Die geplante Schaltung von Werbung in Steven Spielbergs Holocaust-Film "Schindlers Liste", der am Karfreitag (28. März) auf Pro Sieben läuft, hat in den jüdischen Gemeinden gemischte Reaktionen hervorgerufen. "Es ist problematisch, so einen Film durch Werbung zu unterbrechen", sagte Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Jerzy Kanal, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Berlins, meint: "Es steht außer Frage, daß der Film ununterbrochen durch Werbung mehr Wirkung hat. Der Sender müßte alles mögliche unternehmen, um den Film ohne Unterbrechung auszustrahlen."Rechtsanwalt Michel Friedman, Mitglied des Zentralrats, begrüßte, daß der Film überhaupt gesendet wird: "Ich finde es bemerkenswert und wichtig, an einem Tag wie Karfreitag, an dem viele Menschen zuschauen, diesen Film im Fernsehen zu zeigen. Ich hätte mir gewünscht, daß er nicht durch Werbung unterbrochen wird. Aber deswegen würde ich nicht darauf verzichtet haben wollen, daß der Film ins Fernsehen kommt."Ursprünglich hatte Pro Sieben offenbar geplant, "Schindlers Liste" für zwei drei- bis vierminütige Werbeblöcke und eine Kurznachrichtensendung zu unterbrechen. Inzwischen will der Sender den Film lediglich in zwei Stücke teilen, zwischen denen die Nachrichtensendung kommt. Dieser Nachrichtenblock soll von Werbung umrahmt sein. Außerdem will Pro Sieben einen Gesamtsponsor gewinnen. Friedman: "Die Lösung, die Werbung um die Nachrichten herum zu senden, ist zwar nicht optimal, aber doch der Versuch, den Anspruch dieses Films und aller Beteiligten zu wahren. Optimale Lösung wäre gewesen, den An- und Abspann durch einen Werbekunden zu finanzieren." Ignaz Bubis dazu: "Wenn man wenigstens die Nachrichten durch Werbung unterbrechen könnte und nicht zwei Blöcke davor und dahinter stellt, dann wäre das besser. Denn so sind die Blöcke doch in der Nähe des Films."Laut Vertrag darf Pro Sieben "Schindlers Liste" für Werbung unterbrechen, es darf jedoch keine Reklame für Hygieneprodukte und Alkoholica gemacht werden. Außerdem ist der Sender verpflichtet, zwei thematisch verwandte Dokumentationen am selben Tag auszustrahlen. Geplant sind "Das tägliche Leben der Juden in Hebron und New York" vor dem Hauptfilm und "Die Überlebenden des Holocaust" danach. Darin stellt Schauspieler Ben Kingsley die "Survivors of the Shoah Visual History Foundation" vor, die Aussagen von Zeugen des Holocaust sammelt, um die Erinnerung wachzuhalten.In den USA war "Schindlers Liste" von NBC ohne Werbung gezeigt worden. Die Autofirma Ford hatte die komplette Ausstrahlung finanziert, so daß auf Unterbrecherwerbung verzichtet werden konnte. In Deutschland hatten sechs Millionen Kinogänger den Film gesehen. +++