aß unser Sonnensystem nicht alles ist und die unendlichen Weiten des Weltalls erst dahinter beginnen, das hat uns niemand so schön und phantasievoll bewiesen wie das "Raumschiff Enterprise". Seit drei Jahrzehnten gleitet es nun schon durch die Galaxien. Dabei hat es selbst die Milchstraße des Fernsehens hinter sich gelassen und drang mit Warp-Geschwindigkeit in den Kino-Kosmos vor. Während die Ur-Besatzung Kirk, Spock & Co auf der Leinwand allmählich zur Rentner-Crew emeritierte, übernahm auf der Mattscheibe "Die nächste Generation" das Kommando.Bis dann, vor zwei Jahren, im siebten Langfilm der "Star Trek"-Reihe, die Generationen aufeinandertrafen. Der alte Captain verließ das sinkende Schiff und übergab Captain Picard den Stab im Staffellauf. "Der erste Kontakt" ist nun das erste pure Kino-Abenteuer der "nächsten Generation". Und beinahe wäre der achte Film der (nach James Bond) zweiterfolgreichsten Kino-Serie aller Zeiten pünktlich zum Jubiläum fertig geworden: Die erste Fernsehfolge flimmerte am 8. September 1966 über die US-Bildschirme.Doch die Trekkies haben ihre eigene Zeitrechnung, und so setzt der Film dennoch am ersten Tag der "Star Trek"-Ära an: am 4. April 2063, als der genialische Erfinder Zefram Cochrane den ersten Warp-Flug ins All startet und so Kontakt mit Vulkaniern knüpft - die Geburtsstunde der Föderation. Die Borg, fiese Gegenspieler der Weltraumflotte, katapultieren sich drei Jahrhunderte später in die Vergangenheit zurück, um den Start dieser Pionier-Rakete zu verhindern und die Geschichte umzuschreiben. Die Enterprise E (das neueste Modell, nachdem Nummer D im letzten Film zerstört wurde) hetzt hinterher, um das tückische Attentat zu verhindern.Im Gegensatz zu den meisten Science-fiction-Spektakeln ist dies kein Anlaß für ermüdende Raumschiff-Schlachten: Gefeuert wird überwiegend mit Pointen, und unter der Munition ist mancher Gag, der nur bei Insidern zündet. Der normale Kinogänger wird einen solide gemachten, spannenden Action-Film sehen, den besten immerhin in der ganzen "Star Trek"-Welle. Der Trekkie dagegen wird mit einem Kosmos von Anspielungen bombardiert, und es wird ihm eine vergnügliche Aufgabe sein, sie alle aufzuschlüsseln.Die guten, alten Bekannten tauchen einmal ganz anders auf: Captain Picard (Patrick Stewart), der Intellektuelle an Bord, hört nicht nur klassische Musik und rezitiert hohe Literatur - diesmal darf er auch niedere Rachegelüste verspüren, geriet er doch in einer früheren Fernsehfolge schon mal selbst in die Fänge der Borg. Dem Machinenmenschen Data (Brent Spiner) wurde bereits im letzten Film ein Emotionschip implantiert, den er nach Belieben an- und abschalten kann. Diesmal wird sein Traum, Mensch zu werden, ganz in die Tat umgesetzt, nur leider von den Außerirdischen: Er verliebt sich ausgerechnet in die Königin der Widersacher. Selbst die Halb-Betazoidin Troi (Marina Sirtis), zuständig für die Kommunikation mit Fremdwesen, nimmt einen für sie ungewöhnlichen Kontakt auf: Der Erfinder Cochrane (James Cromwell) säuft sie beim Tequila-Trinken unter den Tisch.Außerdem wird der Klingone Worf (Michael Dorn), von der "Nächsten Generation" in die Folge-Serie "Star Trek: Voyager" befördert, zurück an Bord gebeamt; und selbst der holographische Doktor aus "Star Trek: Deep Space Nine" hat einen schillernden Auftritt. Unter dem klarsichtigen Gewebe der Borg kann man ferner eine ganze Reihe von Bösewichtern identifizieren, die in früheren Fernsehfolgen ihr Unheil trieben. Und jeder Monitor, der ins Bild rückt, streut liebevolle Zitate aus, die der Trekkie erst erfassen wird, wenn er den Film auf Video beliebig stoppen und zurückspulen kann.Was George Lucas mit seiner "Star Wars"-Trilogie in die Wege leiten wollte, ist zuerst "Star Trek" gelungen: Die fiktive Film-Welt mutiert zur eigenständigen Galaxie, mit eigener Sprache, Ethik und Geschichte. +++