Die Staatsanwaltschaft Oldenburg geht einem neuen Gammelfleisch-Verdacht nach und ermittelt gegen einen fleischverarbeitenden Betrieb in Bad Bentheim. Es gehe um den Verdacht von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Das ARD-Morgenmagazin hatte zuvor berichtet, dass der Betrieb tonnenweise Gammelfleisch mit gutem Fleisch vermischt, umetikettiert und verkauft habe.

Nach dem Bericht sollen zwei ehemalige Mitarbeiter heimlich mit ihren Handys Videos aufgenommen haben. Als sie ihrem Arbeitgeber illegale Machenschaften vorgeworfen hätten, seien sie gekündigt und bedroht worden. In dem Bericht wird ein ehemaliger Arbeiter der Fabrik mit den Worten zitiert: „Es wird auch Fleisch geliefert, das schon grün ist. Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist, aber dann wird uns gesagt, dass wir es doch verarbeiten sollen, und wir werfen es in die Maschinen.“

Hack für die Wurstindustrie

2000 Tonnen Geflügel werden laut Firmenwerbung jede Woche in Bad Bentheim verarbeitet. Knochen Haut, Filet – Fleisch von Schlachthöfen aus Norddeutschland und Holland. Daraus wird sogenanntes Baaderfleisch gemacht, eine Art Hack, Rohstoff für die Wurstindustrie. Kunden der Firma sind Lebensmittelbetriebe in der ganzen Welt. Die beiden Arbeiter behaupten, dass jede Woche bis zu 100 Tonnen Gammelfleisch in der Firma verarbeitet werden. Die Produkte sind möglicherweise als Geflügelwürstchen in den Handel gelangt.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der Betrieb sei im Juni und Oktober insgesamt zweimal durchsucht worden. „Es wurden Proben genommen und sichergestellt“, sagte er. Ob diese bereits analysiert worden sind, konnte er nicht sagen.

Verbraucher können es mit bloßem Auge nicht erkennen, falls ein Produkt, zum Beispiel Wurst, mit verdorbenem Fleisch hergestellt wurde. Bei Frischfleisch könne man sich auf seine Sinne verlassen und prüfen, ob die Ware einwandfrei aussieht und riecht, sagte die Ernährungswissenschaftlerin Sabine Klein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. (dpa/BLZ)