Hätte die deutsche WM-Elf es wohl auch auf diesem Fußballplatz ins Achtelfinale geschafft? Kaum anzunehmen, dass sie den Ort überhaupt als Arena akzeptiert hätte - und sei es nur für ein Freundschaftsspiel. Schließlich ist er ein Kuriosum und persifliert schildbürgerhaft die Fußballordnung. In den "Jenaer Regeln" von 1896 steht, auf Spielfeldern seien Bäume und Sträucher verboten. Nichts davon drang bis Orissaare auf der Insel Saaremaa im Nordosten Estlands. Mitten auf dem Fußballplatz des städtischen Gymnasiums steht eine stattliche Eiche. Vor über sechzig Jahren hat sie irgend jemand gepflanzt, unmittelbar daneben entstand ein kleiner Schulsportplatz; damals hatte der Baum noch eine Randstellung. 1951wurde der Platz vergrößert, die Eiche rückte in die Mitte, man ließ sie trotzdem stehen, zumal die Burschen spielend leicht um sie herumzukicken verstanden. 1989, das Jahr der Wende, war auch für den Baum ein Schicksalsjahr. Nach heftiger Debatte für und gegen die Kettensäge stellten Umweltfreunde den Bedrohten unter Naturschutz. So wächst das Kuriosum bis heute. Was man hier nicht sieht, aber verraten werden soll: Hinterm Tor liegen eine lange Stange und eine hohe Leiter - Instrumente, um den Ball aus den Ästen zu holen. So spielt man hinterm Gymnasium Orissaare immer mit Verlängerung.------------------------------Foto: Geheimtipp für Fifa-Geschädigte und Bananenflanken-Experten: Ein Fußballfeld mit Eiche, real existierend im Städtchen Orissaare auf der estnischen Insel Saaremaa - als "Kunstwerk", das Natur und Mensch gemeinsam zustande brachten.