Es gibt keine Leere, und es gibt keine Fülle, es gibt nur die Möglichkeit, die Leere zu füllen So beginnt der Katalog zur Ausstellung. Es sind die Worte von Gottfried Benn aus "Der Radardenker" und man könnte meinen, Benn habe sie für die Arbeiten von Burkhard Held geschrieben."Kleines Fenster", "Weibliche Figur vor Blau", "Interieur Orange" lauten die schlichten Titel und geben unmißverständlich wieder, woran sich der Maler seit Jahren reibt: an Figur und Raum und im Spannungsfeld dazwischen. Die Titel vermögen jedoch nur die Richtung zu weisen. Sie schwingen gleich mit einer formalen Reduktion, die den Bildern eigentümlich ist. 1995 malte Burkhard Held "Weibliche Figur vor Blau", im gleichen Jahr das Bild "ohne Titel" mit einer sitzenden roten Frau. Die beiden Arbeiten hängen einander nicht zufällig gegenüber, sondern leiten die Ausstellung in der Galerie Brusberg ein: Burkhard Held, der früher viel stärker mit Tonwerten, vor allem im Grautonbereich arbeitete, hat darin offensichtlich zu einer anderen Farblichkeit gefunden. Gelb, Rot, Blau bestimmen die Farbprogrammatik, auch bei den gemischten dunklen Tönen. Darüber hinaus hat der Künstler begonnen, die Figur aus ihren bis dahin engen architektonischen Zusammenhängen zu lösen: Anstelle ihrer Einbindung in Fensterkreuze oder Raumachsen setzt er sie nun in Bezug zu ihrem Kontext. Damit fing das Dilemma aber auch an. Denn: Die Figur will ihren Platz behaupten, und der Raum will dominieren.Einige Male hat der Raum gewonnen. In dem 90 x 70 Zentimeter großen Bild "Kleines Fenster" von 1996 steht neben den zwei roten Rechtecken dem Fenster schemenhaft eine Figur. Das heißt, sie war da und wurde teilweise übermalt. Spuren und Reste von Figuren lassen sich auch in anderen Bildern finden. "Interieur Blau" von 1995/96 zeigt das gleiche Raummotiv in Dunkelgrau und Blau, doch hier fehlt die Figur ganz, jedenfalls scheinbar, wo sie visuell nicht sichtbar wird. Offenbar wurde die Auseinandersetzung zwischen Figur und Raum schließlich so stark, daß die Figur aus ihrem Zusammenhang heraustreten und sich als zweites Bild neben das Interieur stellen mußte. Seit 1996 entstehen auf diese Weise Diptychen wie "Fenster Orange mit Weiblicher Figur".Burkhard Held wählt für die Flächen und Linien, die sich in seinen Bildern aneinanderreihen, ohne hintereinanderzutreten, die Begriffe "Raum", "Interieur" und "Architektur". Tatsächlich aber zitiert er Räume, Interieurs und Architektur lediglich, er stellt sie nicht dar. Raumtiefe formuliert er nur mit Diagonalen. Die Zeichen in den Bildern Tische, Stühle, Fenster erscheinen als bildordnende Koordinaten, als Möglichkeiten, sich zu orientieren. "Raum" und "Figur" vergewissern sich einander und bedingen sich. Die Existenz des einen ist der Garant des anderen.Galerie Brusberg, Kurfürstendamm 213, bis 25. 4. Di Fr 10 18.30 Uhr, Sa 10 14 Uhr.