Vor der südafrikanischen Wahrheitskommission haben fünf ehemalige Polizisten gestanden, den Schwarzenführer Steve Biko und andere Regime-Gegner ermordet zu haben. Die Angehörigen der Opfer fordern, daß die Täter bestraft werden.Steve Biko, der charismatische südafrikanische Schwarzenführer, ist an den brutalen Verhörmethoden der Apartheid-Sicherheitspolizei gestorben. Dies bestätigten jetzt die fünf Männer, die 1977 für seinen Tod verantwortlich waren. Mit ihren Aussagen wollen sie von der Wahrheitskommission unter Erzbischof Desmond Tutu amnestiert werden.Der Tod Bikos am 12. September 1977 war eines der bestgehütetsten Geheimnisse des damaligen Apartheid-Regimes gewesen. Er sei an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben, erklärte damals der verantwortliche Polizeiminister Jimmy Kruger. Als bekannt wurde, daß der Schädel des Schwarzenführers zerschmettert war, hieß es lakonisch, Biko sei unglücklich gestürzt. Was wirklich geschah, stellte dann später der weiße südafrikanische Journalist Donald Woods dar, dessen Biko-Buch unter dem Titel "Cry Freedom" verfilmt wurde und Biko auch international bekannt machte. Doch auch Woods gestand, daß er einiges gehört, einiges vermutet und anderes geschlußfolgert habe. Was wirklich damals geschah, das wissen nur die Mörder Bikos. Und die wollen nun - nach fast 20 Jahren - auspacken. Steve Biko war damals Führer der schwarzen Bewußtseinsbewegung und hatte nach dem Schüleraufstand von Soweto 1976 eine beträchtliche Anhängerschaft hinter sich scharen können. Da der ANC verboten und Mandela im Gefängnis war, galt Biko als der wichtigste Schwarzenführer. Er rief zur Abschaffung der Apartheid und zur Demokratisierung Südafrikas auf. Mehrfach wurde er verhaftet. Am 18. August 1977 wurde er in Port Elizabeth erneut festgenommen. Die Polizisten ketteten ihn nackt in seiner Zelle an; im Gebäude der berüchtigten Sicherheitspolizei. Nach 19 Tagen kam er zum ersten Mal zum Verhör. Fünf Beamte schlugen immer wieder auf den Schwarzenführer ein. Trotz einer schweren Schädelverletzung, gebrochener Rippen und zerschlagener Nieren mußte er weitere zwei Tage angekettet in einer Einzelzelle verbringen. Dann wurde der Bewußtlose in unbekleidetem Zustand auf ein geländegängiges Fahrzeug geworfen und ins Zentralgefängnis von Pretoria transportiert. Dort starb er noch am selben Abend, am 12. September 1977. "Die Sicherheitspolizisten wähnten sich damals im Recht, und fühlen sich jetzt von ihren früheren Befehlsgebern im Stich gelassen und von der Bevölkerung isoliert", begründet der Anwalt der fünf Angeklagten, Francois van der Merwe, den plötzlichen Drang, mit der Wahrheit herauszurücken. Außerdem war dies nicht die einzige Tat. Oberstleutnant Niewoudt, der damals das Verhör leitete, gab zu, auch an der Ermordung von sechs weiteren Anti-Apartheid-Kämpfern schuldig zu sein. Auch Oberst Harold Snyman hat nicht nur Biko auf dem Gewissen, sondern auch Matthew Goniwe und die sogenannten "Cradock-Four". In den beiden und weiteren Fälle war es nie zu einer Aufklärung gekommen. Als die Wahrheitskommission jetzt begann, diese Fälle neu aufzurollen, regten sich auch Proteste. Radikale schwarze Gruppen wie der Panafrikanistische Kongreß und auch Angehörige sprachen sich dagegen aus, daß diesen Mördern Amnestie gewährt wird. Die Tutu-Kommission versteht gibtihrerseits zu bedenken, daß die Täter nur durch die Amnestiemöglichkeit zu ihren Aussagen gebracht werden konnten. Dies könne dann auch andere Beamte des ehemaligen Sicherheitsapparats dazu bringen, sich zu bekennen. Denn die gesamte Führung der Apartheid erklärt noch immer, von nichts gewußt und nichts angeordnet zu haben. Nun aber könnten auch die Spuren, die bis in die oberste Etage führen sollen, aufgedeckt werden. +++