Der Mensch ist verschwunden aus dem Bild. Nun entfalten die Farben ihr Eigenleben, ein roter Teppich scheint schweben zu wollen, die Wände rücken auseinander zu Säulen, die Wand mit Fenster ist in fernwehhaftes Blau getaucht.Wenn Günter Blendinger zeichnet, radiert oder lithografiert, setzt er Figuren in den Raum, sie durchschreiten die Bildfläche, sie stehen, sitzen, hocken oder liegen an Stränden, queren Straßen, gießen Blumen, lassen sich von Schneeflocken umtanzen. Sobald Blendinger malt, bleibt der Mensch unsichtbar. Ins Blickfeld gerückt sind dann nur Dinge, mit denen Mann, Frau, Kind sich umgeben: Häuser von außen und innen, Treppen, Mobiliar, Vasen, Blumen, Spielzeug. Es ist das unspektakulär Alltägliche, das der seit einigen Jahren immer intensiver gestaltende Zeichner und Radierer so bemerkenswert ins Bild setzt, festlich und sinnenfroh oder aber karg und leicht melancholisch.Bilder aus den letzten zwanzig Jahren breitet die von Christa und Gerhard Wolf mitgegründete Pankower Galerie Forum Amalienpark jetzt von Günter Blendinger aus. Anlass ist der 60. Geburtstag des gebürtigen Thüringers, der zuerst Maschinenbauer war, bevor er nach Berlin und zur Kunst kam und bis Mitte der Siebziger an der Kunsthochschule Weißensee bei dem Zeichner Arno Mohr studierte. Dessen Einfluss verrät bis heute der knappe, spröde Zeichenstil nach der Maxime "Weniger ist mehr".Auch für Blendinger ist die Arbeit mit der Linie, das Schraffieren und Flächentönen wie das dem Lärm der Welt entfliehende Schreiben "vor der Natur" ins Notiz-oder Tagebuch. Die Gestalten und Dinge werden bei ihm nahezu zeitlos. Und weil er seine Öl- oder Temperafarben zum Schluss mit Bienenwachs überzieht, wirken die Gemälde resistent gegen all die Geschäftigkeit und Hektik des Alltags. (ir.)------------------------------Galerie Forum Amalienpark, Breite Straße 2 a, Pankow, bis 24. 3., Vernissage am 26. 2., 19 Uhr, danach Mi-Fr 16-19/Sa 14-18 Uhr, Tel.: 9142 5422------------------------------Foto: "Durchblick mit Blau", 2003