MARZAHN / HELLERSDORF. Fünf-plus-eins-Geschosser hießen sie einst im offiziellen DDR-Sprachgebrauch. Die Mogelei machte durchaus Sinn. Denn so konnte man die Häuser, obwohl sie sechs Stockwerke hatten, ohne Aufzug bauen. Jetzt wurden die ersten sechsgeschossigen Plattenbauten am Glambecker Ring in Marzahn mit Fahrstühlen nachgerüstet. "Bisher haben wir vier Panorama-Aufzüge an den Außenfassaden angebracht", sagt Heinz Bischoff. Der Chef des gleichnamigen Ingenieurbüros in Köpenick hatte 1997 von der Marzahner Wohnungsbaugesellschaft (WBG) 527 Wohnungen gekauft. Im Zuge der anstehenden Sanierung entschied sich Bischoff, die Häuser Glambecker Ring und Grumsiner Straße mit Lift auszustatten.Konkurrenz für GesellschaftenInsgesamt 19 Aufzüge sollen an Treppenhäusern montiert werden. Denn, so Bischoff, "wer will den heute noch seinen Bierkasten zu Fuß in den sechsten Stock schleppen". 50 Millionen Mark hat die aufwendige Modernisierung inklusive Anbau der Aufzüge gekostet. Die Investition hat sich gelohnt. Die Leerstandsquote sank von fünf auf zwei Prozent. "Man muß den Mietern etwas bieten, damit sie bleiben", sagt Bischoff. Eine Billig-Sanierung reiche nicht. Kulant gibt sich Bischoff bei den Kosten für den Lift-Anbau. Nur die Betriebskosten müßten von den Mietern getragen werden, die Montagekosten trage sein Unternehmen. Auch in Hellersdorf hat inzwischen ein Privatunternehmen mit der Nachrüstung von aufzuglosen Plattenbauten begonnen. Rund 2 400 Wohnungen hat die MEGA AG von der Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf (WoGeHe) gekauft. "Bis Jahresende bekommen alle Sechsgeschosser einen Lift", versichert Projektleiter Wolfgang Burgold. 100 Aufzüge sind in den Wohngebieten "Magdeburger Anger" und "Naumburger Ring" geplant, der Einzelpreis liegt bei 180 000 Mark. Die Kosten werden auf die Mieten umgelegt. Laut Burgold sind das 40 Pfennige pro Quadratmeter und Monat. Hinzu kämen noch die Betriebskosten. Auch die Münchener Baugesellschaft (MüBau) plant die Aufrüstung ihrer Plattenbauten mit 1 638 Wohnungen im Quartier "Hellersdorfer Graben" mit Fahrstühlen. In den beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaften hat man den daraus resultierenden Konkurrenzdruck erkannt. Bei der WoGeHe werde inzwischen über solche Projekte nachgedacht, sagt deren Sprecher Olaf Dietze. Die Kosten würden aber immens werden. Denn 19 000 der 23 200 WoGeHe-Wohnungen befinden sich in Fünf- oder Sechsgeschossern und haben damit keinen Aufzug. Auf Dauer dürfte aber daran kein Weg vorbeiführen. "Wir rechnen damit, daß sich die Wohnungen in den oberen Etagen immer schwerer vermieten lassen", so WBG-Sprecherin Birgit Hoplitschek.