Im Sommer war Bastian Pastewka beinahe ein Revolverheld. Er probierte da eine Nummer, wie man sie aus Action-Filmen kennt: in jeder Hand eine Waffe, nach vorne hechtend, waagerecht in der Luft liegend und um sich ballernd. Sie drehten das in Mexiko. Man hatte Pastewka extra ein Sprungbrett und eine große Matte besorgt. Es blieb beim Versuch. Der Protagonist der ungewöhnlichen RTL-Reisereportagen sollte schon ulkig wirken, klar, aber dann doch nicht so, als hätte ihn der Sheriff schon vor dem Absprung erschossen. "Ich bin einfach zu unsportlich", sagt Pastewka. Er ließ sich doubeln, vom Regisseur des Films. Der hat auch schwarze Haare.Ein paar Wochen später in Russland stürzte Pastewka in einem Flugzeug ein paar Kilometer fast senkrecht in die Tiefe. Parabelflug nennt sich das. Die Insassen erfahren dabei für Sekunden das Gefühl von Schwerelosigkeit. Der Hauptdarsteller so intensiv, dass ihm das Frühstück aus dem Gesicht schwappte. Die entsprechenden Geräusche kamen aufs Band und werden demnächst zu hören sein - in einer der neuen Folgen von "Pastewka in .", die von heute an auf RTL ausgestrahlt werden.Einen "Turnbeutelvergesser" hat sich Pastewka mal genannt. Die gibt es in jeder Schule: Knaben, die gediegene Aufsätze schreiben, aber aus Angst vor dem Aufschwung am Reck ihr Sportzeug zu Hause liegen lassen. Und wenn sie es dabei haben, dann wird es ihnen auf dem Heimweg von den bösen Jungs abgeknöpft. Viele Opfer werden seltsam davon, einige komisch. In St. Petersburg sprang Pastewka über eine Mauer. Es war der letzte Drehtag. Die Mauer war nicht sonderlich hoch. Pastewka brach sich bei der Landung trotzdem das Fersenbein. Er kokettiert mit KomplexenBastian Pastewka gehörte mit 19 Jahren zu den "Comedy Crocodiles". Das war 1991; er hatte gerade ein wenig Soziologie und Germanistik studiert. Eines ihrer Programme hieß: "Wer schwängerte Biene Maja?" Mit dabei war auch Bernhard Hoëcker, der heute regelmäßig bei "Genial daneben" sitzt. Es fällt auf, dass gute Spaßmacher selten aussehen wie Brad Pitt. Pastewka erinnert sich, wie ein deutscher Filmschöpfer mal erzählte, dass ihm seine neueste Komödie im Fitnessstudio eingefallen sei. Ihm sei da sofort klar gewesen, sagt Pastewka, warum die Geschichte nichts werden konnte: "Humor kommt nicht aus Fitnessstudios. Humor kommt aus Schmerz. Aus Sehnsüchten, Verlangen." Als Kind schlug Pastewka nie zurück, und noch heute gehen seine Gags kaum je auf Kosten anderer. Er porträtiert seine Figuren und auch sich selbst am liebsten als "Suchende, Scheiternde", wie er sagt, so wie zuletzt im pointiert pantomimischen "Ohne Worte". Er kokettiert dabei munter mit eigenen Unzulänglichkeiten, Zweifeln und Komplexen, aber das bedeutet nicht, dass er darüber hinweg wäre.Pastewka saß noch nie bei "Sieben Tage, sieben Köpfe". Nicht weil er die Show piefig fände, sondern weil sie dort über Angela Merkel und Bikini-Moden frotzeln: "Das sind nicht meine Welten. Ich kenne meine Grenzen." Er meidet auch Termine wie "Stars in der Manege": "Ich habe da eine Sperre: Sollen mal die das machen, die sich damit auskennen." Er achtet darauf, neben den Gastauftritten bei "Genial daneben" in keiner Panel-Show aufzutauchen, "um mich nicht beliebig zu machen". Es fällt ihm schwer, sich auf mehrere Projekte gleichzeitig einzulassen. Er fürchtet sich zu verzetteln. Als er mit Oliver Kalkofe und Oliver Welke am Drehbuch für die Edgar-Wallace-Veralberung "Der Wixxer" arbeitete, da war er ein ganzes Jahr lang wie versenkt.Jetzt laufen also neue Folgen seiner in Indien und Japan gestarteten Weltenbummler-Serie. Es geht um Russland, Mexiko und einige Südsee-Inseln. "Es ist weder eine Reisedokumentation noch Comedy", sagt Pastewka. "Natürlich gibt es Informationen und Landschaftsaufnahmen. Aber in erster Linie geht das darum, mich in skurrile Situationen zu bringen. Das allein macht das Format für mich akzeptabel." Er habe nicht vor, den Leuten die Welt zu erklären: "Warum sollte ich mich in Dieter Kronzucker verwandeln." Für die Rolle als Anti-Abenteurer muss er sich nicht verstellen. Er war noch nie bei einem Popkonzert. Sein einziges Fußballspiel, das er in einem Stadion erleben durfte, Hertha gegen Bayern, empfand er als "das Schlimmste überhaupt". Das Geschrei, die Massen. Pastewka wohnt in einem Charlottenburger Hinterhaus, allein. Er besitzt vier Videorecorder und benutzt sie auch: "Ich habe da ein System." Mit Farbstiften markiert er seine Favoriten in der Fernsehzeitschrift "Ich kann Ihnen sagen, was ich heute programmiert habe: Die Serie ,Monk' und drei historische Folgen von ,Der Alte'. Das gucke ich am Wochenende." Das mag zwar ein bisschen spleenig wirken, aber wer derart auswählt, beschwert sich hinterher wenigstens nicht über das schlechte Programm. Pastewka sieht so enthusiastisch fern, wie andere jede Woche ins Theater gehen. Er verbringt einen ganzen Abend mit Wiederholungen von "Ein Kessel Buntes" oder mit Edgar Reitz' "Heimat 3". Einmal hat er sich sieben Stunden davon auf DVD angesehen, hintereinander, und sich zwischendurch Würstchen warm gemacht. Serien wie "24" verschlingt er in zwei Tagen. Probleme erledigt er mit der Vorlauftaste und singt anschließend nicht das Klagelied von der vor der Glotze vergeudeten Zeit: "Wenn man etwas liebt, dann muss man es tun. Und ich liebe das Fernsehen, das ich liebe, weil das Fernsehen die Doofen doofer und die Schlauen schlauer macht."Auf seiner Reise verschlug es Pastewka auch auf eine Palmeninsel. Dort sprang der Extremsportverächter mit einer Sauerstoffflasche ins laue Wasser. Es war der erste Tauchgang seines Lebens. Er gelangte bis in beachtliche 23 Meter Tiefe. Und dann, und das war nun wirklich eine Überraschung, eigentlich absolut unvorstellbar, ja, dann kam Bastian Pastewka einfach so wieder an die Oberfläche. Lebendig und unverletzt.Pastewka in . Russland, (1/6) Freitag, 22.45 Uhr, RTL.------------------------------Der Mann, der Brisko Schneider war // RTL setzt die Reihe "Pastewka in ..." mit sechs neuen Folgen fort. Der Komiker reiste dafür nach Russland, Mexiko und in die Südsee. Zuvor war er schon in Japan und Indien.In den ersten beiden Folgen am 7. und 14. Januar zieht es Pastewka in die Weiten Russlands, von Sibirien über die Mongolei bis zurück nach St. Petersburg. Die Reise durch Mexiko ist am 21. und 28. Januar zu sehen. Am 4. und 11. Februar können die Zuschauer Pastewka in der Südsee erleben.Bastian Pastewka ist durch die Sat.1-"Wochenshow" (u.a als Brisko Schneider und Ottmar Zittlau) bekannt geworden. Für RTL steht Pastewka auch in der Comedy-Reihe "Ohne Worte" vor der Kamera.------------------------------Foto: Das Flugzeug war ausgebucht: Bastian Pastewka unterwegs von Ulan Bator nach St. Petersburg.