Über den Mitarbeiter Lügen verbreiten, sie ins offene Messer laufen lassen, ihnen Informationen verschweigen oder sie wie Luft behandeln. So werden Mobbingopfer schikaniert -vom Arbeitgeber, aber auch von den eigenen Kollegen. "Mobbingstreitigkeiten haben in letzter Zeit zugenommen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird gerne mit unfairen Mitteln gearbeitet, um vermeintlich schwächere Arbeitnehmer loszuwerden", sagt Rechtsanwältin Erika Schreiber, die schon viele Geschädigte vertreten hat. Mobbing, erklärt die Anwältin, sei systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte. Ist es Schikane, wenn ein Mitarbeiter am laufenden Band Abmahnungen erhält, oder sind sie tatsächlich gerechtfertigt, weil er schlecht arbeitet? "Wichtig ist die Gesamtschau über alle Ereignisse. Auch mehrere Abmahnungen in Folge werden in der Regel nicht ausreichen, um Mobbing anzunehmen. Daher sollte man möglichst detailliert eine Art Mobbingtagebuch führen", rät Schreiber. Denn wie soll der Gemobbte beweisen, dass sein Chef ihn beleidigt hat, wenn das Gespräch unter vier Augen stattgefunden hat? Und wie kann er nachweisen, daß seine Kollegen ihn ständig wie Luft behandeln, wenn die einzigen denkbaren Zeugen eben diese Kollegen sind? Am besten ist es daher, alles was passiert ist, aufzuschreiben, E-Mails und Anweisungen zu dokumentieren und Zeugenaussagen zu sammeln. Früher hatten Opfer meist schlechte Karten. Die Gerichte erkannten Mobbing nur dann an, wenn sie in den Vorfällen einen "Schikanewillen" entdecken konnten. Der war jedoch nur selten nachweisbar.Rechtlos sind Gemobbte natürlich nicht. So haftet der Arbeitgeber nach § 278 BGB für Schäden, die einer seiner Arbeitnehmer dadurch erleidet, wenn ihn sein Vorgesetzter schuldhaft in seinen Rechten verletzt. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschied in einem Urteil aus dem Jahre 2007 (Aktenzeichen 8 AZR 593/06), dass ein Oberarzt Anspruch auf Schmerzensgeld hat. Der Neurologe war psychisch krank geworden, weil der Chefarzt seiner Abteilung ihn ständig in seiner fachlichen Qualifikation herabgewürdigt hatte. Bei Schikanen durch Kollegen oder auch durch einen Vorgesetzten sollte man sich zuerst beim Arbeitgeber beschweren. Dieser hat eine Fürsorgepflicht und muss Abhilfe schaffen. Hat der Arbeitnehmer zum Beispiel sinnlose Aufgaben zu erledigen, kann er verlangen, dass ihm eine vertragsgemäße Arbeit zugewiesen wird. Nutzen Beschwerden beim Chef nichts, hat der Mitarbeiter das Recht, die Arbeit zu verweigern. Sogar seinen Lohnanspruch behält er dann. "Damit man seine Ansprüche erfolgreich geltend machen kann, ist unbedingt erforderlich, dass sich der Betroffene -nach rechtlicher Beratung -zunächst zu Beweiszwecken bei seinem Arbeitgeber schriftlich beschwert", empfiehlt Erika Schreiber. Der Mitarbeiter kann auch Schadenersatzansprüche geltend machen -zum Beispiel die Differenz zwischen dem Krankengeld und dem Lohn, wenn man länger als sechs Wochen krank ist. Vorausgesetzt, er ist in der Lage, durch ausführliche Atteste oder durch ein Gutachten eine mobbing-typische Erkrankung nachzuweisen.Mitarbeiter wegzumobben, kann einer Firma unter Umständen teuer zu stehen kommen. So verdonnerte das Arbeitsgericht Cottbus ein Altenheim dazu, 30 000 Euro Schmerzensgeld an die ehemalige Pflegedienstleiterin zu zahlen. Der Vorgesetzte hatte Anordnungen der Leiterin widerrufen, ihr Hausverbote erteilt und sie vor Kollegen beleidigt. Ist die Situation unerträglich, besteht die Möglichkeit, den Arbeitsvertrag fristlos zu kündigen. Manchmal gelingt es, eine Abfindung zu erstreiten. So wie im Falle einer Mandantin von Rechtsanwältin Schreiber, die sich wegen sexueller Belästigungen durch einen Vorgesetzten beschwerte und daraufhin prompt ihre Kündigung erhielt. Vor dem Arbeitsgericht schlossen die Parteien einen Vergleich, die Mandantin nahm ihre Klage zurück und erhielt im Gegenzug eine hohe Abfindung. Arbeitnehmer sollten aber berücksichtigen, dass Verfahren vor den Arbeitsgerichten viel Geld kosten können. In der ersten Instanz nutzt einem auch ein obsiegendes Urteil nichts, weil jede Partei ihre eigenen Kosten trägt. Da lohnt es sich, Mitglied in einer Gewerkschaft oder rechtsschutzversichert zu sein.------------------------------HILFE FÜR MOBBINGOPFERBeratungAnwälte und Infos zur aktuellen Rechtsprechung www.mobbing-hilfe-recht.deVerdi Berlin erteilt Konfliktberatungen. Köpenicker Straße 30, Kreuzberg, Tel. 88 66 52 80MobbingberatungBerlin-Brandenburg, Uhlandstraße 127, Wilmersdorf, Tel. 86 39 15 72 www.mb-berlinbrandenburg.deLiteratur Mobbing. Der Ratgeber für Betroffene. Bund Verlag, 7. Auflage, 320 Seiten, 16,90 Euro.------------------------------Foto: Psychoterror durch Ausgrenzung und Schikane treibt Betroffene in die Isolation.