Erfolg ist verführerisch. Die Autorin Cornelia Funke, die heute weltberühmt ist, hat sich ihre ersten richtigen Fans mit der Buchserie "Die wilden Hühner" erschrieben. Diese Geschichten um eine Gruppe von Freundinnen und ihren Spaß am Leben sowie ihre alltäglichen Probleme fanden so viel Anklang, dass es bis heute etwa zehntausend Fanclubs gibt, die sich beim Verlag angemeldet haben. Und das, obwohl im Jahr 2003 mit "Die wilden Hühner und die Liebe" der letzte Band der Reihe erschienen ist. Insgesamt wurden mehr als 2,8 Millionen Exemplare verkauft.Der Erfolg der Bücher führte 2005 zum ersten Film: "Die Wilden Hühner", zwei Jahre später kam "Die Wilden Hühner und die Liebe" in die Kinos. Beide beruhten deutlich auf den Büchern, waren allerdings moderner in der Ausstattung mit Mode- und technischen Accessoires und trafen damit wunderbar den Geschmack des vorwiegend weiblichen Publikums zwischen sechs und zwölf Jahren. Da geht noch was, muss man sich bei der Bavaria gedacht haben; jedenfalls wird die Produzentin Uschi Reich in den Pressematerialien für den neuen Film mit dem Satz zitiert: "Nach dem Erfolg von ,Die Wilden Hühner und die Liebe' stand fest, dass wir einen dritten Teil machen werden."Ach, hätten sie doch nur der Volksweisheit geglaubt, nach der man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Weil inzwischen die Episoden der Buchvorlagen so gut wie ausgeschöpft waren, hat nun die Produzentin selbst gemeinsam mit der Regisseurin Vivian Naefe und Thomas Schmid ein Drehbuch für "Die Wilden Hühner und das Leben" entwickelt; Ideen von Cornelia Funke flossen mit ein.In der Hauptsache geht es darum, dass die Mädchen um Sprotte sich langsam zu erwachsen fühlen, um noch richtig wild zu sein. Drei etwa zehnjährige alberne "Wilde Küken" machen ihnen auf einer Klassenfahrt Konkurrenz und werden schließlich ihre Nachfolge als Bande antreten. In den Beziehungen zwischen den Hühnern und den Jungs von der Pygmäen-Bande kriselt es. Sprotte, die seit zwei Jahren mit Fred zusammen ist, fühlt sich noch nicht bereit fürs erste Mal und bricht ein intimes Treffen im Banden-Wohnwagen eilig ab. Fred knutscht bald mit einer anderen herum. Dass er diese beim Karaoke-Singen kennenlernt, erscheint als peinliche Anbiederung ans Publikum. Genauso kam auch das Traumpaar des Disney-Hits "High School Musical" zusammen. Das Huhn Melanie war indes mit Willi schon weiter und glaubt schwanger zu sein. Da hat das Drehbuch-Team munter an seinen Zuschauern vorbeifantasiert, die mehrheitlich ja noch nicht mal in der Pubertät sind.Neben allerlei Ungereimtheiten müssen die Fans zusätzlich verkraften, dass eine Darstellerin ausgewechselt wurde. Die knapp zwanzigjährige Sonja Gerhard war im vergangenen Jahr im Teenager-Film "Sommer" zu sehen. Ihre Melanie ist nicht mehr die vielbewunderte zickige Schönheit, sondern ein Mädchen, das oft heult und irgendwann ihren Freundinnen erklärt, dass sie auch einmal im Mittelpunkt stehen wollte.Am Ende hat man das Gefühl, viel zu lange im Kino gesessen zu haben; selten froh, oft verärgert.------------------------------Die Wilden Hühner und das Leben Dtl. 2009. Regie: Vivian Naefe, Drehbuch: Thomas Schmid, Uschi Reich, Vivian Naefe, Kamera: Peter Döttling, Darsteller: Michelle von Treuberg, Lucie Hollmann, Sonja Gerhard, Jette Hering, Zsa Zsa Inci Bürkle u. a.; 106 Min., Farbe.------------------------------Foto: Fred (J. Mockridge) will mehr als Küsse von Sprotte (M. v. Treuberg).