Der Berliner Fußballclub Dynamo (BFC) hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass ein Großteil seiner Anhänger rechtsextreme Auffassungen vertrete. Zu diesem Schluss war eine Hohenschönhauser Studie gekommen, die das Berliner Zentrum Demokratische Kultur erstellt hatte. Die Forscher hatten verlangt, dass sich die Vereinsführung von allen Formen des Rassismus und des Rechtsextremismus distanziert. "Ich bin entsetzt", kommentierte der BFC-Fanbeauftragte Rainer Lüdtke die Kritik. Der BFC sei zwar Anfang der 90er-Jahre ein Sammelbecken für rechte Gewalttäter und Hooligans gewesen, "aber die sind inzwischen vertrieben". Mittlerweile gebe es eine gute Fanarbeit, und den vielen Hooligans sei es langweilig geworden. BFC-Sportdirektor Hans Reker erklärte, dass sich die Vereinsführung immer wieder deutlich von Rechtsextremismus distanziere. "Ich bin kein Rechter", sagte auch BFC-Fan Mario Timm. Auf den Fußballclub werde eine regelrechte politische Hatz veranstaltet. Gewalt spiele kaum noch eine Rolle. "Die Fans halten sich zurück." Für die Hohenschönhauser Ausländerbeauftragte Bärbel Olhagaray sind die Reaktionen des BFC ein Beweis dafür, dass Rechtsextremismus häufig falsch definiert wird. "Er wird nicht als Bedrohung allgemeiner humanistischer Werte empfunden, sondern auf rechtsradikale Gewalt reduziert", sagt Olhagaray. Da es diese selten gebe in Hohenschönhausen, sei das Thema für viele nicht existent. Diese "mangelnde Sensibilität" sei in allen Bevölkerungs-Schichten anzutreffen. Wie kommunalpolitisch auf die Studie reagiert wird, will das Bezirksamt in den nächsten Zeit entscheiden. Für die Hohenschönhauser Bürgermeisterin Bärbel Grygier (für PDS) steht schon jetzt fest, dass dem Thema "Wertevermittlung" besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. "Das betrifft sowohl die Jugendfreizeiteinrichtungen als auch die Schule", sagte Grygier. Im Übrigen halte sie es für falsch, Pädagogen freizustellen, ob sie an Fortbildungen zu solchen Themen teilnehmen wollen oder nicht. Bereits mehrfach war Grygier mit den Vorwurf konfrontiert worden, die Studie rücke Hohenschönhausen in ein schlechtes Licht. Sie teile diese Ansicht nicht, sagte Grygier. Die Studie, die sie für "fundiert" hält, zeige, dass Hohenschönhausen kein Ort für rechte Gewalttaten ist. "Aber sie beweist auch, dass wir präventiv arbeiten müssen."