Als sich Lars Wolkenhauer dazu entschied, ein halbes Jahr in Kenia zu studieren, hatte er kaum eine Idee davon, welche medizinische Versorgung er im Krankheitsfall dort erwarten könnte. "Ich wusste vorher nicht genau, wie Nairobi ist", sagt der 28-jährige Soziologiestudent an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er schloss eine private Krankenversicherung ab, die ihm umfangreichen Schutz versprach. "Ich wollte auch abgedeckt wissen, dass mich im Notfall ein fliegender Doktor aus dem Busch abholt." Dies ist glücklicherweise nicht eingetreten, doch nach Ausflügen in Malaria-Gebiete musste sich Wolkenhauer häufiger auf die Erreger testen lassen.Wer längere Zeit ins Ausland fährt, sollte sich gut vorbereiten. "Das Wichtigste ist, sich vor der Abreise umfassend zu informieren", bestätigt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Krankheit und den Verlust der Arbeitsfähigkeit gilt es im Ausland über passende Versicherungen abzudecken. Bei der Krankenversicherung ist die Lage sehr unübersichtlich. Wer in Deutschland privat krankenversichert ist, sollte direkt bei seiner Kasse nachfragen, welche Bedingungen im Ausland gelten. Für die Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse -und das sind die meisten Studenten -spielt es eine große Rolle, in welches Land es geht. In den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums sind die Studenten grundsätzlich und ohne Zusatzkosten versichert. Das sind alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie Island, Kroatien, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen und die Schweiz. Außerdem hat Deutschland mit einigen Staaten eigene Abkommen unterzeichnet, in denen die deutsche gesetzliche Krankenkasse ebenfalls Schutz bietet: etwa mit Kroatien, der Türkei und Tunesien. In den meisten dieser Länder können die Versicherten die Europäische Krankenversicherungskarte nutzen oder sie lassen sich vor der Abreise von der Krankenkasse einen Auslandskrankenschein geben."Man muss wissen, dass die gesetzlichen Krankenkassen nur die im Gastland üblichen Kosten übernehmen", warnt Versicherungsexperte Rudnik. Der Student ist keinesfalls so versichert wie in Deutschland: Zuzahlungen zu Medikamenten oder Behandlungen sind in jedem Land verschieden hoch. In Finnland etwa werden Augenarztbesuche nicht bezahlt. Die Kosten von Zahnbehandlung gehen in allen Ländern fast immer voll zulasten des Erkrankten -lediglich schmerzstillende Eingriffe und eine Grundversorgung zahlt die Kasse. Hier bestehe die Gefahr, sagt Thorsten Rudnik, dass der Kranke wie ein Privatpatient behandelt werde, ohne es zu wissen. Die Kosten dafür muss er dann aus eigener Tasche begleichen. Das kann teuer werden. Um den Fehlbetrag zwischen der gesetzlichen Leistung und den tatsächlichen Kosten abzudecken, ist eine zusätzliche, private Auslandskrankenversicherung sinnvoll. Dafür werden monatlich 30 bis 40 Euro fällig. Häufig enthält der Zusatzschutz auch einen notwendigen Rücktransport.Außerhalb Europas müssen Studenten Krankheitskosten vollständig über eine Privatversicherung abdecken. Und die schauen genau hin. "Private Zusatzversicherungen bezahlen auch nur medizinisch Notwendiges", sagt Rudnik. Sie übernehmen zudem nur selten die Behandlung seelischer Leiden. Um einen nachträglichen Risikozuschlag zu vermeiden, sollten Personen mit Vorerkrankungen mit dem Versicherer darüber sprechen. Bei der Abrechnung muss der Versicherte seine Rechnungen immer im Original vorlegen und diese, falls notwendig, auf eigene Kosten übersetzen lassen.Student Wolkenhauer stellte in Nairobi fest, dass er sich für nur einen Dollar Jahresbeitrag im Lehrkrankenhaus seiner Universität behandeln lassen konnte. Die private Krankenversicherung gab ihm dennoch ein gutes Gefühl. Er hätte sich ungern allein auf das Lehrkrankenhaus verlassen, sagt er.------------------------------