Fünf Jahre stand der Ratskeller leer, jetzt will ein Dresdner Gastronom dort ein Restaurant eröffnen: Die Ratten sind weg - bald gibt es böhmisches Essen

PANKOW. Der seit fünf Jahren geschlossene Ratskeller im Rathaus Pankow an der Breite Straße könnte bald wieder öffnen. Der Gastronomiebetreiber Wenzel Prager Bierstuben GmbH aus Dresden will noch in diesem Jahr ein Restaurant eröffnen. Dort soll es dann typisch böhmische Küche mit Knödeln, Kraut und Gulasch geben. Im Hof des Rathauses entsteht ein Biergarten. "Wir haben schon lange einen passenden Ort in Berlin gesucht", sagt Geschäftsführer Michael Möckel. Sein Unternehmen führt bereits zwei böhmische Restaurants in Dresden und Zwickau. Von der leeren Immobilie in Pankow hatten die Dresdner Restaurantbetreiber im Vorjahr "rein zufällig" gehört, wie Möckel sagt. Zurzeit reisen die Gastronomen einmal in der Woche in das Pankower Bezirksamt. Noch muss geklärt werden, wer die nötigen Umbauarbeiten bezahlt. Mehrere hunderttausend Euro würde es kosten, den Ratskeller zu sanieren. Es gibt einen privaten Investor aus Berlin, der diese Umbaukosten übernimmt. "Wir sind jetzt auf einem guten Weg, das mit dem Amt zu klären", sagt Möckel. Mit der Eröffnung des Pankower Ratskellers rechnen die künftigen Betreiber im Herbst. Damit würde eine jahrelange Durststrecke des 1907 eröffneten Traditionslokales beendet. 1994 musste der Ratskeller wegen einer Rattenplage schließen. Gleichzeitig waren Kochstrecke und Lüftungsanlagen defekt und mussten dringend erneuert werden. Mehrere Termine zur Wiedereröffnung wurden verschoben, ehe das Kellerrestaurant zu Silvester 1997 wiedereröffnete. Schon drei Jahre später schloss der Ratskeller erneut. Der damalige Hauptpächter, der Berliner Bierproduzent Bürgerbräu, kündigte dem Wirt, weil dieser Mietschulden in Höhe von rund 100 000 Euro hatte. Nach einem Rechtsstreit musste der Wirt den Ratskeller verlassen. Die Brauerei nahm den Tresen mit, der Ratskeller wurde versiegelt. Fünf Jahre lang suchte das Bezirksamt nach einem neuen Betreiber. Bürgermeister Burkhard Kleinert (PDS) verhandelte mit mehr als 25 Interessenten. "Doch kein Betreiber sah sich im Stande, den Ratskeller wirtschaftlich zu führen", sagt er. Deshalb suchte der Bezirk nach einem neuen Konzept. Wenn schon nicht Gastronomie, dann wenigstens Kultur. Eine Dauerausstellung über die Geschichte Pankows war im Gespräch und genauso schnell wieder vom Tisch. Denn als diese Pläne bekannt wurden, protestierten viele Pankower. "Sie wollten ihren Ratskeller behalten", sagt Kleinert.------------------------------Essen in Rathäusern // Charlottenburg: Täglich von 11.30 bis 23 Uhr werden Gerichte der deutschen und internationalen Küche angeboten. Sonntag ist Ruhetag. In vier Sälen ist Platz für 450 Gäste. Otto-Suhr-Allee 102, Tel. 341 89 09. Friedenau: Der Ratskeller ist heute eine öffentliche Kantine mit 100 Plätzen. Die Gerichte orientieren sich an Hausmannkost. Geöffnet ist montags bis freitags von 11.30 bis 14.30 Uhr. Lauterstraße 19, Tel. 75 60 68 54. Köpenick. Im hundertjährigen Ratskeller kann man nicht nur speisen, es gibt auch Jazzabende und Theateraufführungen. Das Gewölbezimmer hat 160 Plätze, das Festzimmer 48, das Kaminzimmer 16 und das Nante-Eck 24. Geöffnet ist täglich von 11 bis 23 Uhr.Alt-Köpenick 21, Tel. 655 51 78. Lichtenberg: Als Ratskeller wird das Gewölbe im Rathaus an der Möllendorffstraße 6 seit Juni 2004 nicht mehr genutzt. Zurzeit werden die Räume renoviert. Im Bezirk wird ein Konzept erarbeitet. Marzahn. Der Ratskeller am Helene-Weigel-Platz 8 steht leer. Er wurde mit dem Rathausneubau 1989 eröffnet und 1997 geschlossen. Mitte: Wer nicht im Rathaus arbeitet, muss draußen bleiben. Der frühere Ratskeller im Roten Rathaus an der Rathausstraße 15 ist seit 1991 geschlossen und dient heute als Kantine für die Mitarbeiter des Senats.Reinickendorf: Betreiber Emilio Abral de Rois bietet im Restaurant Le Caveau französische Küche an. Das Restaurant ist mittwochs bis montags von 16 bis 24 geöffnet. Platz ist für 250 Gäste in fünf Räumen. Eichborndamm 251-239, Tel. 414 59 71. Schmargendorf. Der Ratskeller ist täglich von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Die Küche ist gutbürgerlich. In drei Räumen ist Platz für 150 Gäste. Jeden Sonntag von 17 bis 20 Uhr spielen Bands Jazz und Swing zum Tanzen. Berkauer Platz 1, Tel. 826 60 03. Schöneberg. Der Ratskeller versorgt Rathausmitarbeiter und Besucher mit Frühstück und Mittagstisch. Platz haben etwa 100 Gäste. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 7 bis 14.30 Uhr, freitags bis 14 Uhr. J.-F.-Kennedy-Platz 1, Tel. 75 60 68 54. Spandau: Der Ratskeller bietet 300 Plätze in vier Räumen. Montags bis sonnabends ist von 7 bis 23 Uhr geöffnet. Jeden Sonnabend gibt es ein Frühstücksbuffet zum Preis von 5,20 Euro.Carl-Schurz-Straße 2, Tel. 333 39 78. Wedding. Wochentags von 7 bis 15 Uhr gibt es preiswertes Essen. Platz ist für etwa 100 Gäste. Zum Mittag kommen die Mitarbeiter des Bezirksamtes und Leute aus der Nachbarschaft.Müllerstraße 146, Tel. 200 94 21 64. Zehlendorf. Für die Mitarbeiter des Rathauses gibt es werktags von 11 bis 14 Uhr einen Mittagstisch. Ansonsten öffnen die Betreiber nach Absprache für Versammlungen und Feiern. Platz ist für etwa 100 Gäste. Martin-Buber-Straße 1, Tel. 63 21 51 54/55.------------------------------"Die Pankower wollen ihren Ratskeller behalten." Burkhard Kleinert, Bürgermeister von Pankow------------------------------Foto: Bald sollen im Ratskeller Pankow an der Breite Straße wieder die Lichter an- und die Türen aufgehen.