Menschliche Knochen, die ein Expertenteam im vergangenen Jahr in Georgien entdeckte, stammen vermutlich von den ersten Menschen außerhalb Afrikas. Die beiden gut erhaltenen Schädelteile sollen etwa 1,7 Millionen Jahre alt sein. Das berichtet die internationale Expertengruppe im Fachjournal "Science".Die Forscher um Leo Gabunia von der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Republik Georgien fanden die Schädel zusammen mit Tierknochen und Werkzeugen bei Ausgrabungen in Dmanisi bei Tiflis. Nach Ansicht der Experten zeigen die Fundstücke deutliche Gemeinsamkeiten mit dem Schädel der Art "Homo ergaster", der vor einiger Zeit in Koobi Fora (Kenia) gefunden wurde. Auch sein Alter wird auf etwa 1,7 Millionen Jahre geschätzt. Es ist das erste Mal, dass Forscher bei einem in Europa oder Asien entdeckten Schädel Ähnlichkeiten mit afrikanischen Funden feststellen.Wichtige Tierfossilien Für die Altersbestimmung der Dmanisi-Funde untersuchten die Wissenschaftler neben den Schädeln selbst auch die Gesteinsschichten und Tierfossilien in unmittelbarer Nähe. Nach Angaben der Forscher gab es zu jenen Zeiten im südlichen Kaukasus eine offene Buschlandschaft, die derjenigen in Afrika ähnelte. Dort lebten sogar Elefanten, Giraffen und Zebras.Die Art "Homo ergaster" wird vielfach als eine frühe, afrikanische Variante von "Homo erectus" angesehen. Nach Auffassung der meisten Wissenschaftler ist Homo erectus als erster aus Afrika ausgewandert. Einer gängigen Theorie zufolge erlaubten es ihm hoch entwickelte Werkzeuge, sich in einer neuen Umwelt zu bewähren. Die Funde in Dmanisi stellen diese These jedoch infrage: Die bei den Schädeln entdeckten Steinwerkzeuge sind von sehr einfacher Art. Die Forscher vermuten nun, dass es andere Gründe für die Auswanderung von Homo erectus gegeben haben muss als hoch entwi-ckelte Werkzeuge. Möglicherweise veranlasste ein erhöhter Bedarf an eiweißreicher Nahrung die Frühmenschen, auf der Jagd immer weiter umherzustreifen, schreiben die Forscher in ihrem Artikel. Afrika gilt in Fachkreisen als "Wiege der Menschheit". Die Entwicklung begann dort mit dem so genannten Australopithecus. Das noch recht affenartige Wesen lebte vor etwa 4,2 Millionen Jahren. (frb.)Science, Bd. 288, S. 1019SCIENCEDie Bilder zeigen einen der zwei rund 1,7 Millionen Jahre alten Schädel aus Georgien von vorn, oben, der Seite und hinten (von links oben im Uhrzeigersinn).