1998 wird wohl das Jahr der deutschen Kinokakerlake werden. Eben erst hat Volker Schlöndorff seine Krimiadaption "Palmetto" nach einer amerikanischen Subspezies von Küchenschaben benannt und sie auch ausführlich durch seine Filmbilder laufen lassen. Und schon begegnet man den knackigen Käferchen im nächsten deutschen Spaßthriller wieder: Auch Michael Bartletts "Ein tödliches Verhältnis" hat ein inniges Verhältnis zur Küchenschabe. Es scheint, sie paßt besonders gut zu Filmarbeitern, die halbironische Zerstreuung der harten, ehrlichen Genrearbeit vorziehen."Ein tödliches Verhältnis" macht mit Lisa (Julia Jäger) bekannt, die gerade eine Wilmersdorfer Bürgerswohnung bezieht. Nebenan leben Ben und Jenny, Gynäkologe und Hausfrau. Besonders viel erfährt man darüber hinaus nicht von diesen Menschen, ausgenommen die folgende simple und ein wenig herzlose Charakterisierung: Jenny (Floriane Daniel) ist ungewollt kinderlos und verliert darüber zunehmend den Verstand. Soviel Verzweiflung kommt Lisa gerade recht. Sie schleicht sich in die Mitte des Paares, zieht den drögen Ben (Dominique Horwitz) ins Bett und läßt sich schwängern. Zeitgleich wird sie die beste Freundin und bald in Habitus und Äußerem auch der Spiegel ihrer Nachbarin. Die Absichten sind unklar, aber die Eingangsbilder des Films, die ein massakriertes Paar zeigten, sind nicht sehr beruhigend.Julia Jäger erfüllt Lisa mit schöner mißmutiger Aura aber gegen die Widerstände des Drehbuchs kann sie nichts ausrichten. Von Ferne grüßt Barbet Schroeders fatales WG-Drama "Weiblich, ledig, jung sucht...", auch David-Lynch-Kino kam dem Regisseur von "Ein tödliches Verhältnis" wohl in den Sinn. Doch immer wenn der Film sich besser ernst nehmen sollte, gibt es Ablenkung und Ausflüchte in die Komödie. Und wo mehr Komödie gefragt wäre, begegnet man einander mit unangemessenem Ernst. Die Geschichte ist läppisch, die Versuche, sie weiter zu ironisieren, wirken ermattend.Hier nun kommt die Kakerlake ins Bild. In einem Terrarium, das die Kamera nicht vergißt, regelmäßig aufzusuchen, vermehrt Lisa leise raschelnde Schaben, bis sie eine ansehnliche Polpulation gezüchtet hat Verwendung unbekannt. Hochspannung also. Oder fortschreitende Langeweile.Jedenfalls wird die ganze Brut eines Tages von Lisa heimlich in den Reisekoffer gepackt, der den inzwischen widerspenstigen Liebhaber und seine Frau in den Florida-Urlaub begleitet. Nur: die Rache findet gar nicht statt. Denn das Script will es, daß das Gepäck in der Fremde zuerst vertauscht und dann auch noch gestohlen wird. So landen Unterwäsche und Kakerlaken in einer Garage, wo nun die Diebe über die eklige Beute schaudern müssen. Soll man jetzt lachen?"Ein tödliches Verhältnis" sucht fieberhaft nach originellen Storywendungen und ersetzt dabei nur belanglose Bewegungen durch andere belanglose Bewegungen. Die kompositorischen Anstrengungen ergeben zusammengerechnet nur doppeltes Schulterzucken.Ein tödliches Verhältnis Deutschland 1998, Regie und Drehbuch: Michael Bartlett, Darsteller: Julia Jäger, Floriane Daniel, Dominique Horwitz, Dorothea Moritz.

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