NEUKÖLLN. Andere Bauherren wären wohl ziemlich verärgert, wenn sich ihr Projekt um vier Jahre verzögerte. Vilwanathan Krishnamurthy aber findet gar nichts Schlimmes daran. "Wenn etwas nicht klappt, haben es die Götter auch so gewollt", sagt er. Krishnamurthy ist Vizepräsident des Sri Gahnesha Hindu Tempel Vereins, der am Rande der Neuköllner Hasenheide einen Tempel bauen will. Er soll der zweitgrößte Hindutempel Europas werden. Eigentlich sollte der Tempel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland fertig sein. Doch erst jetzt, am 20. Januar 2009, hat das Stadtplanungsamt Neukölln die Baugenehmigung erteilt. Im März soll Baubeginn sein. "Dann eröffnen wir den Tempel eben zur nächsten Fußball-WM", sagt Krishnamurthy. 2011 spielen die weltbesten Frauenmannschaften in Deutschland, auch in Berlin.Der Tempel ist dem Gott Sri Ganesha gewidmet. Das elefantenköpfige Wesen gilt als Gott der Energie und Klugheit, der alles Böse zerstört und Hindernisse beseitigt. Die gab es von Anfang an. Die Tempelbauer hatten lange Zeit das deutsche Baurecht unterschätzt. In Indien ist es üblich, einen Tempel zu bauen und sich anschließend die Genehmigung vom Amt zu holen. "Wir wussten nicht, dass man in Deutsch-land für alles eine Genehmigung braucht", sagt Krishnamurthy. Erst im Januar 2008 war der Bauantrag vollständig, im August musste er wegen geringer Änderungen neu eingereicht werden. Dann wartete das Bauamt auf Stellungnahmen weiterer Behörden, etwa aus der Naturschutzbehörde, weil für den Tempelbau auf dem 4 600 Quadratmeter großen Gelände nahe dem Hermannplatz Bäume gefällt werden. Die Tempelbauer blieben geduldig. Sie beteten ihren Hauptgott Sri Ganesha an, einen von 33 Millionen Göttern, die der Hinduismus kennt.Die Stadtplaner im Bauamt und Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) unterstützten die Initiatoren. Buschkowsky sagt, so ein Tempel passe gut zu Neukölln, der Park Hasenheide sei der passende Ort. Und so hat das Bezirksamt dem Verein das Grundstück per Erbbaupachtvertrag im September 2007 zu günstigen Konditionen übertragen. Für den Vertragsabschluss einen passenden Termin zu finden, auch das war schwierig für Gläubige. Denn nicht jeder Tag ist geeignet, um Verträge zu unterschreiben, sagt Krishnamurthy. Sterne und Planeten müssen günstig stehen, die Götter ihren Segen geben.Bereits im September 2005 hatten Priester aus Indien das Tempelgelände in einer mehrstündigen Zeremonie geweiht. Für Tempelbauten gibt es klare Regeln: Das Eingangstor muss nach Norden zeigen, der Platz Richtung Westen darf nicht bebaut werden. Den ersten symbolischen Spatenstich gab es dann im November 2007.Ob der Tempelbau nun zügig vorankommt, auch das wissen allein die Götter. Etwa 900 000 Euro kostet der Bau mit all seinen Verzierungen. Rund 180 000 Euro haben die 80 Vereinsmitglieder und ihre Unterstützer gesammelt. 100 000 gibt laut Krishnamurty eine Bank als Kredit, weitere Spenden sollen von den etwa 6 000 in Berlin lebenden Hindus kommen sowie von Geschäftsleuten aus Indien.Im Mai will Krishnamur- thy mit den Vereinsmitgliedern in die indische Metropole Bangalore fahren. Dort gibt es etwa 120 deutsche Firmen und deutsch-indische Betriebe aus den Bereichen Computer- und Luftfahrtindustrie, Soft- und Hightech-Technologie. Die Berliner Gäste werden den Firmen-Chefs ihren Tempelbau vorstellen und um Spenden bitten. "Wir sind sicher, dass wir das Geld zusammenbekommen", sagt Krishnamurthy. Schon einmal im Jahr 2006 waren die Vereinsmitglieder in Indien auf Spendentour. 60 000 Euro sammelten sie damals ein. Weitere 90 000 Euro haben indische Geschäftsleute zugesagt, wenn der Tempelbau in der Hasenheide begonnen hat.------------------------------Hindus bauen in NeuköllnZwei Tempel sollen in Neukölln entstehen. In Britz will der Verein Sri Mayurapathy Murugan Tempel bauen, in der Hasenheide der Sri Gahnesha Hindu Tempel Verein. Auch Nichtgläubige sind in beiden Häusern willkommen.Das Gebetshaus in der Hasenheide wird nach dem Gott Sri Ganesha benannt. Mit 324 Quadratmetern soll es der zweitgrößte Tempel Europas werden. Der größte steht in Hamm. Neben täglichen Gebeten soll es dort auch große Feste und Veranstaltungen geben. Im Nebengebäude befinden sich eine Küche, Toiletten, Waschräume, eine Bibliothek und ein Gemeindesaal. Dort sind Sprach-, Yoga-, Koch- und Meditationskurse geplant. Im Tempel gilt striktes Rauch- und Alkoholverbot, auch Fleisch darf nicht verzehrt werden.Den Namen von Ganeshas Bruder Murugan wird der andere Tempel tragen. Der Verein Sri Mayurapathy Murugan Tempel hat dafür vom Liegenschaftsfonds ein 744 Quadratmeter großes Grundstück an der Riese-straße/Ecke Blaschkoallee gekauft. Die Baugenehmigung wurde im Juli 2008 erteilt. Im April sollen die Bauarbeiten beginnen, 2010 könnte der Bau fertig sein, wenn das Geld reicht, 600 000 Euro kostet es. 120 Menschen haben in dem 200 Quadratmeter großen Tempel Platz, es gibt ein Büro und eine Küche. Die beiden Türme sind elf und neun Meter hoch. Die sechs Gebete am Tag werden von Priestern aus Südindien gehalten.------------------------------Grafik: Hindutempel. 20 Tonnen Naturstein werden aus Indien für die Fassade von Sri Ganesha geliefert. Das Eingangsportal besteht aus Teakholz. Um die vielen Verzierungen kümmert sich der indische Tempelarchitekt Ravishankar.