Vorgänger die desolate Gruppierung und baute sie zu einer funktionierenden Hilfstruppe für die aus der Luft bombardierende Nato um. Später als Chef des Kosovo-Schutzkorps TMK entging er 2001 nur knapp seiner Entlassung, weil er angeblich den Krieg der UCK im benachbarten Mazedonien zu unterstützte. Ceku wurde 2003 in Slowenien und 2004 in Ungarn auf Grund eines von Serbien erlassenen Haftbefehls festgenommen, der UN-Verwalter des Kosovo erreichte jedoch jedes Mal seine Freilassung.------------------------------Foto: Agim Ceku. Aus Sicht der Serben ist er verantwortlich für viele Bluttaten.