DER MÜDE STÜRMER, ZDF. Dem Mann, der noch vor wenigen Jahren der "Schrecken der Strafräume" war, der "Brecher" und das "Kopfballungeheuer", der nicht nur von seinem Trainer Werner Lorant als kommender Nationalspieler gehandelt wurde, ist die Ermüdung bei jedem Schritt anzumerken. Olaf Bodden, der wuchtige Stürmer von 1860 München, leidet seit Spätsommer 1996 an CFS, einer chronischen Erschöpfungskrankheit, die seltsamerweise gerade die besonders Aktiven trifft. Nur noch 20-30 Minuten Bewegung pro Tag verträgt sein Körper ("Der funktioniert nicht mehr"), dabei sind Gänge vom Fernseher in die Küche bereits eingerechnet. Fußball im Fernsehen sieht er auch auf Gran Canaria, wohin er sich zurückgezogen hat, mit einem Gefühl der Qual und Frustration: "Warum können die rennen und ich nicht?" Ohne besondere Wehleidigkeit nähert sich Tom Theunissens Film dem sehr speziellen Schicksal der Familie Bodden, die doppelt zum Opfer wurde. Denn gerade als die ersten, rätselhaften Ermüdungserscheinungen bei Bodden auftreten, wird bei seiner Frau Sina ein Tumor diagnostiziert. Der Film reihte etwas wahllos Momente des gestörten Familien- und Berufslebens aneinander, zeigt Boddens melancholische Anwandlungen und die pragmatische Härte seiner Frau ("Eine gleichberechtigte Partnerschaft ist das natürlich nicht"). Warum aber Theunissen, als fürchte er trotz des Galgenhumors, den das Ehepaar Bodden selbst einbrachte, doch noch bis zuletzt das Abrutschen ins Melodram, einen beständig spöttischen Tonfall à la "Zum Gähnen, zum Heulen" (so die Zeile bei ZDF online) für seinen Off-Kommentar wählte, warum er vom Wechsel scharfer und unscharfer Bilder gar nicht genug bekommen konnte, das erklärte sich nicht.