DÜSSELDORF, 24. Februar. Knapp drei Monate vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen muss sich der Generalsekretär der NRW-CDU, Herbert Reul, wegen einer Gehaltsaffäre mit massiven Vorwürfen aus der eigenen Partei auseinander setzen. Reul soll sich eigenmächtig einen Einkommenszuschlag von 2 500 Mark zu Lasten seiner Partei genehmigt haben, auf den er zuvor in seinen Anstellungsgesprächen ausdrücklich verzichtet hatte. Außerdem wird dem Leiter des Wahlkampfes von Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers vorgeworfen, er habe sich einen Privatflug aus der Parteikasse bezahlen lassen.Reul hatte auf erste Berichte über seine angebliche Vorteilsnahme zu Wochenbeginn erklärt, ihm sei bei seiner Anstellung 1991 als Generalsekretär ein Gehalt von 13 500 Mark zugesichert worden. Wegen der Finanznöte der Partei habe er allerdings in Absprache mit dem damaligen Landeschef Norbert Blüm und Ex-Schatzmeister Joachim Rauch freiwillig auf die Auszahlung des 2 500-Mark-Zuschlags als stellvertretender Fraktionschef verzichtet. Dieser Abmachung zufolge wurde also auf das Generalsekretärsgehalt von 13 500 Mark die von Reul ebenfalls bezogenen erhöhten Diäten als Vize der Düsseldorfer CDU-Fraktion angerechnet. Nach der Landtagswahl vor vier Jahren, so Reul, sei es der Partei dann besser gegangen und er habe sich die Beträge auszahlen lassen. Das aber tat er offenbar eigenmächtig und ohne Rücksprache. Die Unionsspitze verlangte schließlich die Rückzahlung zu viel gezahlter Gelder. Die neue Führung der Union fürchtete offenbar zwar nicht, dass es sich bei den 2 500 Mark monatlich um eine rechtlich bedenkliche, verdeckte Parteispende handeln könnte. Allerdings machte sie geltend, dass ein volles Gehalt auch die volle Leistung des Generalsekretärs erfordere. Eine Leistung, die sie ihm bei gleichzeitiger Ausübung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzes offenbar nicht abverlangen wollten.Der Union ist die ganze Angelegenheit nun ausgesprochen unangenehm. Zwar gab es am Donnerstag die einhellig vorgetragene Auffassung, es gebe rein rechtlich am Verhalten des Wahlkampfleiters nichts zu beanstanden. Aber politisch bereitet den meisten in Fraktion und Partei die Affäre einige Bauchschmerzen. "Manche können nicht mal 500 Mark liegen lassen", ärgerte sich ein einflussreiches Fraktionsmitglied.Dem Versuch einiger Unionspolitiker, die Sache herunterzuspielen, räumten die Kritiker gestern in Düsseldorf wenig Chancen ein. "Für die Parteibasis ist das schon wegen unseres Slogans von der neuen CDU im Westen und der Affäre im Bund ein Thema, das sie geklärt haben möchte", so ein Ex-Fraktionsfunktionär. Zudem hat Reul sich 1996 auch noch die Kosten für einen offensichtlich privaten Flug zu den Salzburger Festspielen in Höhe von 1 124 Mark aus der Parteikasse erstatten lassen, heißt es.Am Donnerstag befasste sich eine dreiköpfige Partei-Ehrenkommission der NRW-CDU mit den Vorwürfen gegen Reul. Was aber mit dem Organisator des Wahlkampfes geschehen wird, darüber entscheidet sein Vorgesetzter, und das ist für NRW-Generalsekretär Reul dessen Landesvorsitzender Jürgen Rüttgers. Auf CDU-Bundesebene setzt sich Rüttgers dafür ein, dass die ganze Wahrheit auf den Tisch müsse. Am kommenden Mittwoch ver-handelt der Geschäftsführende Landesvorstand der Union unter seinem Vorsitz den Fall Reul."Manche können nicht mal 500 Mark liegen lassen. " Ein Mitglied der CDU-Fraktion