Gemeinsam mit Tom Persich ist der Alt-Unioner an die Alte Försterei zurückgekehrt: Die Odyssee des Jörg Schwanke ist zu Ende

BERLIN, 12. August. Jörg Schwanke, 29, hat seinen Arbeitsweg entscheidend verkürzen können. Der Fußballer, der 1990 in Brüssel im letzten Länderspiel der DDR-Auswahl (2:0 gegen Belgien) seinen ersten und natürlich einzigen Einsatz in diesem Zirkel erlebte, wohnt im Prenzlauer Berg. Von dort bis zur Alten Försterei, der Spiel-und Trainingsstätte seinen neuen und alten Arbeitgebers 1. FC Union Berlin, ist es erheblich kürzer, als nach Babelsberg. Beim dortigen Liga-Konkurrenten SV 03 spielte Schwanke bis vor wenigen Tagen. Nun kehrte er gemeinsam mit Tom Persich zu Union zurück. Am Mittwoch, exakt 15 Uhr, liefen beide wieder zum ersten Training in der vertrauten Umgebung auf. Union-Trainer Ingo Weniger steckte die beiden Rückkehrer sogleich in die grünen Leibchen der Stammelf. Kuriosum: beide sollen am Sonnabend (14 Uhr/ Karl-Liebknecht-Stadion) beim Punktekampf in Babelsberg bereits im Union-Trikot auflaufen. Im Paket mit Persich lotste Union-Manager Jürgen Dubois Schwanke zurück. Die Summe, die Union an die finanziell gebeutelten Babelsberger zahlte, liegt zwischen 50 000 und 80 000 Mark."Man müßte mich mal spaßeshalber zum FC Bayern transferieren", sagt Jörg Schwanke, "wenn die dann auch pleite gehen, dann liegt s an mir." Galgenhumor eines Berufsfußballers, der eine wahre Odyssee hinter sich hat. 22 Monate voller Enttäuschungen. Die Pechsträhne war am Mittwoch vorbei, als Jörg Schwanke wieder bei Union gegen das Leder trat und sagte: "Mir ist, als sei ich nie weggewesen." Rückblende: 6. Oktober 1996. Via Lautsprecheranlage im Stadion an der Alten Försterei muß der damalige Präsident Horst Kahstein den enttäuschten und wütenden Fans einen Notverkauf erklären: Für 200 000 Mark wird Jörg Schwanke zu LR Ahlen transferiert. "Ohne mich", ist Schwanke überzeugt, "wären die damals in Konkurs gegangen." Der Abschied fiel dem gebürtigen Cottbuser, der nach vier Jahren beim VfL Bochum (59 Bundesligaspiele) 1995 nach Köpenick gekommen war, sehr schwer: "Ich hatte bei Union meine schönste Zeit", mit einer Einschränkung: "Leider gab s selten Gehalt."Schwanke kam vom Regen in die Traufe. Zwar kassierte er regelmäßig und gut, "ein Schweinegeld" (Schwanke) beim künstlich von einem Kosmetik-Hersteller am Leben gehaltenen westfälischen Provinzklub, doch dafür mußte er auf einem Dorf-Kickplatz antreten. "Ich war so unglücklich. In Ahlen kamen zwar 2 000 Leute, aber du hast gar nicht gemerkt, daß die da waren." Der Anruf von Trainer Karsten Heine erlöste ihn. Schwanke heuerte im November 97 für ein bißchen weniger Salär (knapp 20 000 Mark Monatsgage) beim SV Babelsberg an. Der ist mittlerweile mehr als klamm, sämtliche Versprechen lösten sich in Rauch auf. Da kam ihm Unions Rückruf gerade recht. Schwanke soll auf der rechten Außenbahn spielen, Persich als Manndecker. Zuerst gegen Babelsberg.