Rainer Langhans kann mit Kritik gut leben. Damit kenne er sich aus, sagt er, und dass ihm immer die gleichen Beschimpfungen um die Ohren fliegen: Alt-Ex-sonst-irgendwie-68er, Hofnarr oder gar einen geltungssüchtigen, geilen Bock nenne man ihn, der es nicht verschmerzen könne, dass seine Zeit vorbei sei. Aber das sei ihm egal, sagt Langhans. Muss ihm wohl auch - sonst hätte sich der frühere APO-Revoluzzer wohl nicht mit fünf Frauen sieben Tage in eine Münchener Altbauwohnung gesetzt, um sich dort von Kameras bei einer Reise ins Innere des Menschen beobachten zu lassen. Das Ergebnis des "Experiments", so will der einstige Mitbegründer der Berliner Kommune 1 die Woche unter Dauerbeobachtung verstehen, ist nun zwei Wochen lang auf TVBerlin und TVMünchen unter dem Titel "Kommune - fünf Frauen und ein Mann" zu begutachten. Täglich von 21 bis 22 Uhr dürfen die Zuschauer älteren Herrschaften in der Küche, in der Badewanne und bei - Zitat Langhans - "sexuellen Handlungen" zusehen oder gebannt eine Diskussion über Distanzprobleme innerhalb einer Gruppenbeziehung verfolgen. Wer sich das antun soll, ist Langhans erst mal egal.Den Sendern vielleicht nicht, aber Langhans hat den großen Vorteil, unentgeltlich zu arbeiten. "Ich nehme aus Überzeugung kein Geld", betont der Konsumverweigerer. "Ich will das lieber umwandeln in Mentalkapital." Dagegen hatten die Sender nichts einzuwenden und versuchen nun ihren kostengünstigen Coup als "Big Brother für Intellektuelle" oder "Die deutschen Osbournes" zu vermarkten. So könnte man es fast als Understatement werten, wenn TVBerlin-Sprecher Ulrich Weber ohne großen Enthusiasmus dazu erklärt: "Wir denken, das ist mal etwas Interessantes. Herr Langhans ist aus seinen APO-Zeiten noch vielen ein Begriff. Wir wollen aber auch den Jüngeren zeigen, wie er heute lebt." Das möchte auch Langhans. Seine Lebensform hält er schon lange für containerreif. Auch wenn der so genannte Harem in Wirklichkeit gar keiner ist. Denn der asketisch schlanke Langhans wohnt eigentlich allein, kommt in seiner Wohnung seit Jahrzehnten "mal öfter, mal seltener" mit bis zu fünf Frauen zusammen, um sich dann mit Brigitte, Jutta, Anna, Gisela und Christa, alle zwischen 50 und Anfang 60 Jahre alt, nach allen Regeln der Kunst auszutauschen. Trotzdem blieb Langhans genug Zeit, alle Reality-TV-Formate der vergangenen Jahre aufs Genaueste zu verfolgen: Big Brother 1, 2, 3, Girlscamp oder Osbournes - Langhans hat sie alle gesehen. Kein Wunder, denn für ihn war und ist Container-Fernsehen schon immer ein Selbsterfahrungstrip mit Millionen von Therapeuten als Zuschauern und somit die logische Fortsetzung der Kommune 1 mit anderen Mitteln. "Diese Formate gehen weiter", ist er sich sicher, "das ist das Fernsehen der Zukunft." Revolution im ContainerEine These, die es prompt mit einer verwinkelten Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung von 1968 bis heute zu unterfüttern gilt: Von der kleinsten Zelle des Staates, dem Privaten, ist wieder die Rede, von der heutigen Aufmerksamkeitsgesellschaft, von Menschen, die sich zu Therapie- und Selbsterkenntnis-Zwecken der Medien bedienen. Langhans, heute 62 Jahre alt, fühlt sich auf ganzer Linie bestätigt. Jetzt geht die Revolution im Container weiter. Das Private ist dort wieder das Politische. Alles klar? Langhans ist sich sicher, dass diese fast schon finale Selbstbespiegelung seines Lebens, "wenn das erste Geschrei mal vorbei ist", vor allem beim klassischen Big-Brother-Publikum ein Erfolg wird. "Als der Osbourne auf MTV angefangen hat, dachte auch jeder, dass der total abgeschrieben und isoliert ist. Und dann wurde es ein Riesen-erfolg." Spätestens an dieser Stelle hat man dem Containerrevoluzzer nichts mehr entgegenzusetzen.Ein Mann, fünf Frauen // Rainer Langhans gründete 1967 in Berlin die "Kommmune1". Die Lebensgemeinschaft aus fünf Männern und drei Frauen wurde zum Symbol für die Studenten- und Hippiebewegung.In den 70ern verschrieb sich Langhans der Esoterik. Der asketisch lebende Altkommunarde umgibt sich seit mehr als 25 Jahren mit fünf Frauen.Sieben Tage lang ließen sich der 62-Jährige und seine Frauen für die Lokalsender TVBerlin und TVMünchen in eine Münchener Wohnung sperren.Die Reality-Show "Kommune - fünf Frauen und ein Mann" startet an diesem Freitag um 21 Uhr auf TVBerlin mit einer Vorstellung der Protagonisten.Vom 22. März bis 6. April läuft die Show täglich von 21 bis 22 Uhr auf TVBerlin.TV BERLIN Rainer Langhans lebt mit fünf Frauen zusammen. Er schätzt Diskussionen über Distanzprobleme in einer Gruppenbeziehung.