Wenn eines der Gebäude am Potsdamer Platz dem Betrachter das Gefühl von New York vermittelt, dann ist es das Kollhoff-Hochhaus auf dem Daimler-Areal. Seit Sonnabend können Berliner und Touristen die Dachterrassen in 90 und 96 Meter Höhe erobern - allerdings mühelos, denn sie gleiten bequem innerhalb von 20 Sekunden mit dem schnellsten Fahrstuhl Europas nach oben. Die Fahrt kostet sechs Mark. Der Lift hatte am Sonnabendmorgen vor tausenden Besuchern seine Jungfernfahrt. Bis zum Sonntagabend zählten die Veranstalter 9 000 Besucher.Die Beschleunigung des Liftes ist kaum zu merken. Selbst eine auf den Rand gestellte Münze am Boden der Kabine blieb stehen. Marie-Luise Tamm aus Lankwitz ist begeistert von dem Aufzug: "Der Magen bleibt da, wo er hingehört", sagt sie, nachdem sie mit Tempo 30 hoch transportiert worden ist. Auch die Aussicht gefällt ihr. "Das Atrium des Sony Centers sieht von hier oben klasse aus." Den Fortgang der Bauarbeiten hat Katja Schleusing aus Prenzlauer Berg hautnah erlebt, denn sie arbeitet gleich nebenan in den Arkaden. "Am liebsten stehe ich aber auf dem Marlene-Dietrich-Platz und lasse meinen Blick umherschweifen."Betrieben wird die Aussichtsplattform von der benachbarten Info-Box und dem Bauherren DaimlerChrysler - zunächst probeweise für drei Monate. Am ersten Tag wollten 4 000 Menschen dem Kollhoff-Hochhaus aufs Dach steigen.Der einstige rote Anziehungspunkt, die Info-Box, ist von der Entwicklung am Potsdamer Platz längst überholt worden. Jetzt schlendern die Leute selbst durch die Gassen der Daimler- und Sony-City. Und was bietet eine Terrasse in 23 Meter Höhe schon im Vergleich zu der Aussicht vom 24. Stock? "Das ist dann hier ja wie in der zweiten Etage", sagt eine Kreuzbergerin, die ihren Besuch hierher eingeladen hat. Trotzdem war sie noch einmal auf dem Dach der Info-Box.Info-Box soll länger bleibenDie Info-Box, die gemeinsam vom Land Berlin und den Investoren am Potsdamer Platz betrieben wird, bekommt vermutlich eine Gnadenfrist. Eigentlich sollte sie zum Jahresende abgebaut werden. Jetzt aber wird nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geprüft, ob sie bis zu eineinhalb Jahre länger am Leipziger Platz bleiben kann. Dies hänge aber davon ab, wie sich das mit den dort geplanten Hochbauten vertrage, sagt die Sprecherin der Senatsbehörde, Petra Reetz.Immerhin hat man von der Dachterrasse der Info-Box eine Aussicht, die die neue Plattform nicht bieten kann - den Blick auf das Kollhoff-Hochhaus.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Die neue Aussichtsplattform im Kollhoff-Hochhaus. Die Fahrt mit dem Lift kostet sechs Mark. ---BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Neue Perspektiven erfordern neue Standorte: Der Blick auf das Sony Center von der Aussichtsplattform im 24. Stock.