BERLIN, 20. Februar. Die Manager vieler Bundesliga-Vereine sind empört, die Fans verwirrt. Anlass ist ein jetzt publik gewordener Geheimvertrag zwischen dem FC Bayern München und der Kirch-Gruppe von 1999. Dadurch sollen die Bayern in den vergangenen zwei Spielzeiten mehr als 20 Millionen Euro von der inzwischen insolventen Kirch-Gruppe erhalten haben. Als Gegenleistung haben die Bayern damals ihren Widerstand gegen die zentrale Vermarktung der Bundesliga aufgegeben.Nürnbergs Präsident Michael Roth ist entsetzt. "Das hört sich unglaublich an", heißt es beim VfB Stuttgart. Auch Schalke-Manager Rudi Assauer hält den Pakt zumindest für "moralisch anfechtbar". Die Manager kritisieren, dass sich die Bayern mögliche Mehr-Einnahmen aus einer eigenen Vermarktung ihrer Spiele durch die Hintertür gesichert hätten. Damit sei der Solidaritätspakt, wonach die TV-Gelder an alle Bundesliga-Vereine nach einem festgelegten Schlüssel verteilt werden, gebrochen. Zwar wehrte sich Bayern-Manager Uli Hoeneß gegen den Vorwurf der Bestechlichkeit. "Wir haben uns nicht kaufen lassen", sagte er. Dennoch lenkte der Club ein. "Wir werden der Deutschen Fußball Liga Einsicht gewähren", sagte Aufsichtsrat Fritz Scherer. Nur Präsident Franz Beckenbauer (Werbeslogan: "So läuft s Business") schwieg beharrlich. Stattdessen erläuterte der ehemalige Vizechef der insolventen Kirch-Media, Dieter Hahn, im Kicker den Inhalt des Vertrags. "Wir wollten mit dem FC Bayern das machen, was die Ufa mit Dortmund und dem Hamburger SV hatte. Wir wollten mit dem Rekordmeister einen Vertrag für Einzelspiele und für den Fall, dass der FC Bayern im Uefa-Cup vertreten wäre. Zudem wollten wir Vorsorge treffen, falls die zentrale Vermarktung fallen würde." Der Rechtsanwalt Bert Handschumacher reichte inzwischen Strafanzeige ein. Bei dem Vertrag gebe es den Verdacht der verdeckten Schmiergeldzahlung, erklärte Handschumacher.Im Profifußball gerät die Vermarktung der Fernsehrechte immer wieder in die Diskussion. Sogar die EU-Kommission hat sich schon damit beschäftigt. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob jeder Verein für sich die Übertragung seiner Spiele an TV-Sender verkauft oder ein Verband die Rechte aller Clubs zentral vermarktet. Bei internationalen Spielen wird die Einzelvermarktung bereits praktiziert. So können im Uefa-Cup die Vereine ihre Heimspiele an den meistbietenden Sender verkaufen, auch in der Champions League soll dies künftig möglich sein. Nur in der Bundesliga werden die Übertragungsrechte noch zentral vergeben. Für 290 Millionen Euro pro Saison hat die Deutsche Fußball Liga die TV-Rechte bis 2004 an die Schweizer Sportrechte-Agentur Infront verkauft. Der Pay-TV-Sender Premiere, der alle Bundesliga-Begegnungen live überträgt, zahlt dafür rund 148 Millionen Euro, 80 Millionen Euro kommen von Sat 1, das die Zusammenfassungen in "ran" zeigt. ARD und ZDF zahlen für die Nachverwertung rund 19 Millionen Euro. Das von der Liga eingenommene Geld wird bei der Zentralvermarktung nach einem festgelegten Schlüssel an die Vereine weitergegeben. Der Fußball-Analyst der Deutschen Bank, Lars vom Cleff, warnt davor, sich von der Zentralvermarktung zu verabschieden. Neben Bayern München würden unter anderem Hertha BSC und Borussia Dortmund Ambitionen hegen, sich selbst zu verkaufen. "Die Bundesliga lebt aber gerade auch von den kleineren Vereinen", sagt er. Nur so sei noch ein sportlicher Wettbewerb in den beiden Bundesligen gewährleistet. Würden sich die Vereine allein vermarkten, bliebe eine Hand voll reicher Clubs übrig. "Mit Bundesliga-Fußball hätte das nichts mehr zu tun."Vor allem für viele kleine Vereine sind die Fernseheinnahmen die wichtigste Finanzierungsquelle. "Clubs wie Cottbus oder Freiburg finanzieren sich zu 70 bis 80 Prozent aus diesen Geldern", sagt vom Cleff. Bei einem Verein wie Dortmund mache der Anteil der Fernseheinnahmen dagegen nur 40 Prozent aus. Die anderen Einnahmen größerer Clubs fließen über Sponsoring, Ticket-Verkauf und den Absatz von Werbeartikeln. Bayern mit seinem Umsatz von 176 Millionen "müsste damit eigentlich gut leben". Geheimverträge habe ausgerechnet der reichste Klub nicht nötig.Einen Geheimvertrag schloss aber auch Fedor Radmann, Vizepräsident im Organisationskomitee für die WM 2006. Er hatte laut Süddeutsche Zeitung seit 2000 einen Beratervertrag mit der Kirch-Gruppe. Darüber habe er seinen Chef informiert - OK-Präsident Franz Beckenbauer.176 Millionen Euro Umsatz // Der FC Bayern München ist nicht nur sportlich der Branchenführer der Bundesliga. Auch finanziell ist der Rekordmeister mit einem Umsatz von 176 Millionen Euro Spitzenreiter. Im Februar 2002 wurde die Profiabteilung ausgegliedert und die FC Bayern München Fußball AG gegründet. Der Verein FC Bayern München hat rund 95 000 Mitglieder.Der Gewinn des Fußball-Konzerns belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf elf Millionen Euro. Nach Angaben von Manager Uli Hoeneß machen die TV-Einnahmen etwa zehn Prozent der Einkünfte aus. Der Club kassierte 2000/2001 23,8 Millionen Euro für die Bundesliga von der Deutschen Fußball-Liga; 46,1 Millionen Euro spielte er in der Champions League ein.Als Partner und Sponsoren beteiligen sich der Sportartikelhersteller Adidas mit 77 Millionen Euro für einen Anteil von zehn Prozent an der Bayern AG. Hauptsponsor der Münchner ist seit dieser Spielzeit die Deutsche Telekom mit 20 Millionen Euro pro Saison. Kein anderer Bundesliga-Verein kassiert mehr von einem Sponsor. Längst ist der FC Bayern auch selbst eine Marke, die sehr gut geht. Mit dem Verkauf von Fanartikeln macht er 13 Millionen Euro Umsatz im Jahr.BERLINER ZEITUNG/ANJA KÜHL Einnahmen der Bundesliga-Vereine aus dem TV-Vertrag mit der Kirch-Gruppe.DPA/MATTHIAS SCHRADER . und die Grundgebühr is a scho drin - die Führungsriege der FC Bayern München AG: Uli Hoeneß (v. l. ), Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge.