BERLIN, 15. Februar. Nach den jüngsten Vorwürfen gegen Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat die CSU erstmals dessen Rücktritt gefordert. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sagte am Donnerstag der "Berliner Zeitung", Fischer sei als Vize-Kanzler und Außenminister nicht mehr tragbar. Goppel erklärte, er halte es für einen "unhaltbaren Zustand, wenn Deutschland im Ausland von einem Repräsentanten mit einer derart ominösen Vergangenheit vertreten wird". Goppel: "Sein Rücktritt ist daher unausweichlich."Der CSU-Generalsekretär warf Fischer vor, er habe die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit seiner Teilnahme an einer PLO-Solidaritätskonferenz 1969 in Algier "bewusst irregeführt". Fischer hatte Anfang dieser Woche eingeräumt, dass er als Mitglied einer Delegation des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) an der Konferenz teilgenommen habe. Anfang Januar dieses Jahres hatte Fischer im "Spiegel" auf die Frage, ob er sich 1970 in einem PLO-Camp in Jordanien aufgehalten habe, lediglich eingeräumt, 1966 "auf einer völlig unpolitischen Tramp-Tour im Nahen Osten" gewesen zu sein. Erst in den 90er-Jahren sei er wieder "nach Israel und in die arabischen Länder gekommen - als Außenminister". Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer (Grüne), hatte am Mittwoch im Bundestag versucht, den Widerspruch in Fischers Aussagen mit den Umständen, unter denen das Interview geführt worden war, zu erklären. Fischer sei auf der Konferenz zudem nur Zuhörer gewesen. Er habe diese Veranstaltung nach einer Stunde verlassen, weil sie ihm zu langweilig gewesen sei und sich anschließend die Stadt angesehen, gab Volmer in Vertretung Fischers vor dem Bundestag an.Inge Presser, eine weitere deutsche Teilnehmerin der Konferenz, stellte allerdings auch diese Version in Frage. Wie das ARD-Politmagazin "Report aus München" am Donnerstag berichtete, hat laut der Zeugenaussage die SDS-Delegation auch an der Diskussion über den Inhalt der Schlussresolution teilgenommen. Darin hatte die Konferenz den Kampf gegen Israel bis zum "Endsieg" unterstützt. In Pressers Erklärung findet sich aber keine Aussage mit einem unmittelbaren Bezug auf Fischer. Goppel hielt Fischer vor, seine Vergangenheit werde immer undurchsichtiger. Der Außenminister erwecke den Verdacht, als gäbe es "über seine Rolle als Straßenkämpfer hinaus Wesentliches zu verbergen". Die CSU gehe davon aus, dass Fischer "nicht irregeleiteter Mitläufer, sondern jahrelang einer der Anführer und Organisatoren der Gewalt auf Frankfurts Straßen war". Die so genannte "Putztruppe", zu der Fischer in den 70er-Jahren in Frankfurt zählte, trug laut Goppel "die Züge einer kriminellen Vereinigung".FDP will persönliche ErklärungDie Liberalen wollten sich der Rücktrittsforderung nicht anschließen. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle verlangte lediglich, Fischer solle sich unverzüglich und öffentlich zu den Vorgängen erklären. "Der Bundesaußenminister darf sich nicht hinter seinem Staatsminister verstecken", sagte Westerwelle dieser Zeitung. In FDP-Kreisen hieß es, die Erkenntnisse über Fischers Algier-Aufenthalt reichten nicht aus, um seine Demission zu verlangen.BERLINER ZEITUNG/NICOLE MASKUS CSU-Generalsekretär Thomas Goppel.