Das mit der Dissertation klappt gerade nicht. Sookee hat keine Zeit dafür, die Musik und andere Projekte sind ihr wichtiger als so ein Doktortitel als Bildungsnachweis. Dabei hatte die Akademikerin, die an der Humboldt-Uni sechs Jahre lang Germanistische Linguistik und Gender Studies studiert hat, schon ein Jahr lang zum Thema ihrer Arbeit recherchiert. "Jugendwerkhöfe in der DDR - Vom Rowdy zur sozialistischen Persönlichkeit im Realsozialismus" Sookee, wie sich die 27-Jährige nennt, verzichtet vorerst auf eine Akademiker-Karriere. "Ich habe mich für die Subkultur entschieden."Und dort, an der Basis, hat sie genug zu tun. Schon als Kind habe sie gereimt, sagt Sookee, deren Name aus einer Filmrolle Michelle Pfeifers stammt und auch bald in ihrem Ausweis stehen soll. Ihren bürgerlichen Namen hat sie abgelegt. "Im HipHop habe ich mich schon sehr früh heimisch gefühlt." Sookee war das einzige Mädchen in einer Jungsclique, anfangs in einer Waldorfschule in Steglitz, später an einer Gesamtschule in Schöneberg. Sie zog mit ihrer Clique durch Kreuzberg, sie sprühten Graffiti, probierten Alkohol und Drogen aus, nahmen in kleinen Studios erste Beats auf. Sookee textete und sang, eine resolute Rapperin in einer Macho-Jungmännerwelt. "Die Akzeptanz mir gegenüber ist ständig gewachsen, heute habe ich keinen Legitimationsdruck mehr", sagt sie.Trotz Abhängen und Null-Bock-Gefühl hat Sookee ihr Abitur geschafft und mit 19 Jahren ihr Studium begonnen. "Ich bin stringent mit allem durchgekommen, ich wollte keine Brüche", sagt sie. Heute gibt sie Konzerte in Clubs und Kneipen linker Hausprojekte, in Berlin und anderen Städten. "Zecken-Rap" nennt sie das. "Die Linke öffnet sich langsam wieder dem Thema Hip-Hop", sagt Sookee. Sie singt gegen den Kapitalismus und gegen Homophobie. "Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben, die Normalität wünscht sich endlich Frieden", heißt es in "Pro Homo". Ihr aktuelles Album hat sie "Quing" genannt, es ist eine Kombination aus King und Queen. Sookee macht ihre Wortkreation zum Perspektivbegriff für eine neue Gesellschaft. "Quing ist ein gedanklicher Ausblick, nicht ein verdammt tiefer Ausschnitt." Und: "Quing schenkt dir 'ne Perspektive, die dich wie 'ne Haut umgibt."Sookee steht mit ihrer Musik nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Straße, an der Basis. Sie arbeitet im Rahmen eines Gewaltpräventionsprojekts mit Berliner Jugendlichen, sie gibt Workshops in Schulen. Die Jungen und Mädchen dort sollen in ihrer HipHop-Academy lernen, mit Sprache zu arbeiten, über ihr Leben zu erzählen. "Ich will was von denen wissen, ich will ehrlich mit ihnen umgehen", sagt sie. An zwei Tagen in der Woche unterrichtet sie auch noch als Deutschlehrerin an einer Freien Schule in Kreuzberg. "Lernen auf der Grundlage von Interesse", nennt das Sookee, ohne Zensuren. Es sei ihr egal, ob ihre Grundschüler Wörter orthografisch richtig schreiben könnten. "Es kommt auf den Inhalt an. Die Schüler sollen lernen, angstfrei mit Sprache umzugehen." Sookee gehört zu den wenigen Musikern, die nicht nur über Subkultur singen, sondern auch in ihr leben.Und genau das macht sie für Intellektuelle so interessant. Universitätsprofessoren laden sie zu Vorträgen ein. Über "Heterosexismus im deutschsprachigen Rap" spricht sie dort, über "Sprache als Form von sozialem Handeln" und über "Porno-Rap", jener gewaltvollen Sprache, in der Männer über ihren Sex mit Frauen prahlen, wobei Frauen nichts zu sagen haben. Eltern und Lehrer können mit dieser Musik nichts anfangen, sie sind hilflos.Sookee trat beim Frauentags-Festakt am 8. März in der Berliner Landesbibliothek auf, im Mai sitzt sie beim Gender Salon in München auf dem Podium, sie hat beim Antifa-HipHop-Festival in Stuttgart zugesagt und beim Antirassistischen Festival in Lüneburg. Gebucht sind etliche Konzerte in irgendwelchen Clubs des Landes. Ihr Kalender ist mit Terminen gefüllt. Für den Doktortitel ist kein Platz.------------------------------Foto: Sookee braucht keinen Doktortitel, aber gute Musik: Sie singt schneller als man zuhören kann, sie verzichtet auf billige Metaphern und literarische Plattitüden. Sie lebt in Neukölln und tourt durch das Land.