Auf empfindliche Gemüter dürfte so eine Stromrechnung wie ein Elektroschock wirken. Die Maschine, die auf der Baustelle der U-Bahn-Linie 55 in Mitte monatelang den Boden vereist, verbraucht 1 400 Kilowattstunden - alle 60 Minuten. Ein Haushalt kommt mit 3 500 Kilowattstunden aus - pro Jahr. Doch zur Bodenvereisung gibt es keine Alternative, erklärt Projektleiter Carsten Liebich: "Sonst würde uns die Baugrube einstürzen und absaufen." Trotz des Aufwands ist aber weiter unklar, ob auf der U 55 in absehbarer Zeit Züge fahren werden. Dies ist ohnehin frühestens Ende 2008 oder erst Anfang 2009 möglich.Berlins jüngste Untergrundbahn führt in einer sanften Kurve vom Hauptbahnhof unter der Spree hindurch zum U-Bahnhof Bundestag und zum Brandenburger Tor. Doch unter dem Pariser Platz sind die beiden Röhren, von denen eine bereits ein Gleis hat, mit Betonpfropfen verschlossen. Dahinter wird für zirka 33 Millionen Euro die vorläufige Endstation, der U-Bahnhof Brandenburger Tor, gebaut. "Ihr Bahnsteig wird sich bis zu 15 Meter tief unter der Oberfläche befinden", sagt Liebich, Ingenieur bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). "Damit entsteht hier die am tiefsten gelegene U-Bahn-Station Berlins."Vorerst ist in der 25 Meter tiefen Grube vor dem Hotel Adlon allerdings noch fast nichts von der künftigen Halle zu sehen. Noch wird dort am Rohbau gearbeitet - mit starken Pumpen, die das bis zwei Meter unter die Oberfläche hinaufreichende Grundwasser in Schach halten, als Geräuschkulisse. Mächtige Stahlstreben sorgen dafür, dass der Druck die Wände nicht ins Wanken bringt. Grundwasser ist das eine Problem, das den Bau bereits verzögert hat: "Das zweite ist der sehr lockere Sand, der hier den Baugrund bildet", sagt Liebich. "Man kann ihn nicht einfach ausschachten und den U-Bahnhof hineinbauen - der Sand würde abrutschen."Darum nahmen sich die Firmen ein Jahr Zeit, um für die Komplettierung des 172. Berliner U-Bahnhofs den Einsatz eines neuen Bauverfahrens vorzubereiten. 30 Mikrotunnel wurden gebohrt, jeder mit anderthalb Meter Durchmesser. In ihnen werden jetzt schmalere Rohre verlegt, durch die ein minus 70 Grad Celsius kaltes Solegemisch fließen wird. So entsteht unter der Wilhelmstraße in zwei Monaten ein 95 Meter langer Eisblock. Liebich: "Der Boden wird in Handarbeit ausgehoben und von täglich sieben bis zehn Lastwagen weggebracht - da das Eis dann teilweise geschmolzen sein wird, ist das eine schöne Sauerei."Im Rohbau soll das 145 Meter lange Bahnhofsbauwerk Mitte 2008 fertig sein. Dann folgt der Ausbau, der bis ins Jahr 2009 hinein dauert. So werden an den Wänden hinter den Gleisen natursteinfarbene Tafeln aus emailliertem Blech an das Brandenburger Tor erinnern. "Der Zugverkehr könnte Ende 2008 oder Anfang 2009 beginnen", so die BVG. Aber das muss der Senat entscheiden. Er verhandelt nun mit der BVG über einen Verkehrsvertrag, der voraussichtlich vielerorts Einsparungen vorsieht. Ob sich Berlin eine neue U-Bahn-Linie überhaupt leisten kann, steht noch in den Sternen.------------------------------Foto: Durch diese Röhre werden sie kommen: Noch verschließt ein Pfropfen die Einfahrt in den künftigen U-Bahnhof Brandenburger Tor, in dem die U 55 endet.