SAVANNAH, 8. Juni. In Savannah herrscht so etwas wie Kriegszustand. Alle zehn Minuten kurvt ein Humvee-Jeep mit Soldaten in Schutzhelmen die Bull-Street entlang, und an einigen Ecken kontrollieren Männer in Tarnanzügen die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Polizisten, Nationalgardisten und Militärs patrouillieren durch die Straßen und überprüfen Menschen und Handtaschen. Helikopter kreisen über der Stadt, und mehrmals am Tag rast eine Kolonne von Polizeiautos mit Blaulicht und Sirenengeheul durch die Straßen. Die sonst so verträumte Küstenstadt im Süden der USA erlebt derzeit die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen in der Geschichte des Landes. 10 000 Beamte aus den gesamten USA sind vor Ort. Wenn sich in diesen Tagen die Regierungschefs der acht reichsten Industrienationen hier treffen, ist man in Savannah offenbar auf das Schlimmste gefasst: Proteste, Randale, Attentate, Bomben.Die Besucher aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und Russland werden vermutlich wenig von der Aufregung miterleben. Sie tagen abgeschottet auf Sea Island, jener Ressort-Insel, die der Küste Savannahs vorgelagert ist und derzeit am besten mit einem Wassertaxi zu erreichen ist. Hier sollen sie sich bei sommerlichen Temperaturen entspannen - EU-Kommissions-Chef Romano Prodi hat sich bereits ein Fahrrad bestellt - und dabei neue Initiativen für die Welt ausarbeiten.Im Mittelpunkt des Gipfels steht eine Initiative Washingtons für den "Weiteren Mittleren Osten", in der sich die Bush-Regierung für eine stärkere Demokratisierung der Region einsetzt. Noch während dieses Gipfels soll ein Partnerschaftsprogramm mit den wichtigsten Staaten der Region verkündet werden. Doch schon im Vorfeld sorgte die Initiative für diplomatische Verstimmung. So haben einige der engsten Verbündeten der USA in der Region wie Ägypten und Saudi-Arabien die Einladung zum Mittagessen auf Sea Island abgesagt - angeblich aus terminlichen Gründen. Doch es hieß, vor allem der ägyptische Präsident Husni Mubarak sei wütend gewesen, weil er sich nicht vor aller Welt diktieren lassen wolle, wie er sein Land reformieren solle.Nach Angaben der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erwarten die USA zudem, dass sich die G8-Staaten darauf einigen, weiter gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen vorzugehen und die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus zu intensivieren. Dazu soll eine Initiative zur Flugsicherheit vorgestellt werden, die die Überprüfung von Flugpassagieren im Vorfeld erlauben und den internationalen Datenaustausch zwischen den Behörden vereinfachen soll. Die USA wollen auch die Anstrengungen zur Friedenssicherung ausweiten und sich mit den anderen darauf einigen, in den kommenden fünf Jahren 75 000 so genannte Peacekeeper auszubilden.Nicht-Regierungs-Organisationen kritisierten, dass durch die Konzentration auf den Mittleren Osten die Nöte des afrikanischen Kontinents zu kurz kämen. Die Hilfsorganisation Oxfam forderte erneut den ärmsten Nationen die schulden zu erlassen. Doch es ist zu bezweifeln, dass die Gipfelteilnehmer diese Appelle hören. Der Zugang nach Sea Island ist derart streng, dass Demonstranten kaum ihren Protest vorbringen können.------------------------------Gipfelboykott // US-Präsident George W. Bush hatte großzügig eingeladen: Zum G8-Gipfel im US-Bundesstaat Georgia sollten am Mittwoch wichtige Staats- und Regierungschefs des Nahen Ostens kommen, um Bushs angekündigter Initiative für "mehr politische, wirtschaftliche und soziale Freiheit" in der Region zur nötigen Glaubwürdigkeit zu verhelfen. Doch vielen arabischen Staaten gefällt Bushs Idee nicht. Erwartet werden der jordanische König Abdullah, der türkische Premier Recep Erdogan, der afghanische Präsident Hamid Karsai, Präsident Ali Abdallah Sali aus Jemen und der designierte Präsident Iraks, Ghasi el Jawar.Nicht mit von der Partie werden Ägypten, Saudi-Arabien, Tunesien und Marokko sein, die als Verbündete Washingtons in der Region gelten.------------------------------Foto: Sicherheit über alles: Polizisten im Schutzanzug auf Patrouille in Savannah