Die Erwartungen waren groß, als das Ballhaus Pankow am 30. September 1995 nach mehr als 50-jähriger Zweckentfremdung wieder seine Türen öffnete: Der damalige Bürgermeister Jörg Richter persönlich führte die Pankower durch den aufwändig restaurierten Jugendstilbau an der Grabbeallee/Ecke Tschaikowskistraße. Doch jetzt kann das Haus von den Pankowern nicht genutzt werden. Mehr als zehn Millionen Mark hatte der Besitzer der Immobilie, das Berliner Unternehmen Dr. Heymann & Kreuels, in die originalgetreue Rekonstruktion des alten Ausflugslokals gesteckt und auf dem Grundstück zugleich vier kleine Wohnhäuser errichtet. Angesichts des prunkvollen Festsaales geriet damals auch Architekt Theo Boss ins Schwärmen. Hier könnte wieder viel Kultur Platz finden, befand er. Viereinhalb Jahre später ist die Situation ernüchternd: Der repräsentative Fachwerkbau wird kaum genutzt jedenfalls für öffentliche Kulturveranstaltungen. Norbert Speer, Chef des Pankower Kulturamtes kann sich nur an zwei Auftritte erinnern. "Einmal hat die Musikschule im Ballhaus ein Konzert gegeben, ein anderes Mal hat sich die Jugendkunstschule dort vorgestellt." Dass das Haus überwiegend leer steht führt Speer auf "die horrend hohen Mietforderungen der Besitzer" zurück. 10 000 Mark wären pro Tag zu zahlen ein Betrag bei dem Schulen oder Vereine nur die Hände heben können. Dass für das Ballhaus offenbar kein richtiges Betreiberkonzept existiert, bedauert auch Christel Liebram vom Freundeskreis der Chronik Pankows. "Im Bezirk gibt es sonst keinen großen und repräsentativen Saal, in dem beispielsweise Schriftstellerlesungen oder kleine Konzerte stattfinden können", sagt die Vorsitzende des Heimatvereins. Die Vermutung, die Eigentümer würden mit Rücksicht auf die Bewohner der unmittelbar angrenzenden Häuser und der damit verbundenen Lärmbelästigung auf eine regelmäßige Nutzung des Ballhauses verzichten, will Liebram nicht gelten lassen. "Kultur muss ja nicht immer laut sein." Sie glaubt, dass die Besitzer des Ballhauses in erster Linie Interesse an der Immobilie hatten, um dort Wohnungen bauen zu können. Sie ärgert, dass sich nach der Wende am Runden Tisch viele Pankower stark gemacht hatten, das Ballhaus wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jetzt sei das Haus zwar saniert, aber wieder weitgehend geschlossen.Von Seiten der Eigentümer Dr. Heymann & Kreuels wollte man sich auf Nachfrage zum Ballhaus nicht äußern.DAS BALLHAUS 1880 als Ausflugslokal gebaut // Das Ballhaus an der heutigen Grabbeallee wurde 1880 errichtet. Besitzer des einstöckigen Gebäudes war der Gastwirt Lehder.1892 ließ Lehder den reich mit Stuck verzierten Saal mit Bühne anbauen. Rund 50 Jahre fanden in dem Ausflugslokal Musik- und Tanzveranstaltungen statt.1939 wurde das Haus zwangsversteigert und in den folgenden Jahrzehnten als Fabrik und Lagerhalle genutzt.Nach der Wende wurde das Gelände zunächst von der Treuhand übernommen. Um das Ballhaus hatte sich auch der Bezirk beworben.Die Immobilie ging jedoch an das Unternehmen Dr. Heymann & Kreuels. Die Firma bekam die Auflage, das Ballhaus zu sanieren.