Der mutmaßliche Kaufhauserpresser Arno Funke macht im Moabiter Kriminalgericht reinen Tisch. Er gestand am Freitag sogar eine Tat, der er gar nicht angeklagt war.Staatsanwalt Thomas Schwarz ist überrascht. "Sind Sie sich sicher?" fragt er nachdrücklich den Angeklagten. "Das hat möglicherweise starke Konsequenzen." Funke aber läßt sich von seiner Aussage nicht abbringen. Ja, er habe bei der geplatzten Geldübergabe am 29. Oktober 1992 am S-Bahnhof Savinyplatz eine Waffe dabeigehabt. Zwei Polizisten waren damals dem Flüchtenden auf den Fersen, einer hätte ihn fast erwischt. Höhere Strafe möglich "Ich hätte schießen können, wenn ich es gewollt hätte", so der 44jährige. Aber die Waffe habe er nur getragen, um sich selbst bei einer möglichen Festnahme töten zu können. Offenbar hat der Angeklagte den Entschluß gefaßt, dem Gericht die ganze Wahrheit zu offenbaren. Dabei nimmt er auch eine höhere Strafe in Kauf. Denn der Waffenbesitz in dem geschilderten Fall ist nicht angeklagt. Statt versuchter räuberischer Epressung kommt nun versuchte schwere räuberischer Erpressung in Betracht. Das erhöht die Mindeststrafe. Die Anklage listet zudem sechs Sprengstoffanschläge, Brandstiftung sowie versuchte und vollendete räuberische Erpressung in zehn Fällen auf.Ein ernster Mann sitzt auf der Angeklagebank. Nur gelegentlich lächelt er verschmitzt und lausbübisch, wenn seine Briefe an Karstadt oder die niedergeschriebenen Anruf-Protokolle vorgelesen werden. So hatte der Erpresser der Polizei in einem Telefonat mitgeteilt, daß in einem Schließfach am Bahnhof Lichtenberg weitere Anweisungen liegen. "You go now to Bahnhof Lichtenberg", versuchte sich der Anrufer in Englisch. In einem Schreiben gab er der Kripo den Tip, einen Anrufbeantworter anzuschließen, damit sie auch erfahren, wenn er Geldübergaben absage: "Da können Sie sich Arbeit ersparen." Trockenen Humor zeigt der Angeklagte, als er eine geplante Geldübergabe in Steglitz schildert. "Dagobert" wollte über einen Regenschacht entkommen. Doch just an diesem Tage goß es in Strömen. "Das Wasser hätte mir bis zum Hals gestanden", begründet Funke die Absage.Penibel plante "Dagobert" die Taten. Er lief die Bahnstrecken mehrmals ab, er suchte nahe der Übergabeorte leere Wohnungen als Verstecke. Er zapfte Telefonleitungen an und verkleidete sich mit Blaumann und falschen Bärten. Auch sein Fahrrad lackierte Funke um. Schwerwiegende Taten Es fällt schwer, in dem sympathischen Angeklagten auch den Bombenleger zu sehen. Das hat auch der Vorsitzende Richter, Nils Nelsen, erkannt. Des weiteren betont er, daß die Taten keinesfalls lustig seien. Die Drohung an Karstadt im Dezember 1993 zeugt davon. "Während der Geschäftszeit" werde eine Bombe hochgehen, hieß es darin. "Dagobert" machte Ernst: Am Nikolaustag ging im Fahrstuhl der Neuköllner Filiale eine Rohrbombe hoch. Verletzt wurde niemand. +++